Inschriftenkatalog: Stadt Bonn

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 50: Bonn (2000)

Nr. 62 Muffendorf, St. Martin 1514

Beschreibung

Martinsglocke mit Glockenspruch und Stifterinitialen. Einzeilige Umschrift A am Hals zwischen Rundstegen. Darüber schmaler Lilienfries. Hinter der Jahreszahl ein Marienrelief (H. 11 cm). Links und rechts davon unter der Umschrift in Ranken die Initialen B und C. Unterhalb der Worte ich anno vier Rundmedaillons (Dm. 2 cm), vier weitere (Dm. ca. 1,2 cm) unter den Initialen id. Bei allen Medaillons sind möglicherweise einmal vorhandene Darstellungen heute völlig unkenntlich. Am Schlagring zwischen Rundstegen ein Zierfries aus in Kreise eingelassenen Vierpässen. Drei Rundstege am Wolm, drei weitere an der Unterplatte. Worttrennung durch fünfblättrige Rosetten.

Maße: H. 112, Dm. 112, Bu. 3,4 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versal aus der gotischen Majuskel.

  1. A

    Martinus · heischen · ich ·inde · ere · marien · gotz · moder · luden · ich ·de · gewalta) · des · duvels · verdriven · ich ·anno · d(omi)ni · m · vc · xiiiib)

  2. B

    id

  3. C

    gw

Versmaß: Deutsche Reimverse (A).

Kommentar

Der im ersten Wort verwendete Versal ist ein symmetrisches, geschlossenes M mit Abschlußstrich aus der gotischen Majuskel. Die Initialen id und gw stehen vermutlich für die Namen der Auftraggeber bzw. Kirchmeister, die in den Quellen allerdings nicht greifbar sind. Die Ornamentik der Glocke, insbesondere der Lilien- und der Vierpaßfries sowie die fünfblättrigen Rosetten als Worttrenner, weisen die Glocke eindeutig dem Gießer Johann von Andernach zu,1) der im selben Jahr eine Glocke für Oberdollendorf goß.2) Bei der Bewertung der Glocken im Zuge der Glockenabgabe im Zweiten Weltkrieg entschied der Provinzialkonservator 1942, die Glocke wegen ihres historischen Wertes nicht abzuliefern.3)

Textkritischer Apparat

  1. Von luden bis gewalt konnte der Text aufgrund der Aufhängung der Glocke nicht kontrolliert werden.
  2. 1404 Maaßen, Clemen, Wiedemann.

Anmerkungen

  1. Für diesen Hinweis danke ich Herrn Jörg Poettgen, Overath, der damit seine frühere Zuweisung an Jan van Trier II. korrigiert (Studien, S. 29). Vgl. ders., Glocken der Spätgotik, S. 48 und zum Gießer ebd., S. 21. Renard (Glocken, S. 79) gibt Jan van Trier als Gießer der Glocke an.
  2. Renard, Glocken, S. 60; Renard, KDM Siegkreis, S. 154.
  3. ALVR, Glockenakten (ungeordnet).

Nachweise

  1. Maaßen, Dekanat Bonn-Land, S. 300.
  2. Clemen, KDM Bonn, S. 321.
  3. Wiedemann, S. 120.
  4. Bonner General-Anzeiger vom 31. 12. 1973.
  5. H. Wickert, Katholische Kirchengemeinde St. Martin Muffendorf in Bonn-Bad Godesberg, Bonn-Bad Godesberg 1988, S. 13.

Zitierhinweis:
DI 50, Bonn, Nr. 62 (Helga Giersiepen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di050d004k0006203.