Inschriftenkatalog: Stadt Bonn

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 50: Bonn (2000)

Nr. 390 Rüngsdorf, Rolandstr. 23 1684

Beschreibung

Wegekreuz mit Stifternamen, Datierung und Kreuztitulus. Zwischen 1978 und 1985 restauriert.1) Latit oder Andesit.2) Flache, abgeschrägte Basis, hochrechteckiger Sockel mit eingehauener Randleiste. Über der vorkragenden, vorne abgeschrägten Zwischenplatte der Mittelteil mit Muschelnische. Auf der gewölbten Abdeckhaube Kreuz mit den fünf Wunden Christi. Abgerundete Armenden mit Nasen. Inschrift A am Sockel, B im Schnittpunkt der Kreuzarme.

Maße: H. ca. 400, B. 65, Bu. 5,2 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 50, Nr. 390 - Bonn, Rüngsdorf, Rolandstr. 23 - 1684

 AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften [1/2]

  1. A

    IACObVS NEVSER / MICHAEL NEVSER [.]/3a) / H : FALCKEnSTEIN / A: PVZ / [H:]b) LEISEM / A: BAMbERq 1/3c) / A(NN)O 1684

  2. B

    I(ESVS) N(AZARENVS) R(EX) I(VDAEORVM)3)

Kommentar

Das R in Form einer oben gespaltenen Haste ist dem Minuskel- r nachempfunden, das T wird aus einer nach oben über das Schriftband hinausreichenden Haste und einem kurzen Schrägstrich durch das obere Hastendrittel gebildet. Vor allem diese Besonderheiten, aber auch das spitzovale O und die sehr runden Bögen des leicht nach rechts geneigten S weisen darauf hin, daß die Inschrift vom selben Steinmetzen gehauen wurde wie die des Wegekreuzes in der Basteistraße (Nr. 385). Auffällig sind hier des weiteren ein L, ein N und ein Q, die in Form des jeweiligen Minuskelbuchstabens gestaltet sind, aber in der Höhe den übrigen Majuskeln entsprechen. Dem entspricht die Verwendung des Minuskel-b, die allerdings verbreiteter und daher weniger ungewöhnlich ist. Die Worttrennung erfolgt durch Dreispitze.

Die Brüche neben den Namen geben vermutlich den Kostenanteil an, den die jeweilige Personengruppe bei der Beschaffung des Kreuzes übernommen hatte. Dann muß der erste Bruch zu 2/3 ergänzt werden, d.h. Jakob und Michael Neuser zahlten gemeinsam zwei Drittel der Kosten für das Kreuz. Der Schöffe Jakob Neuser starb bereits im Februar 1684 (vgl. sein Grabkreuz Nr. 383). Ein Mann gleichen Namens (sein Sohn?) wird aber im Oktober desselben Jahres Pate eines Täuflings.4) Welcher der beiden Männer zu den Stiftern des Wegekreuzes gehört, läßt sich nicht mit Sicherheit feststellen. Michael Neuser, der ebenfalls als Schöffe belegt ist,5) und seine Frau Gertrud Berenbusch ließen zwischen 1681 und 1701 acht Kinder in Rüngsdorf taufen.6) Adolph Putz und seine Frau Gertrud ließen im Oktober 1684 eine Tochter taufen, deren Pate der oben erwähnte Jakob Neuser war.7) Hilger Leisem ist als Ehemann einer Catharina und als Vater von zwei Söhnen belegt, die im Mai 1685 getauft wurden.8) H. Falckenstein dürfte ein Verwandter des 1668 verstorbenen Hilger Falckenstein sein (vgl. Nr. 300). Er findet aber ebenso wie A. Bamberg in den Rüngsdorfer Kirchenbüchern keine Erwähnung.

Textkritischer Apparat

  1. Neben den ersten beiden Namen eine Klammer, daneben die Angabe [.]/3.
  2. Ergänzung nach StA Bonn, Foto-Slg. Linderoth, Bd. 25, Nr. 134. F Zuppke.
  3. Rechts neben den letzten vier Namen eine Klammer, daneben 1/3.

Anmerkungen

  1. GodHbll. 24, 1986, S. 167.
  2. Zur Materialbestimmung siehe die Einleitung, S. XXVf.
  3. Nach Io 19,19.
  4. StA Bonn, KB Rüngsdorf I, S. 13.
  5. Ebd., S. 61 (1698).
  6. Ebd., S. 1, 7, 12, 20, 31, 41, 58, 71. 1689 machte Michael Neuser zudem eine Stiftung für die Kirche in Muffendorf (Wiedemann, S. 121).
  7. StA Bonn, KB Rüngsdorf I, S. 13.
  8. Ebd., S. 15.

Nachweise

  1. Zuppke, Wegekreuze 1963, S. 58.

Zitierhinweis:
DI 50, Bonn, Nr. 390 (Helga Giersiepen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di050d004k0039005.