Inschriftenkatalog: Stadt Bonn

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 50: Bonn (2000)

Nr. 74 Münster, Kreuzgang 1567, 1637

Beschreibung

Doppelgrabplatte für Cornelius Krufft und Johannes Nopelius. Seit Mitte des 19. Jh. in die Westmauer des Kreuzgangs eingelassen, stammt aus dem Kircheninnenraum.1) Trachyt, besonders im unteren Bereich stark abgetreten. In der oberen Hälfte des Mittelfeldes ein eingetieftes Hochoval mit symmetrischen Nasen im oberen Teil. Im Oval ein Wappen unter einem Kelch mit Hostie. In den Ecken in eingetieften, von zwei eingehauenen Linien umrandeten Kreisen die Evangelistensymbole. Bildliche und heraldische Verzierungen in Flachrelief. Die ältere Inschrift (A) am Rand zwischen Linien umlaufend, die jüngere (B) zeilenweise in der Plattenmitte. Darunter die Zahl 43 – offenbar im Zuge einer Umlegung der Platte – schwach eingraviert. In Inschrift B sind einige Anfangsbuchstaben durch Größe hervorgehoben.

Maße: H. 216, B. 110, Bu. 6,5 (A), 4,4 (B) cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien aus der Kapitalis (A), Kapitalis (B).

DI 50, Nr. 74 - Bonn, Münster - 1567, 1637

 AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften [1/1]

  1. A

    Anno a Chr(ist)o / natoa) 1567 · 28b) decembris obijt ven(erabi)lisc) d(ominus) Cor/nelius Chrufft / huius e[ccl(es)ie canonicus cui]usd) · a(n)i(m)a · in · pace · quiescat · Ame(n)

  2. B

    A(NN)Oe) 1637 I. MARTIJf) OBIJTg) / AD(MODV)Mh) R(EVEREN)D(VS)i) D(OMINVS)k) IO(HANN)ES NOPELIVSl) / THEOL(OGIAE)m) LICENT(IATVS)k) CAN(ONICVS)k) S(ANCTORVM)n) / CASSIJf) ET FLORENTIJf) ET / PASTOR D(IVI)k) GANGOLPHI / AC THESAVRARIVS IN / DIETHKIRCHEN

Übersetzung:

Im Jahre nach Christi Geburt 1567 am 28. Dezember starb der hochwürdige Herr Cornelius Krufft, Kanoniker dieser Kirche, dessen Seele in Frieden ruhen möge. Amen. (A)

Im Jahre 1637 am 1. März starb der sehr hochwürdige Herr Johannes Nopelius, Lizentiat der Theologie, Kanoniker der heiligen Cassius und Florentius und Pastor des heiligen Gangolph und Schatzmeister in Dietkirchen. (B)

Wappen:
Krufft.2)

Kommentar

Zu Inschrift A: Das runde s ist ohne Brechungen ausgeführt. Die Worttrennung erfolgt durch Quadrangeln. Cornelius Krufft ist zwischen 1555 und 1567 als Kanoniker an St. Cassius bezeugt und bekleidete zudem das Amt des kurfürstlichen Archivars.3)

Zu Inschrift B: Die Kürzungspunkte und -doppelpunkte sind in Form von Quadrangeln ausgeführt. Johannes Nopelius wurde 1620 zur ersten Residenz zugelassen4) und ist seit 1624 in der Mitgliederliste der Sakramentsbruderschaft an St. Remigius als Pastor von St. Gangolph verzeichnet.5) Seit 1628 übte er mehrfach das Amt des Kämmerers aus,6) 1630 wurde er Schenk.7) Über sein Amt im Stift Dietkirchen ist nichts bekannt. Nopelius scheint stets unter finanziellen Schwierigkeiten gelitten zu haben: 1621 wird in den Kapitelsprotokollen festgehalten, daß er noch kein „ornamentum duplex“ beschafft habe, wie es bei seiner Zulassung zur ersten Residenz vorgeschrieben worden war.8) Einige Jahre später kam es zu Unregelmäßigkeiten bei der Verwaltung von Geldern, die von einem mittlerweile verstorbenen Vikar für eine neue Orgel und für seine Memorie gestiftet worden waren; Nopelius wurde zur Rückzahlung des von ihm offenbar seit sechs Jahren unterschlagenen Geldes aufgefordert.9) Nach seinem Tode stellte das Stiftskapitel fest, daß sein Kanonikerhaus sich in äußerst schlechtem Zustand befand und instand gesetzt werden mußte;10) es wurde daher beschlossen, „omnia bona D. Nopelii arrestanda, donec capitulo de his plena satisfiat“.11) Vor diesem Hintergrund ist wohl auch die Bestattung des Nopelius im Grab des Cornelius Krufft und die (preiswerte) Zweitverwendung der bereits vorhandenen Grabplatte zu sehen.

Textkritischer Apparat

  1. nativ. Clemen, KDM.
  2. 2 in spitzer Form.
  3. Endsilbe hochgestellt.
  4. Ergänzung nach Pick.
  5. Kürzung durch Punkt auf der Grundlinie und hochgestelltes o.
  6. Ligatur in Form eines Y mit durchgezogenem rechten Schenkel.
  7. Ligatur in Form eines gleichschenkligen Y.
  8. Kürzung durch Punkt auf der Grundlinie und hochgestelltes M.
  9. Kürzung durch hochgestelltes D und Häkchen.
  10. Kürzung durch Punkt auf der Grundlinie.
  11. Die rechte Schräghaste des V ist verkürzt und stößt an den Bogen des nachfolgenden S.
  12. Kürzung durch Doppelpunkt.
  13. Buchstabenbestand: SS mit nachfolgendem Punkt auf der Grundlinie.

Anmerkungen

  1. Pick.
  2. Balken, begleitet von 3 (2, 1) fünfblättrigen Blüten.
  3. Höroldt, St. Cassius, S. 269.
  4. PfA St. Martin 228, Bl. 114r.
  5. PfA St. Remigius I Nr. 14, Bl. 21v–22r. Als Pastor von St. Gangolph posthum in HStAD, Cassiusstift A. 10, Bl. 50r erwähnt.
  6. PfA St. Martin 228–1, S. 205, 208.
  7. Ebd., S. 171.
  8. PfA St. Martin 228, Bl. 142r.
  9. PfA St. Martin 228–1, S. 205 (1632 Feb. 18), 208 (1632 März 23).
  10. Ebd., S. 335.
  11. Ebd., S. 337f. Erst 1638 wurde das Haus nach kostspieliger Instandsetzung an Joseph Negri verkauft (ebd., S. 388).

Nachweise

  1. Pick, Bonner Zeitung 1869, Nr. 174.
  2. Clemen, KDM, S. 108.

Zitierhinweis:
DI 50, Bonn, Nr. 74 (Helga Giersiepen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di050d004k0007403.