Inschriftenkatalog: Stadt Bonn

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 50: Bonn (2000)

Nr. 385 Rüngsdorf, Basteistr. 51 1684

Beschreibung

Wegekreuz mit Stiftungsinschrift und Stifterinitialen. Zwischen 1978 und 1985 restauriert.1) Latit oder Andesit2) (Sockel und Mittelteil) und Tuff (Kreuz). Flache, profilierte Basis, hochrechteckiger Sockel. Über der profilierten, abgeschrägt vorkragenden Zwischenplatte der Mittelteil mit Muschelnische. Auf der gewölbten Abdeckhaube ein erneuertes Kreuz mit den fünf Wunden Christi. Inschrift A am Sockel, Hausmarke (Anhang Nr. 32) zwischen Initialen (B) an der Abdeckhaube.

Maße: H. 353, B. 50, Bu. 5,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis mit Sonderformen.

DI 50, Nr. 385 - Bonn, Rüngsdorf, Basteistr. 51 - 1684

 AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften [1/2]

  1. A

    A(NN)O 1684 DEN 10 / IVLII HAT WEZEL / KNAVFF VND GE/RRDRAVTa) SCHONM/AECHERS BEIIDEa) EH/ELEVTH VND IOHANNES / KNAVFF DIES CRVZ Z/VEHREN GOTTES AVFF/RICHTEN LASEN

  2. B

    W(ETZEL) // K(NAVFF) / I(OHANNES) // K(NAUFF)

Kommentar

Die schlanke Kapitalis weist einige ungewöhnliche Buchstabenformen auf, die darauf hinweisen, daß die Inschrift vom selben Steinmetzen stammt wie die des Kreuzes in der Rolandstraße (Nr. 390): Das T ist aus einer nach oben über das Schriftband hinausreichenden Haste und einem kurzen Schrägstrich durch das obere Hastendrittel gebildet. Neben dem üblichen Kapitalis-R wird ein R verwendet, das aus einer Haste mit einem oben aufgesetzten, kurzen, leicht geschwungenen Querbalken gebildet wird. Beide Sonderformen ähneln dem entsprechenden Minuskelbuchstaben, sind aber in ihrer Größe den Majuskeln angepaßt und sicherlich als solche gemeint. Das Bemühen, Schrift graphisch zu gestalten, zeigt sich auch in der Wahl des offenen kapitalen D und in der spitzovalen Ausformung von O und D. Die auffälligste Form ist das zweimal verwendete verdoppelte I, wobei beide mit i-Punkt versehene Hasten durch einen feinen Schrägrechtsstrich verbunden sind.

Wetzel Knauff und seine Frau Gertrud Schoenmaechers (auch Schomechers) ließen zwischen 1673 und 1687 wenigstens vier Kinder taufen.3) Aus Wetzels zweiter Ehe mit Gertrud Nettersheim gingen im Juni 1689 und im April 1692 zwei weitere Kinder hervor.4) Gertrud Schoenmaechers muß demnach zwischen der Geburt ihres letzten Kindes im Mai 1687 und dem Sommer 1688 gestorben sein. Wetzel Knauffs Tod ist im Kirchenbuch zum 24. Januar 1696 verzeichnet.5) Johann Knauff, vielleicht Wetzels Bruder, übernahm zweimal die Patenschaft für dessen Kinder.6) Er war mit Helene Kessenich verheiratet, mit der er zwischen 1687 und 1707 fünf Kinder bekam.7) Die Ehe wurde vermutlich erst nach der Stiftung des Wegekreuzes geschlossen, da die Ehefrau in der Inschrift nicht genannt wird.

Textkritischer Apparat

  1. Sic!

Anmerkungen

  1. GodHbll. 24, 1986, S. 167.
  2. Zur Materialbestimmung siehe die Einleitung, S. XXVf.
  3. StA Bonn, KB Rüngsdorf I, S. 5, 9a, 14, 22. Die Eintragungen für die Jahre 1674–1680 fehlen.
  4. Ebd., S. 30, 41.
  5. Ebd., S. 261.
  6. Ebd., S. 5, 14.
  7. Ebd., S. 24, 41, 68, 83, 91.

Nachweise

  1. Zuppke, Wegekreuze, S. 58.
  2. Hacker-de Graaff, S. 160.

Zitierhinweis:
DI 50, Bonn, Nr. 385 (Helga Giersiepen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di050d004k0038501.