Inschriftenkatalog: Stadt Bonn

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 50: Bonn (2000)

Nr. 141 Münster, Kreuzgang 1624

Beschreibung

Grabplatte für den Dechanten Johannes Hartmann. Seit dem 19. Jh. in die Südmauer des Kreuzgangs eingelassen, stammt aus dem Kircheninnenraum.1) Trachyt, stark abgewittert und im unteren Bereich abgetreten. Umlaufende Randleiste mit weitgehend abgewitterten geometrischen und vegetabilischen Verzierungen. Im oberen Viertel der rechten Randleiste wurde ein Stück ergänzt. Die obere Plattenhälfte ist in Flachrelief ausgearbeitet: in einer längsovalen Kartusche mit geometrisch verzierter Randleiste das Vollwappen des Verstorbenen; darüber ein Kelch, auf der Randleiste eine Hostie. Zu beiden Seiten des Kelches geflügelte Engel über Spiralen. In der unteren Plattenhälfte ist die Inschrift in ein rechteckiges, von einem geometrisch verzierten Rahmen gefaßtes Schriftfeld in 13 Zeilen eingehauen.

Maße: H. 220, B. 108, Bu. 4,2 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 50, Nr. 141 - Bonn, Münster - 1624

 AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften [1/1]

  1. AN(N)O D(OMI)NI MDCXXIV XII / KALEND(AS) OCTOB(RIS) DIEM SVVM / OBIIT ADMODVM R(EVEREN)DVSa) ET EX[I]/MIVS D(OMINVS) D(OMINVS) IOANNES HARTMAN / S(ANCTAE) THEOLOGIAE DOCTOR PRO/FVNDISSIMVS S(ANCTI)S(SI)MI PRINCIPI[S]b) / FERDIN[A]NDI ELECT[O]RIS [COc) / ....]N[.] A CONSILIIS H[- - -]d) S[....../....] IN SPIRITVe)[- - -]RIId) [- - -]f) VI [..] AN[N]ISg)

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1624 am 12. Tag vor den Kalenden des Oktober starb2) der sehr hochwürdige und ausgezeichnete Herr, Herr Johannes Hartmann, tiefgründigster Doktor der heiligen Theologie, des heiligsten Kurfürsten Ferdinand ...

Datum: 20. September.

Wappen:
Hartmann.3)

Kommentar

Die Wendung DIEM SVVM OBIIT ist im klassischen Latein vielfach belegt4) und fand seit dem ausgehenden 16. Jh. im Zuge des Rückgriffs auf antikes Formelgut gelegentlich Verwendung in Grabinschriften.5)

Johannes Hartmann, ein Sohn der Eheleute Jakob Hartmann und Johanna Panthel, erwarb den Titel eines Magister artium an der Kölner Universität6) und den theologischen Doktortitel am Collegium Germanicum in Rom.7) Seit 1606 ist er als Kanoniker des Cassiusstifts8) und seit 1619 als Mitglied der Sakramentsbruderschaft an St. Remigius belegt.9) Er machte sich aber vor allem als erzbischöflicher Kommissar und seit 1613 als erzbischöflicher Generalvikar im Bistum Münster um die gegenreformatorischen Bestrebungen Ebf. Ferdinands von Bayern verdient.10) Nach seinem Amtsantritt als Dechant des Cassiusstiftes im März 161911) stiftete er das Sakramentshaus im Chor der Kirche (vgl. Nr. 124).

Textkritischer Apparat

  1. Kürzung durch hochgestellte Endsilbe.
  2. I kleiner ausgeführt, S auf der Randleiste schwach erkennbar.
  3. Wohl zu COLONIENSIS (in gekürzter Form) zu ergänzen.
  4. Fehlstelle von ca. zwei Dritteln der Zeile.
  5. Wohl zu SPIRITVALIBVS zu ergänzen.
  6. Fehlstelle von ca. zwei Zeilen.
  7. Die stark zerstörten letzten sieben Zeilen werden von H. Vogts 1964 folgendermaßen ergänzt: ... THEOLOGIAE DOCTOR PROFVNDISSIMVS SI PRINCIPS / FERDINANDI [..] ELECTORIS C[OL........] CONSILIARIVS [....] MO/N[AST........./.....] IN SPIRIT(VALIBVS) VICA/RI(VS) [SS. CASSII ET] FLORENTII [DEC]ANVS [..../......]. Diese Lesung weicht an mehreren Stellen von der Textwiedergabe in einer Zeichnung ab, die Vogts selbst 1939 angefertigt hat: ... THEOLOGIAE DOCTOR PROF/[..]SS[....] ILLVS[TRI]SSIMI PRINCIP[I]S / FE[...]DI ELECTORIS [......../.....] CONSILIARIVS [..]MO / N [.....] S[..........]ICA/RI [...] IN SPIRIT[......./...]II ET FLOR[.....] DECAN[V]S / [....... ...]E / SIT [......] XLVI [.]ANS.

Anmerkungen

  1. Pick, Bonner Zeitung 1869, Nr. 174.
  2. Wörtlich: ‚ging seinem (letzten) Tag entgegen‘, ‚trat seinen (letzten) Tag an‘.
  3. Schild gespalten: rechts Hirtenstab, verschränkt mit den kapitalen Buchstaben M und V; links das Familienwappen Hartmann (vgl. Nr. 124). Eine sichere Deutung der Initialen im Wappen ist nicht möglich. Vogts schlägt mit aller Vorsicht vor, sie zu M(ONASTERIENSIS) V(ICARIVS) oder zu M(ARIA) V(IRGO) aufzulösen. Denkbar ist auch die Auflösung zu M(INISTER) V(ERBI).
  4. Siehe OLD, S. 1212, ‚obeo‘ 7b.
  5. Vgl. etwa DI 29 (Worms), Nr. 621; DI 33 (Stadt Jena), Nrn. 124, 193, 241, 243; DI 36 (Hannover), Nr. 178; DI 39 (Landkreis Jena), Nr. 191.
  6. Vogts, S. 46f.
  7. A. Steinhuber, Geschichte des Collegium Germanicum Hungaricum in Rom Bd. 1, Freiburg i. Br. 1895, S. 231f.
  8. Höroldt, St. Cassius, S. 217. Dort ist die Lebenszeit bis 1626 angegeben.
  9. PfA St. Remigius I, Nr. 14, Bl. 20v.
  10. Vogts, S. 48ff.
  11. PfA St. Martin 228, Bl. 61v.

Nachweise

  1. Clemen, KDM, S. 108.
  2. Vogts, Hartmann, S. 53 und Abb. S. 48.

Zitierhinweis:
DI 50, Bonn, Nr. 141 (Helga Giersiepen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di050d004k0014109.