Inschriftenkatalog: Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

Nr. 1006 Herzog Anton Ulrich-Museum 1651

Beschreibung

Kamm.1) Horn. Der filigran geschnitzte Kamm weist eine Seite mit groben und eine Seite mit feinen Zinken auf. In dem querrechteckigen Feld dazwischen in durchbrochener Schnitzarbeit links und rechts je ein von zwei geflügelten Wesen und zwei Löwen umgebenes Wappen. Die Felder mit den beiden Wappen sind durch zwei Geißelsäulen mit Leidenswerkzeugen von dem mittleren Feld getrennt, darin ein Kruzifix umgeben von sechs männlichen Figuren, die das Blut Christi auffangen. Am Kruzifix der Titulus A, am Fuß des Kreuzes ein Totenschädel. Links und rechts des Kreuzes je ein senkrecht abhängendes durchbrochenes Schriftband mit den Inschriften B und C. Zu beiden Seiten der das Mittelfeld begrenzenden Säulen je ein durchbrochenes Schriftband mit den Inschriften D und E. Der Kamm wird an beiden Schmalseiten begrenzt von ebenfalls durchbrochen gearbeiteten Schriftbändern mit den Inschriften F und G und einer als Volutenornament mit einem Engelskopf und einem Herz darin gestalteten äußeren Kante. Die Worttrenner in den Inschriften F und G sind in Form zweier gegenläufig übereinandergesetzter Halbkreise geschnitzt.

Maße: H.: 11,1 cm; B.: 15,8 cm; Bu.: 0,1 cm (A), 0,15 cm (B–E), 0,45 cm (F, G).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 56, Nr. 1006 - Herzog Anton Ulrich-Museum - 1651

 Sabine Wehking [1/1]

  1. A

    I(ESUS) N(AZARENUS) R(EX) I(UDAEORUM) 2)

  2. B

    WASSER

  3. C

    BLVET

  4. D

    EC//CE 3)

  5. E

    HO//MO 3)

  6. F

    B(URGERMEISTER) · AUTOR · CAMMANNVS · I(URIS) · V(TRIUSQUE) · D(OCTOR)

  7. G

    ADELHEIT · GEVEKOTEN · A(NNO) · 1651

Übersetzung:

Seht, welch ein Mensch! (D, E)

Wappen:
Kammann4)Gevekot5)

Kommentar

Autor Kammann war der Sohn des Braunschweiger Ratsherrn Konrad Kammann und der Margaretha Junge. Nach dem Schulbesuch in Braunschweig und Lüneburg immatrikulierte er sich im Jahr 1623 an der Universität Wittenberg; 1625 ging er an die Universität Helmstedt, wo er 1638 den Titel eines Doktors beider Rechte erwarb.6) Seit 1630 übte Autor Kammann in Braunschweig den Beruf eines Advokaten aus. Im Oktober 1632 heiratete er Adelheid Gevekot.7) Diese stammte aus Stade; im Jahr 1627 kam sie im Alter von 22 Jahren zu ihrer Tante Dorothea von Sode (vgl. Nr. 1034) nach Braunschweig, in deren Haus sie bis zu ihrer Heirat lebte.8) Autor Kammann gehörte in den Jahren 1641 bis 1665 dem Rat der Altstadt an. 1641 bis 1653 amtierte er als Kleiner, 1655 bis 1665 als Großer Bürgermeister.9) Er starb im Jahr 1666. Der Kamm wurde ein Jahr vor dem Tod seiner Ehefrau Adelheid Gevekot angefertigt, die am 22. März 1652 starb und in St. Martini beigesetzt wurde; Autor Kammann starb am 16. März 1666 (vgl. die Grabplatte des Ehepaars Nr. 1136).

Anmerkungen

  1. Inv. Nr. Kos 687.
  2. Io. 19,19.
  3. Io. 19,5.
  4. Wappen Kammann (aus Ast hervorwachsender Zweig mit Eicheln daran).
  5. Wappen Gevekot (drei Handschuhe 1:2).
  6. Matrikel Wittenberg, N. R. Bd. 1, S. 257. Matrikel Helmstedt, Bd. 1, S. 253, Nr. 60; in die Helmstedter Matrikel wurde Kammann bereits im Jahr 1616 eingetragen.
  7. Angaben nach der Leichenpredigt, Roth, Auswertungen, Nr. 9421.
  8. Angaben nach der Leichenpredigt, Roth, Auswertungen, Nr. 4240.
  9. Spieß, Ratsherren, S. 91.

Nachweise

  1. Schütte, Kostbarkeiten, S. 231, Nr. 236, Abb. ebd.

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 1006 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di056g009k0100604.