Inschriftenkatalog: Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

Nr. 594 Gördelingerstr. 43 1584, 1590, 1595

Beschreibung

Steinportal. Das Haus Gördelingerstr. 431), ein großes steinernes Gebäude mit zwei Geschossen und einem weiteren Fachwerkgeschoß, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Das Portal und ein Mauerrest stehen heute noch an der Gördelingerstraße. Es handelt sich um ein rundbogiges Renaissanceportal, das mit Beschlagwerkornament eingefaßt ist. In den Zwickeln links und rechts je eine Engelsfigur, die einen Wappenschild hält. Auf dem Fries über dem Portal die Inschrift A. In der Bekrönung darüber von einer ebenfalls einen Fries tragenden Säulenstellung umgeben ein weiteres Wappen. Links und rechts der Säulen Fruchtgehänge und Maskenköpfe. Auf der Rückseite sind der Mauer links und rechts neben dem Portal von demselben Haus stammende Wappensteine eingesetzt. Auf dem linken Stein die Jahreszahl B links und rechts unter dem Wappenschild, auf dem rechten Stein ein Wappenschild und die Jahreszahl C in den Ecken um den Schild herum. Auf der Seite zur Schützenstraße hin war eine weitere Jahreszahl (D) angebracht, die nicht erhalten ist.

Die Inschriften A und B sind erhaben gehauen, die Inschrift C eingehauen.

Jahreszahl D nach der Sammlung Sack.

Maße: H.: 43 cm; B.: 52,5 cm (Wappenstein B). H.: 43 cm; B.: 49,5 cm (Wappenstein C). Bu.: ca. 16 cm (A), 7–11 cm (B), 7,5–19 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis (A).

DI 56, Nr. 594 - St. Andreas - 1584

 Sabine Wehking [1/2]

  1. A

    NISI DOMINVS : FRVSTRA 2) · ANNO 1 · 5 · 84 ·

  2. B

    15 90

  3. C

    1 5 / 9 0

  4. D†

    1595

Übersetzung:

Wenn der Herr nicht (das Haus baut), ist es vergebens (errichtet). (A)

Wappen:
?3)?4)
Strombeck5)
Schrader6)Strombeck5)

Kommentar

Die beiden R der Inschrift A weisen auffällig weit nach rechts geschwungene Cauden auf, die bis über den folgenden Buchstaben hinausgreifen.

Die Wappen Strombeck und Schrader beziehen sich auf das Besitzerehepaar Hilmar von Strombeck und Katharina Schrader, die Tochter des Autor Schrader. Laut Meier/Kämpe waren die Wappen in den Bogenzwickeln zu Beginn dieses Jahrhunderts abgeschliffen. Meier/Kämpe vermuten, daß es sich dabei auch um die Wappen Strombeck und Schrader gehandelt habe.7) Diese Angabe läßt sich jedoch nur schwer mit dem heutigen Befund übereinbringen, da die beiden Wappenschilde keinen Anhaltspunkt dafür geben, daß sie erneuert worden wären. Allerdings lassen sich die Wappeninhalte auch nicht mit den Vorfahren des Hilmar von Strombeck oder der Katharina Schrader in Einklang bringen.8)

Anmerkungen

  1. Nro. 83.
  2. Stark verkürzte Paraphrase von Ps. 126,1.
  3. Wappen ? (geteilt, oben oberhalbes Pferd mit Zweig im Maul). Möglicherweise erst in diesem Jahrhundert erneuert, vgl. Kommentar.
  4. Wappen ? (Pelikan mit Jungen). Vgl. Kommentar.
  5. Wappen Strombeck (als Fluß mit Wellen dargestellter Balken). Vgl. Reidemeister, Genealogien, Tafel S. 96/97. Bei Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 10, irrtümlich: Wellenbalken.
  6. Wappen Schrader (bekrönter Löwenrumpf). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 8 u. Tafel 7.
  7. Vgl. Meier/Kämpe, Heraldische Untersuchungen 1903, S. 1.
  8. Vgl. Meier, Stammtafeln, Bd. 2, Schrader und Strobeke.

Nachweise

  1. Sammlung Sack, Nr. 90, Teil 2, p. 2.

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 594 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di056g009k0059408.