Inschriftenkatalog: Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

Nr. 647 Dom St. Blasii 1592

Beschreibung

Epitaph des Heinrich Möller. Sandstein. Der stark verwitterte Stein ist heute außen an der Südseite der Kirche angebracht. Im oberen Teil in einem oben mit einem Bogen abgeschlossenen Feld die Büste des Verstorbenen im Relief, oben links und rechts davon in den Zwickeln je ein Wappenschild, dessen Inhalt sich heute nicht mehr identifizieren läßt. Im unteren Teil verläuft zeilenweise die in erhabenen Buchstaben ausgeführte Inschrift, von der nur noch sehr wenige Bestandteile lesbar sind.

Inschrift ergänzt nach der Zeichnung in der Sammlung Sack.

Maße: H.: 224 cm; B.: 111 cm; Bu.: 3,2–5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 56, Nr. 647 - Dom St. Blasii - 1592

 Sabine Wehking [1/1]

  1. [D(OMI)N(O)] HENRICO MOLLERO / HVIVS AEDIS CANONICO [SENIO]RI / RA[RAE VIRTV]TIS ET PROBITATIS [VIRO ATQ(VE) ]/ O[B ID PIE]TATEM[Q(VE)] AC ER[VDITIONEM] INSI[GNE]M / AB [ILL(VSTRISSIMO) P]RIN[CIPE JVLIO] D[VCE B]R[V]NS(VICENSI) [ET LVN(EBVRGENSI) / CONSILIIS ECCLESIASTICIS] ADHIBI[TO / PARENTI OPTIMO] / S[VMMO SVI APVD BONOS DERELIC]TOa) DESIDERIO / [ACERBI]SSI[MOQ(VE) SVOR(VM) DOLO]R[E] VITA FVNCTOb) / LIB[ERI ET] HEREDES / [MVLT]ORVM [IVSTE MERITOR]VM [N]ON [IM]MEMORES / [DEBITAM EFFIGIEM ET L]AP[IDIS INSCRIPTI]ONEM / [GRATI POSVERE / OB(IIT) AN(NO) SAL(VTIS) M Dc) XCII . XVI . APRILIS / CVM VIXISSET /A(NNOS) LXV . M(ENSES) III . D(IES) XXI . / V(ALENTINVS) M(OLLERVS)d) F(IERI) F(ECIT)]

Übersetzung:

Dem Herrn Heinrich Möller, Seniorkanoniker dieser Kirche, einem Mann von seltener Tugend und Rechtschaffenheit und deswegen und wegen (seiner) außerordentlichen Frömmigkeit und Gelehrsamkeit von dem hochberühmten Fürsten Julius von Braunschweig und Lüneburg zu kirchlichen Ratsversammlungen hinzugezogen, dem besten Vater, der bei den Redlichen sehr heftiges Verlangen nach ihm hinterlassen hat und der aus dem Leben geschieden ist unter bitterstem Schmerz der Seinen, haben die Kinder und Erben, die sich zurecht der vielen Verdienste bewußt sind, das angemessene Bildnis und die Inschrift des Steins dankbar gesetzt. Er starb im Jahr des Heils 1592 am 16. April, als er 65 Jahre, 3 Monate und 21 Tage gelebt hatte. V(alentin) M(öller) hat (dies) anfertigen lassen.

Wappen:
Möller1)Francke2)

Kommentar

Zu Heinrich Möller vgl. Nr. 534. Die Ehefrau Möllers, deren Wappen sich auf der Grabplatte befindet, hieß Dorothea Francke.3) Die Initialen VM am Ende der Inschrift stehen für Valentin Möller, den Sohn des Verstorbenen (vgl. Nr. 842, 921).

Textkritischer Apparat

  1. DERELICTO] delicto Sammlung Sack, Teil 1.
  2. FVNCTO] iuncto Sammlung Sack, Teil 1.
  3. Neulateinische Zahlzeichen.
  4. Das V über das M gestellt.

Anmerkungen

  1. Wappen Möller (Waage). Wappenbeschreibungen nach der Zeichnung in der Sammlung Sack, Nr. 129, Teil 1 (o. P.).
  2. Wappen Francke (Schwan mit Ring im Schnabel).
  3. Vgl. die Leichenpredigt für den Sohn des Ehepaars, Valentin Möller: Roth, Auswertungen, Nr. 9673.

Nachweise

  1. Sammlung Sack, Nr. 129, Teil 1 (o. P., Zeichnung) u. Teil 3, p. 57.

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 647 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di056g009k0064701.