Inschriftenkatalog: Stadt Bonn

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 50: Bonn (2000)

Nr. 405 Münster 1687

Beschreibung

Glocke mit Anrufung und Meisterinschrift mit Datierung. Herkunft unklar, vielleicht aus einer der abgebrochenen Bonner Pfarrkirchen. Sicher gehörte sie nicht zum großen Münster-Geläut, das 1689 völlig zerstört wurde. Bei Maaßen, Renard und Clemen ist sie nicht erwähnt, befand sich aber spätestens um 1940 im Münster, von wo aus sie abgeliefert wurde.1) Nach ihrer Rückführung 1949 wurde sie leihweise dem Albertinum überlassen und 1963 wieder im nördlichen Westturm des Münsters aufgehängt.2) Einzeilige Umschrift am Hals, darunter und darüber ein Akanthusblattfries (Höhe 2,2 cm). An der Flanke ein aus Akanthuszierleisten geschnittenes Kreuz auf gestuftem Sockel und mit verbreiterten Balkenenden (Höhe 11, Breite 9 cm). Fünf Stege am Wolm, zwei weitere am Schlagring. 1963 wurde die Glocke wegen eines durch unsachgemäßen Transport entstandenen Sprunges repariert, wobei der Zierfries und die Inschrift im Bereich der Gießerangabe beschädigt wurden.3)

Maße: H. 56, Dm. 55, Bu. 1,8 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 50, Nr. 405 - Bonn, Münster - 1687

 AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften [1/4]

  1. IESVS MARIA IOSEPH IO(HANNE)S BOVRLET VON [.....]H GOSS MICH 1687

Kommentar

Das Kreuz ist eines der typischen Kennzeichen der Bourlet-Glocken, es ist hier allerdings wegen der geringen Größe der Glocke kleiner ausgeführt als üblich.

Der zwischen 1669 und seinem Tode im Januar 1695 nachweisbar tätige Gießer Johannes Bourlet,4) „burger undt klockengießer binnen der Statt Gulich“,5) soll zwischen 1682 und 1694 über 200 Glocken gegossen haben.6) Für das Jahr 1687 ist allerdings nur der Guß einer heute verlorenen Glocke für Eschweiler-Hehlrath bezeugt.7) Erst 1694 soll Bourlet neben zwei großen Glocken für St. Remigius, die er im Auftrag des Rates der Stadt Bonn aus den Resten der 1689 zerstörten Glocken herstellte,8) auch eine Glocke für die Bonner Stiftskirche (also wohl die Münsterkirche) gegossen haben. Auch über diese Glocke ist nichst bekannt.

Anmerkungen

  1. ALVR, Glockenakten (ohne Signatur, da noch nicht inventarisiert).
  2. HAEK, NL Schaeben 129.
  3. Ebd.
  4. Siehe zu ihm ausführlich Nellessen, Glockenguß, und ders., Leben und Wirken.
  5. StA Bonn, Ku 52/1, S. 370.
  6. Nellessen, Glockenguß, S. 82.
  7. Ebd., S. 91.
  8. StA Bonn, Ku 52/1, S. 370.

Zitierhinweis:
DI 50, Bonn, Nr. 405 (Helga Giersiepen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di050d004k0040508.