Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 28 Himmelgeist, St. Nikolaus 1454

Beschreibung

Glocke des Gießers Heinrich Brodermann. Bronze, Gewicht 819 kg, Schlagton fis’+4;1) dient als Uhrglocke. Die Glockenrede mit Widmung und Datum verläuft unterhalb der flachen Haube zwischen einfachen Stegen; das letzte Wort aus Platzgründen in eine zweite Zeile mittig unter das letzte und erste Wort der ersten Zeile gesetzt. Die Glocke ist mit je drei Stegen am Wolm und am Schlagring verziert.

Maße: H. 91 cm (ohne Krone); Dm. 110,7 cm; Bu. 2,9 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 89, Nr. 28 - Himmelgeist, St. Nikolaus - 1454

 AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften (Kristine Weber) [1/4]

  1. · ICH · BIN · GEGOSSEN · INa) · EER · SANTTEb) · NICOLAIc) · UNDE · MARIA · MADALENAd) · ANNO · DOMINI · M · CCCC · LIIII · IN · DEM · / · MEIGE2) ·

Kommentar

Als Worttrenner dienen vierblättrige Rosetten; den Beginn der sorgfältig ausgeführten Inschrift bezeichnet eine üppiger gestaltete Rosette. Die Schrift ist gekennzeichnet durch pseudounziales A, innen offenes B, kapitales D, leicht eingerolltes und oben fast geschlossenes G, kräftige Abschlussstriche bei C, unzialem E und rundem T, den unteren Abschlussstrich bei symmetrisch geschlossenem unzialen M, rundes N, R mit geschwungener, stark einwärts gekrümmter Cauda und nach links überstehendem Bogenende sowie ausgeprägte Bogenschwellungen und Sporen und z. T. keilförmige Schaft- und Bogenenden. Der Balkensporn bei L ist keilförmig und weit nach oben gezogen, so dass er nahezu einen Abschlussstrich bildet.

Die Glocke ist unbezeichnet, kann aber aufgrund der Majuskeltype sowie der Trennzeichen dem Gießer Heinrich Brodermann zugeordnet werden.3) Abweichend von der von Brodermann bis zum Guss der Kölner Domglocke Preciosa4) im Jahr 1448 in zwei unterschiedlichen Größen verwendeten Minuskel5) wurde die Inschrift auf der Glocke für den Kölner Dom – vermutlich, weil die vorherigen Güsse solche zeigten – in Majuskeln gestaltet.6) Diese beim Guss der Preciosa eingesetzte, in der Mitte des 15. Jahrhunderts nicht mehr zeitgemäße Majuskeltype hat Brodermann auch anschließend verwendet. Sie findet sich für eine volkssprachliche Inschrift auf der Himmelgeister Glocke ebenso wie auf der 1453 gegossenen Glocke für St. Clemens in Hemmersbach, Stadt Kerpen.7) Mit der Glocke von 1440 in St. Cäcilia in Hubbelrath (Nr. 25) ist in Düsseldorf noch eine zweite Glocke dieses Gießers erhalten.

Textkritischer Apparat

  1. in der v. Trostorff.
  2. Sic! Sancte Strauven, Pick, Clemen, v. Trostorff, Knopp, Mainzer, Glockenbuch.
  3. Für O fälschlicherweise Model für Q mit rechts angeschlossenem Strichpunkt verwendet.
  4. Sic! Magdalena Pick, Knopp.

Anmerkungen

  1. Glocken und Geläute, S. 335; https://thema.erzbistum-koeln.de/glockenbuch/glockenbuecher/06_glockenbuch_duesseldorf.pdf, S. 153 (Zugriff: 03.05.2020).
  2. Mit dem frühneuhochdeutschen „Meige“ wird hier der Monat Mai bezeichnet. Dazu Baufeld, Wörterbuch, S. 164.
  3. Zu Brodermann vgl. Poettgen, Werkstätten, S. 18, Nr. 10; ders., 700 Jahre, S. 95f.; s. auch im Kommentar zu Nr. 25.
  4. Vgl. zur Preciosa im Kölner Dom Poettgen, 700 Jahre, S. 109–115.
  5. Ebd., S. 96.
  6. Ebd., S. 112f.
  7. Ebd., S. 96; die Inschrift der Hemmersbacher Glocke bei Clemen, KDM Bergheim, S. 86. Ein Teil des Inschriftenfeldes der Preciosa ist abgebildet bei Poettgen, 700 Jahre, S. 110 u. 114.

Nachweise

  1. StA Düsseldorf, Nachlass Strauven, Karton 4, Mappe 15, fol. 606r (Zeitungsartikel vom 21. September 1872, ohne Angabe der Zeitung).
  2. Pick, Glocken-Inschriften, S. 413.
  3. Clemen, KDM Düsseldorf, S. 118.
  4. v. Trostorff, Beiträge, Bd. 4, S. 44.
  5. Knopp, Düsseldorf-Himmelgeist, S. 9.
  6. Mainzer, St. Nikolaus, S. 20.
  7. https://thema.erzbistum-koeln.de/glockenbuch/glockenbuecher/06_glockenbuch_duesseldorf.pdf, S. 155 (Zugriff: 03.05.2020).

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 28 (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di089d008k0002803.