Die Inschriften der Stadt Braunschweig bis 1528

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 35: Stadt Braunschweig I (1993)

Nr. 56 St. Petri 1376

Beschreibung

Grabplatte des Priesters Johannes von Rinteln, an der Südwand des Hohen Chores befestigt. Die in mehreren Teilen gefertigte, erhaben ziselierte Messingplatte auf blauem Schiefer zeigt einen älteren Mann in etwa halber Lebensgröße mit Tonsur und sorgfältig ausgearbeiteter Priesterkleidung, der mit der linken Hand den Kelch mit der Hostie umfaßt. Die rechte Hand ist segnend darüber gehalten. Er steht unter einem spitzbogigen, mit einem Vierpaß geschmückten Wimperg, hinter dem sich eine maßwerkverzierte Fensterreihe erhebt. Wimperg und Fialen sind mit stilisiertem Blattwerk reich besetzt; im Gewölbe des Wimpergs befinden sich vielfach geschwungene Rippenbögen. Die Gestalt steht auf einem quadratisch gefliesten Kirchenfußboden. Die Füße sind zur Gänze vom Gewandsaum bedeckt, an dem sich in der Mitte ein Teil eines ornamentierten Untergewandes zeigt. Das Bildnis ist umfaßt von einer schmalen, mit floralen Ranken reich verzierten Borte, auf die in kurzen Abständen stilisierte Blumenköpfe aufgesetzt sind. Zwischen der Borte und dem äußeren Messingrahmen der Grabplatte tritt als kontrastierende innere Umrahmung der dunkelblaue Schiefer der Unterplatte hervor. Die Inschrift beginnt neben der linken oberen Ecke und verläuft auf dem äußeren Rahmen zwischen zwei Linien, die nur zweimal für Kürzungszeichen durchbrochen werden. Als Worttrenner dient jeweils ein auf die Spitze gestelltes kleines Quadrat etwa auf der Mitte der Buchstabenreihe. Die Inschrift schließt in der oberen linken Ecke mit einer mehrfach gewellten, reich mit Blattwerk verzierten Ranke ab.

Maße: H.: 230 cm; Br.: 102 cm; Bu.: 6,2 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 35, Nr. 56 - Braunschweig, St. Petri - 1376

 Bernhard Boockmann [1/1]

  1. ANNO · DOMINI · MILLESIMO / TRICENTESIMO · SEPTVAGESIMO · SEXTO · IN · OCTAUA · PASCHE · OBIIT · IOH/ANNES · DE · RINTELEN · REC/TOR · HVIUS · ECC(LESI)E · CUIUS · A(N)I(M)A · REQVIESCAT · IN · PACE · AMEN

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1376, am Sonntag nach Ostern (20. 4.), starb Johannes von Rinteln, Rektor dieser Kirche, dessen Seele in Frieden ruhe. Amen.

Kommentar

Die gotische Majuskel zeigt sich in auffallend breiten Formen, die in ihrem ornamentalen Charakter eine Beziehung zum floralen Schmuck der Grabplatte herstellen. Die Rundungen des unzialen T, die Buchstaben C, O und M sind in ihren Schwellungen geradezu ausladend. C und E sind geschlossen, ebenso das M auf der Unterlinie; C, E und S tragen an den oberen und unteren Abschlußstrichen eingerollte Sporen. U und V werden nebeneinander gebraucht: octaua, hvius, cuius. – Johannes von Rinteln ist bereits 1357 als plebanus an St. Petri genannt1). Das Grabdenkmal ist das einzige in Braunschweig erhaltene mittelalterliche Beispiel einer reliefierten Messingplatte.

Anmerkungen

  1. Dürre, S. 493.

Nachweise

  1. Abb.: Dorn, S. 146.
  2. Lit.: Meier/Steinacker, 1926, S. 34.

Zitierhinweis:
DI 35, Stadt Braunschweig I, Nr. 56 (Andrea Boockmann), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di035g005k0005607.