Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 27 Stadtmuseum 1454

Beschreibung

Glocke des Gießers Hermann von Alfter. Bronze. Die für St. Cäcilia in Benrath gegossene Glocke mit Glockenrede (Name, Widmung, Meisterinschrift und Datum), die seit 1928 wegen eines Sprungs nicht mehr läutefähig ist,1) befindet sich seit 1948 im Stadtmuseum Düsseldorf.2) Die Inschrift, bei der die einzelnen Modeln sehr gut zu erkennen sind, verläuft unterhalb der flachen Haube um die Schulter unterhalb eines 2 cm hohen, nach unten offenen Vierpassfrieses. An der Flanke befinden sich um die Glocke gleichmäßig verteilt die Pilgerzeichen von St. Quirin in Neuss mit nicht lesbarer Inschrift auf der Standleiste,3) von St. Servatius in Maastricht, von St. Leonhard in Gustorf mit nicht lesbarer Inschrift auf der Standleiste und von Kornelimünster sowie ein Pilgerzeichen von St. Peter in Rom in Kombination mit dem Wappen der Stadt Köln. Wolm und Schlagring sind mit jeweils drei Stegen versehen. Krone aus sechs schlichten Bügeln.

Maße: H. 87 cm (ohne Krone); 110 cm (mit Krone); Dm. 100 cm; Bu. 2,2 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versal aus der gotischen Majuskel.

DI 89, Nr. 27 - Stadtmuseum - 1454

 Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf (Stefan Arendt, LVR - Zentrum für Medien und Bildung) [1/9]

  1. mariaa) heis icb) in de er godes lvden ich · herma(n)c) vand) Alfter gos mich · A(nno)e) d(omini)e) mccccliiii · des a(n)dere(n)f) dagesd) nad) visitasio(n)isg) maried) ·

Versmaß: Deutsche Reimverse (Zeilen 1–3).

Wappen:
Stadt Köln4)

Kommentar

Durch vierblättrige Rosetten werden syntaktische Einheiten getrennt. Als Versal verwendete der Gießer ein pseudounziales A aus der gotischen Majuskel. Das Minuskel-a ist nahezu durchgängig spiegelverkehrt ausgeführt.

Zum paläographischen Kommentar, dem hier verwendeten Zierfries, dem Kölner Gießer Hermann von Alfter und weiteren Glocken dieses Gießers für Düsseldorfer Kirchen sowie dem Formular s. die Angaben zur ein Jahr älteren Glocke für St. Cäcilia (Nr. 26).

Das Pilgerzeichen des hl. Leonhard, das Neusser Pilgerzeichen und das römische Pilgerzeichen mit dem älteren Wappen der Stadt Köln entsprechen den Abgüssen auf der älteren Benrather Glocke, während Alfter statt des Pilgerzeichens von Maria Einsiedeln hier das Zeichen von Kornelimünster5) verwendet und ein Maastrichter Pilgerzeichen benutzt hat, das den hl. Servatius nicht, wie auf der Glocke von 1453, flankiert von zwei Engeln, sondern den beiden Maastrichter Bischöfen Monulphus und Gondulphus zeigt.6)

Textkritischer Apparat

  1. Das erste a spiegelverkehrt, das zweite a in der Form des A in der gotischen Majuskel.
  2. Sic!
  3. Kürzungsstrich über a.
  4. a spiegelverkehrt.
  5. Kürzungsstrich fehlt.
  6. Kürzungsstrich über a und über r.
  7. a spiegelverkehrt; Kürzungsstrich über 4. i.

Anmerkungen

  1. Ein herzlicher Dank für diese Angabe gilt Herrn Josef Marx, Düsseldorf-Benrath.
  2. Inv.-Nr. S 1000. Die Glocke wurde 1928 von der Kirchengemeinde St. Cäcilia Benrath an die Gemeinde Benrath übergeben und ging nach der Eingliederung Benraths nach Düsseldorf 1929 an die Stadt Düsseldorf über. Als der Pfarrer von Benrath nach dem Zweiten Weltkrieg in der Absicht, die Glocke einzuschmelzen, einen Antrag auf Rückübereignung an die Kirchengemeinde stellte, wurde dieser abgelehnt und die Glocke am 31. März 1948 den geschichtlichen Sammlungen im Stadtmuseum einverleibt. Sie hatte in der Zwischenzeit in der Benrather Schlosskapelle gestanden. Für diese Angaben danke ich herzlich Frau Sigrid Kleinbongartz M.A., Leitung der Sammlung Ur- und Frühgeschichte und Stadtgeschichte bis 1794 im Stadtmuseum Düsseldorf.
  3. Vermutlich s. qvirinvs.
  4. Vgl. zu diesem Wappen die Angaben im Kommentar zu Nr. 26.
  5. Eine Abb. dieses Pilgerzeichens bei Poettgen, 700 Jahre, S. 82.
  6. Vgl. dazu Köster, Pilgerzeichen, S. 154; Poettgen, 700 Jahre, S. 82. Eine Abb. unter http://www.pilgerzeichen.de/item/pz/1489 sowie http://www.pilgerzeichen.de/item/pz/1413 (dort allerdings die flankierenden Bischöfe als Engel identifiziert; vgl. jedoch bereits DI 39 [Lkr. Jena], Nr. 11) (Zugriff: jeweils 09.02.2015).

Nachweise

  1. Clemen, KDM Düsseldorf, S. 83.
  2. Walter, Glockenkunde, S. 247.
  3. HAEK, Nachlass Schaeben, Nr. 1825 (Glockenverzeichnis), ohne Paginierung.

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 27 (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di089d008k0002705.