Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 40 St. Lambertus, Schatzkammer 2. H. 15. Jh.

Beschreibung

Kelch. Silber; neu vergoldet, getrieben, gegossen, graviert. Auf einem Pass des schlichten sechspassigen Fußes mit ornamentierter Zarge ein graviertes Kreuz mit der aufgelegten plastischen Figur des Gekreuzigten. Der Kreuztitulus (A) befindet sich auf einem geschwungenen Schriftband, das so dargestellt ist, als wäre es in ein an das obere Ende des Kreuzesbalkens genageltes, gespaltenes Stück Holz (?) eingeklemmt. Die sechseckige Schaftgalerie zeigt durchbrochene vierblättrige Blüten, einen Zinnenfries und Schindeln, der Schaft ist durchbrochen mit Maßwerk geschmückt. Der flache Nodus zeigt Blattwerk, auf den sechs rautenförmigen Rotuli finden sich die getriebenen Einzelbuchstaben des Nomen sacrum (B). Die glatte Kuppa ist erneuert.1) Unter dem Fuß eingeritzt die Gewichtsangabe (C) sowie zwei Angaben des 18. Jahrhunderts oder später.2)

Maße: H. 22,5 cm; Dm. 16,5 cm (Fuß); Bu. 0,2 cm (A), 0,9 cm (B), 0,2 cm (C).

Schriftart(en): Gotische Minuskel (A, B); gotische Kursive (C).

DI 89, Nr. 40 - St. Lambertus, Schatzkammer - 2. H. 15. Jh.

 AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften (Gerda Hellmer) [1/6]

  1. A

    i n //r i3)

  2. B

    ia)//h//e//sa)//u//s

  3. C

    It(em)b) iiii mark vnde / iɉc) lot

Kommentar

In Inschrift B sind zur rechten und linken Seite der Buchstaben die Winkel des jeweiligen Rotulus mit einem vegetabilen Ornament gefüllt, zumeist auf der einen Seite mit einem Blatt, auf der anderen Seite mit einer Blüte. Diese sind in den meisten Fällen mit den Buchstaben dadurch verbunden, dass ein oberes und ein unteres Schaft- bzw. Bogenende in einem Zierstrich ausläuft, an dessen Ende ein solches Ornament angesetzt ist. Lediglich bei rundem s am Wortende ist keine Verbindung erkennbar. Die Schaft- und Bogenenden sind mehrfach sehr flächig und ausgeprägt, fast als Quadrangeln, ausgeführt, bei h aus Platzgründen gespalten. Der Balken des e ist zu einem schräg verlaufenden Zierstrich reduziert, der unten nach rechts umgebogen ist und bis an den unteren Teil des gebrochenen Bogens reicht.

Der Kelch wird aus stilistischen Gründen in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert; als Herstellungsort wird der Niederrhein, vielleicht Köln, vermutet.4) Er weist Ähnlichkeiten mit einem Mitte des 15. Jahrhunderts datierten Kelch in der Domschatzkammer Essen auf, bei dem bei den Buchstaben e und Schaft-s des Nomen sacrum auf die Spitze des umgebrochenen Schaft- bzw. Bogenendes „blattähnliche Ziermotive … aufgesetzt“ sind und entsprechende Ornamente sich auch zu beiden Seiten des i finden.5) Die Zierelemente des Essener Kelches sind allerdings im Vergleich zu den hier anzutreffenden sehr viel schlichter gestaltet.

Zum Verhältnis Lot und Mark gibt Heppe an, dass „reines Silber in Gewicht einer kölnischen Mark …16 Lot, die übliche Legierung 12–14 Lot“ hatte.6)

Textkritischer Apparat

  1. Der Buchstabe ist teilweise beschädigt.
  2. Buchstabenbestand: It und eine Schlinge.
  3. So für den Zahlenwert „anderthalb“. Das untere Ende des j ist tief nach unten gezogen und so nach links umgebogen, dass es den Schaft auf etwa einem Drittel der Höhe durchschneidet.

Anmerkungen

  1. So z. B. Clemen, KDM Düsseldorf, S. 48, Nr. 18; Schnitzler, Kirchenschatz, S. 182; Kat. Frommer Reichtum, S. 263, Nr. 24 (S[onja] Schü[rmann]); Kampmann, Kunstdenkmälerverzeichnis St. Lambertus, S. 62.
  2. Neben C ist noch zu lesen N 2 sowie 1(Pfund) 28. Für Pfund die Abkürzung lb in der Form des verbundenen l und b mit durch den Schaft des l gezogenem Bogen von b. Außerdem befindet sich unter dem Fuß ein aufgeklebter Zettel mit der neuzeitlichen Inventarnummer „30/7“.
  3. Nach Io 19,19.
  4. So Kat. Frommer Reichtum, S. 263, Nr. 24 (S[onja] Schü[rmann]); Richartz, Kirchenschatz, (1989), Inv.-Nr. 9,3 (ohne Angabe des Herstellungsortes); Kampmann, Kunstdenkmälerverzeichnis St. Lambertus, S. 62. Clemen, KDM Düsseldorf, S. 48, Nr. 18, u. Schnitzler, Kirchenschatz, S. 182, datieren ihn Mitte 15. Jh.
  5. DI 81 (Essen), Nr. 71, das Zitat ebd.
  6. Kat. Frommer Reichtum, S. 43.

Nachweise

  1. Kat. Frommer Reichtum, S. 263, Nr. 24 (S[onja] Schü[rmann]) (nur B).
  2. Kampmann, Kunstdenkmälerverzeichnis St. Lambertus, S. 62.

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 40 (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di089d008k0004003.