Inschriftenkatalog: Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

Nr. 1055 St. Martini 1656

Beschreibung

Grabplatte des Andreas Ramdohr. Der hochrechteckige Stein ist heute außen am Chor angebracht.1) Auf dem Rand der Platte verläuft oben in zwei Zeilen die Inschrift A, links und rechts einzeilig die Inschrift B. Im Innenfeld die Inschrift C. Die Buchstaben sind eingehauen. In den Ecken des Steins vier Vollwappen mit Beischriften (D), die beiden oberen Wappen sind stark verwittert.

Maße: H.: 211 cm; B.: 112 cm; Bu.: 2,3 u. 4,2 cm (A), 4,5 cm (B), 3–4 cm (C), 1,5 cm (D).

Schriftart(en): Kapitalis (A, C), Fraktur (B, D).

DI 56, Nr. 1055 - St. Martini - 1656

 Sabine Wehking [1/1]

  1. A

    LEICHPREDIGT TEXT . / II . TIMOTH : II VS : 8 .

  2. B

    Halt im Gedächtnis Jesum Christum Der auffer/standen ist von den Todte(n) / aus dem Sammen Davidt nach meinem [E]vangeliu[m] 2)

  3. C

    D(EO) O(PTIMO) M(AXIMO) S(ACRVM) / LAPIS HIC OSSA ET CINERES TEGIT / VIRI AMPL(ISSI)MI ET CONSVLT(ISSI)MIa) D(OCTORIS) ANDREAE RAMDOHR · ASCANIENSIS / [...]TI . OLIM CELEBERIMI / QVEM [.......]TIONE(M) NON VVLGAREM / [VI]RTVTEM EXIMIAM : ET INTEGRI/TATEM SINGVLARE(M) / SVSPEXERVNT ET VENERATI SVNT QVOT/QVOT NOVERVNT BONI[.....] / AC AD SALANAE FACVLTAS IVRIDICA PRO/FESSORE(M) SCABINATVS ADSESSORE(M) ET CVRIAE PROVINCIALIS . QVAE / IENAE EST . ADVOCATVM / TANDEM / RESP(VBLICA) BRVNSVIC(ENSIS) SYNDICVM HABVIT / PRIMARIVM FIDELISSIMV(M) . / AMISSVM LVGET ET DESIDERAT / NON MINVS QVAM VXOR SVPERSTES / DOROTHEA SCHVLTENIA / QVAE MOEST(ISSI)MA MARITO EXOPTAT(ISSI)MO / DILECT(ISSI)MOa) / LAPIDEAM HANC MEMORIAM P(ONI) C(VRAVIT) / DECESSIT D(IE) XXVII IVLII . ANNO VLTIMI / [.......]S . M Db) CLVI AETATIS XLIII , / R[........] IV VTRIVSQVE SEXVS LIBE/[RIS ... VN]O FILIO , ET III FILIABVS , / C[VIVS ANI]MAE IN AETERNV(M) BENE SIT :

  4. D
    [Der] Ramdohren3) Der Schulten . 4) 
    Der Eberds5) Der von der Fechten . 6) 

Übersetzung:

Dem höchsten größten Gott geweiht. Dieser Stein bedeckt die Gebeine und die Asche des hochangesehenen und sehr ratskundigen Mannes, des Doktors Andreas Ramdohr aus Aschersleben, eines einst sehr berühmten ... , den ... wegen der nicht alltäglichen ... , der herausragenden Tugend und der einzigartigen Integrität bewunderten und verehrten, wie viele Gute ihn nur kannten, und die juristische Fakultät der Saale hatte ihn als Professor, das Schöffengericht als Assessor und das Provinzialgericht, das in Jena besteht, als Advokaten, schließlich die Stadt Braunschweig als vorzüglichen, sehr zuverlässigen Syndikus. Den Verlorenen betrauert und vermißt sie nicht weniger als die hinterbliebene Gattin Dorothea Schulte, die hochbetrübt ihrem sehr ersehnten, sehr geliebten Ehemann diesen Stein zur Erinnerung setzen ließ. Er starb am 27. Tag des Juli im Jahr des letzten ... 1656 im Alter von 43 Jahren, ... vier Kindern beiderlei Geschlechts, einem Sohn und drei Töchtern. Seiner Seele möge es in Ewigkeit wohlergehen. (C)

Kommentar

Andreas Ramdohr wurde am 2. April 1613 in Aschersleben geboren. Er war der Sohn des dortigen Ratsherrn Joachim Ramdohr und der Armgard Eberd. Nach einem Schulbesuch in Aschersleben und Quedlinburg begann er 1633 ein Studium der Rechte an der Universität Jena, wo er 1638 den Doktortitel erwarb.7) Zunächst war er am Gericht in Jena als Assessor tätig, bis er 1643 als Syndikus der Stadt in Braunschweig bestallt wurde.8) Im Jahr 1647 heiratete er die aus Hamburg stammende Dorothea Schulte. Im Auftrag der Stadt Braunschweig war Andreas Ramdohr viel in auswärtigen Angelegenheiten unterwegs.9)

Textkritischer Apparat

  1. Die beiden letzten Buchstaben hochgestellt.
  2. Neulateinische Zahlzeichen.

Anmerkungen

  1. Eigenartigerweise ist die Grabplatte weder in der Sammlung Sack noch bei Schmidt (Martinskirche) aufgeführt.
  2. 2. Ti. 2,8.
  3. Wappen Ramdohr (gespalten, der Inhalt aufgrund starker Verwitterung nicht zu erkennen).
  4. Wappen Schulte (geteilt, der Inhalt aufgrund starker Verwitterung nicht zu erkennen).
  5. Wappen Eberd (Blume mit drei Blüten und ausgerissener Wurzel).
  6. Wappen Fechten (zwei an einem Baum steigende Widder).
  7. In der Matrikel Jena ist Ramdohr nicht nachzuweisen. Die Angabe folgt der Leichenpredigt, Roth, Auswertungen, Nr. 6752.
  8. Sta Braunschweig, B III 10, Nr. 4a, fol. 181.
  9. Die biographischen Angaben nach der Leichenpredigt, Roth, Auswertungen, Nr. 6752.

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 1055 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di056g009k0105501.