Inschriftenkatalog: Stadt Bonn

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 50: Bonn (2000)

Nr. 106 Münster 1608

Beschreibung

Steintafel mit Stiftungsinschrift unter dem Wandtabernakel im südlichen Querarm. Polierter, schwarzgrauer Kalkstein (sog. Belgischer Marmor). Das querrechteckige, von einem erhabenen Rahmen umgebene Schriftfeld wird ganz von der zeilenweise angeordneten Inschrift ausgefüllt. Einige Wortanfänge sind größer ausgeführt.

Maße: H. 32,5, B. 124,5, Bu. 3,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 50, Nr. 106 - Bonn, Münster - 1608

 AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften [1/1]

  1. IN HONOREM DEIPARAE VIRGINIS AC DIVI IOANNIS / EVANGELISTAE R(EVEREND)VSa) ET DOCTISS(IMVS)b) VIR D(OMINVS)c) REMBOLD(VS)d) HORN / CONDICT(VS)d) GOLTSCHMIT ECC(LESIAE)c) HVIVS CAN(ONI)C(VS)e) CAN(ONICI)f) / D(OCTOR)f) CVI SIT AETERNA SALVS TEST(AMENT)O PONI IVSSIT / A(NN)Og) REPARATAE SALVTIS 1608

Übersetzung:

Zu Ehren der Gottesgebärerin (und) Jungfrau und des heiligen Evangelisten Johannes hat der hochwürdige und hochgelehrte Mann, Herr Rembold Horn genannt Goldschmidt, Kanoniker dieser Kirche, [Doktor des kanonischen Rechts?], dem ewiges Heil zuteil werde, testamentarisch angeordnet, es errichten zu lassen im Jahre nach der Wiederherstellung des Heils 1608.

Kommentar

Die Kürzung CAN. D. gibt Rätsel auf, zumal die Vorlage an dieser Stelle unvollständig auf die Platte übertragen worden zu sein scheint. Möglicherweise ist IVRIS CANONICI DOCTOR gemeint. Rembold Goldschmidt ist seit 1582 als Stiftskanoniker belegt.1) Er bekleidete verschiedentlich kleinere Ämter2) und wird in einer Liste der Subdiakone aufgeführt.3) Das Wandtabernakel befand sich in der Nähe des Johannesaltars im südlichen Querarm.4)

Textkritischer Apparat

  1. VS-Endung hochgestellt.
  2. ISS in halber Größe, danach zwei parallele Schrägstriche als Kürzungszeichen.
  3. Kürzung durch kleinen Schrägstrich.
  4. Kürzung durch Häkchen auf der Zeile.
  5. Kürzung durch Schrägstrich, hochgestelltes C und Häkchen.
  6. Auflösung unsicher; zu ergänzen ist vielleicht IVRIS. Siehe dazu den Kommentar. Kürzung durch kleinen Schrägstrich.
  7. Kürzung durch hochgestelltes o und kleinen Schrägstrich.

Anmerkungen

  1. Höroldt, St. Cassius, S. 271.
  2. Etwa das des Refektorienmeisters (HStAD, Cassiusstift, A. 9, Bl. 12r) oder das des Speichermeisters (ebd. Bl. 15r). Zu den Ämtern siehe Höroldt, St. Cassius, S. 100.
  3. HStAD, Cassiusstift, A. 9, Bl. 35v.
  4. Peters, Liturgische Feiern, S. 24; Höroldt, St. Cassius, S. 304.

Nachweise

  1. Clemen, KDM, S. 85 und Fig. 37.

Zitierhinweis:
DI 50, Bonn, Nr. 106 (Helga Giersiepen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di050d004k0010600.