Die Inschriften der Stadt Braunschweig bis 1528

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 35: Stadt Braunschweig I (1993)

Nr. 181 Städtisches Museum 1470/1504/1531/1560/1571

Diese Katalognummer wurde überarbeitet. [Zur aktuellen Fassung springen]

Beschreibung

Hausinschriften vom ehemaligen Haus Heydenstraße 2. Der ‚Thomähof‘ und der ‚kleine Thomähof‘, das Vorderhaus zur Heydenstraße und die zugehörigen Hofgebäude stammten aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Die älteste Inschrift A befand sich auf der Schwelle des zweiten Geschosses am Vorderhaus1). Das Datum der Erbauung war eingefügt in die grotesken Figurenszenen oberhalb des Treppenfrieses: Maske, Phantasiegeschöpfe, das Luderziehen2), eine Frau, die das nackte Hinterteil eines Mannes mit dem Besen fegt, hockende Gestalten mit Waffen. Unter den Treppen wechselnd Rosetten, Köpfe, Tiere. Das im Hof gelegene Hinterhaus, der ‚kleine Thomähof‘, trug das Baudatum B auf den Balkenköpfen der Schwelle des ersten Geschosses3). Auf den ersten drei Abschnitten vor der Inschrift befanden sich das Bild der Gottesmutter mit Kind sowie zwei Wappen. Ein östliches Seitengebäude zeigte zum Hof gewandt auf der Schwelle des ersten Geschosses oberhalb der Haustür ebenfalls ein Wappen und nachfolgend das Datum C4). 1571 erhielt die Rückseite des Vorderhauses auf der linken Seite über der Durchfahrt einen Erker, der auf der Schwelle des ersten Geschosses mit einem zwischen zwei Wappen gefaßten Datum verziert war (D)5). In der auf der östlichen Hofseite angebauten Küche trug der aus Ziegeln gemauerte Kamin etwa in Kopfhöhe die Jahreszahl E. Beim Abbruch des Hauses 1887 kam ferner eine steinerne Platte mit drei Wappen zum Vorschein6), deren ursprünglicher Standort unbekannt ist.

Inschrift E nach Steinacker.

Maße: L.: 1850 cm (A), 650 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Minuskel (A, B), mit Versalien (C), Renaissance-Kapitalis (D).

DI 35, Nr. 181 - Braunschweig, Städtisches Museum / Schützenhaus - 1470/1504

 Sabine Wehking [1/3]

  1. A

    m cccc lxx

  2. B

    anno domini M VC un IIIJ in die ambrosi co(m)pletu(m) est

  3. C

    Anno doMini M ccCcc xxxi

  4. D

    AN · 1 · 5 · 7 · 1 ·

  5. E

    1560

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1504 am Ambrosiustag (4. 4.) ist es vollendet worden. (B)

Wappen:
Pawel7), Harling8), Brakel (Vechelde ?)9).

Kommentar

Das Haus gehörte seit Ende des 15. Jahrhunderts über mehrere Generationen der Familie von Pawel. 1504 baute Gerhard von Pawel (Ratsherr der Altstadt 1500–1540; † 1554) das Hofgebäude, an dem sein und seiner Frau Mette von Harlings Wappen eingeschnitten waren, danach die anderen zum Anwesen gehörenden Gebäude. Auch das Seitengebäude von 1531 trug das Pawelsche Wappen, ebenso der 1571 hofseitig angebaute Erker, dessen rechts hinter der Jahreszahl angebrachtes Wappen wahrscheinlich das der Lucie von Brakel († 1577) war, der Ehefrau von Gerhard II. von Pawel (1513–1563; Ratsherr der Altstadt 1548–1563)10). – Den Namen ‚Thomähof‘ erhielt das Anwesen erst Anfang des 18. Jahrhunderts. Der 1331 vor dem Peterstor errichtete Thomashof war zur Beherbergung durchreisender Aachen-Pilger gestiftet worden. Nach 1545 wurde er vor das Hohe Tor auf den Steinweg verlegt; die Kapelle wurde 1566 zerstört, das ganze Anwesen wurde 1575, nachdem es durch Belagerung und sonstige Kriegseinwirkung zerstört worden war, neu errichtet und begabt. Anfang des 18. Jahrhunderts wurden die Gebäude abgebrochen und der inzwischen als Hospital und Altersheim dienende Thomähof im Jahr 1706 in das Haus Heydenstraße 2 verlegt. Dieses erbte damit den Namen der alten Pilgerherberge; das Hintergebäude bekam den Namen ‚kleiner Thomähof‘. Rehtmeyer verzeichnete zu seiner Zeit noch etwa 40 Insassen11).

Anmerkungen

  1. Im Städtischen Museum Braunschweig, Ccc 50.
  2. Vgl. Nr. 161, Anm. 1.
  3. Städtisches Museum, Ccc 52.
  4. Ccc 53.
  5. Ccc 51
  6. Wappen Pawel, Brakel, das dritte Wappen nicht identifiziert; im Städtischen Museum Braunschweig (Ccd 13); Meier/Kämpe, 1903, S. 27.
  7. Kämpe, Wappenbuch I, S. 202.
  8. Ebd., III, S. 96.
  9. Meier/Kämpe, 1903, S. 27.
  10. Vgl. Spieß, 1970, S. 176.
  11. Rehtmeyer, Kirchen-Historie 1, S. 198f.

Nachweise

  1. Abb.: Spies, 1988, Abb. 12–14, S. 47–49.
  2. Lit.: Steinacker, Katalog; Boldt, passim.

Zitierhinweis:
DI 35, Stadt Braunschweig I, Nr. 181 (Andrea Boockmann), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di035g005k0018105.