Inschriftenkatalog: Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

Nr. 927 St. Ulrici-Brüdern 1643

Beschreibung

Epitaph des Burkhard von Steinberg und seines gleichnamigen Sohnes. Das Epitaph in Form eines gerahmten Ölgemäldes auf Leinwand hängt an der Nordwand in der Kirche. Die Darstellung zeigt die Familie des Verstorbenen in einem Kirchenraum, an dessen Wand ein Gemälde Christus am Ölberg darstellt, darunter knien links und rechts von einem Altar der Verstorbene mit einem Sohn und seine Ehefrau. Vorne vor dem Altar ein kleines Kind auf einem Kissen. An dem auf dem Altar stehenden Kruzifix ein Titulus (A). Das Gemälde ist von einem mit Voluten umgebenen Rahmen eingefaßt, unten unter dem Gemälde eine Tafel mit der gemalten Inschrift B. Früher waren – vermutlich oben an dem Rahmen – zwei Wappen angebracht, die heute fehlen.1)

Maße: H.: ca. 500 cm; B.: ca. 300 cm; Bu.: ca. 2 cm (A), ca. 2,5 cm (B).

Schriftart(en): Kapitalis (A), Fraktur (B).

DI 56, Nr. 927 - St. Ulrici-Brüdern - 1643

 Sabine Wehking [1/2]

  1. A

    I(ESUS) N(AZARENUS) R(EX) I(UDAEORUM) 2)

  2. B

    Anno 1586 den 28 . Augusti am Sontage nach Bartolomäi abends zu 7 . Vhren ist der wohl und vester Burchardt von Steinberg fürstl(ich) Braunschw(eigischer) Rath . und / Bergkhauptman auf Brügken Erbgesessen geboren . Anno 1622 ist er von ihr F(ürstliche)r g(nade)n . Hertz(og) Friederich Ulrichen zu Br(aunschweig) und Lüneburgk Hochseeligen Andenckens / zum Rath und Bergkhauptman bestelt und angenohmen . / Anno 1625 den Sontagk Invocavit hat sich der Bergkhauptman Seelig mit der wohlEd/len viel Ehr . und Tugendreichen Jungfer Metten von Münchausen Drosten zu Ertzen / Eheleiblichen tochter in den Ehestand begeben . Anno 1626 . den 19 . Maÿ des / morgens zu 7 . Vhren ist der Bergkhauptman in Braunschweig , nach dem er in die / 14 . tage am hitzigen Fieber gelegen , sanfft und Seelig gestorben und den 8 . Juny in der / Brüdernkirche daselbst begraben . Anno 1626 den 30 Maÿ Elff tage nach des seel(igen) / Bergkhauptmans thode ist ihm ein Sohn geboren . welcher den 31 May so palt zu Braun/schweig in der Brüderkirche ist getaufft und nach seinem Vadter Burchardt geheissen . / Anno 1643 den 12 Febr(uarii) ist derselbe auffm Hause lahe im stifft Ossnabrügk , nach deme er / bis auff den 14 tagk am hitzigen fieber gelegen , sanfft und Seel(ig) verstorben , / und in seiner Kirche auff seinem Erbsitz Brügken den 8 . Junÿ 1643 . be=/graben , Der Seelen Gott genädig sey .

3)

Wappen:
SteinbergMünchhausen

Kommentar

Die Fraktur der Inschrift B zeichnet sich durch einzelne kursive Elemente aus wie die durchgehende Verbindung von ch, bei der das c in die Schleife des h übergeht. Das p in dem mehrfach vorkommenden Wort Bergkhauptmann hat neben der Unter- auch noch eine Oberlänge, die oben nach rechts umgebogen ist, so daß sich der Buchstabe auch als b mit Unterlänge lesen ließe.

Burkhard von Steinberg d. Ä. war der Sohn des Jakob von Steinberg und der Metta von Wrisberg. Nach dem Schulbesuch in Hannover immatrikulierte er sich im Jahr 1602 an der Universität Wittenberg und im Jahr 1605 an der Universität Helmstedt.4) Nach einer Reise durch die Schweiz, Frankreich, England und die Niederlande kehrte er 1608 in die Heimat zurück. Im Jahr 1622 wurde er zum Berghauptmann berufen. In seiner Leichenpredigt wird vor allem lobend hervorgehoben, daß sich Burkhard von Steinberg besonders um das zu seiner Zeit in Unordnung geratene Münzwesen verdient gemacht habe. Im Jahr 1625 heiratete er Mette von Münchhausen, die Tochter des Hilmar von Münchhausen. Burkhard von Steinberg starb noch vor der Geburt seines Sohnes, Burkhard von Steinberg d. J.5) Dieser wurde von Privatlehrern unterrichtet. Bei einem Besuch von Verwandten im Stift Osnabrück wurde er von einem Fieber befallen und starb wenige Tage später im Alter von 17 Jahren.6) Das Epitaph für Vater und Sohn wurde erst nach dem Tod des Sohnes angefertigt.

Anmerkungen

  1. Sammlung Sack, Nr. 133, Teil 1, p. 210.
  2. Io. 19,19.
  3. Die Wappeninhalte sind nicht überliefert.
  4. In die Matrikel Helmstedt wurde Burkhard von Steinberg bereits 1598 eingetragen (Bd. 1, S. 138, Nr. 42). Matrikel Wittenberg, Bd. 2, S. 493a.
  5. Die biographischen Angaben nach der Leichenpredigt, Roth, Auswertungen, Nr. 7367.
  6. Angaben nach der Leichenpredigt, Roth, Auswertungen, Nr. 7368.

Nachweise

  1. Sammlung Sack, Nr. 133, Teil 1, p. 19 (B) u. p. 210 (B).

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 927 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di056g009k0092708.