Inschriftenkatalog: Stadt Bonn

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 50: Bonn (2000)

Nr. 36 Münster, Kreuzgang 1395

Beschreibung

Grabplatte für einen Priester, vielleicht für Winand von Esch. In die Westmauer des Kreuzgangs eingelassen, stammt vermutlich aus dem Kircheninnenraum.1) Trachyt mit Kalksteineinlagen. In der Mitte Ritzfigur eines Priesters mit Kelch, im unteren Teil vollständig abgetreten. Neben der Figur sind schwache Reste einer Hintergrundgestaltung (eines Vorhangs?) erkennbar. Kopf, Hände und Kelch des Priesters sowie die 12,5 cm breite Randleiste der Platte wurden separat aus Kalkstein gefertigt und in die Trachytplatte eingelegt. Die obere linke Ecke und die linke Hälfte der oberen Schmalseite der Randleiste sowie der Kelch sind verloren, beim Kelch sind die Befestigungsnuten noch sichtbar. Inschrift auf der Randleiste umlaufend, beidseitig von einem Mäanderband eingefaßt. Text und Mäander werden in Höhe der Plattenmitte von einem quadratischen Schmuckmotiv unterbrochen, das auf rautiertem Grund einen Kelch (?) zwischen Resten von Ornamentbändern zeigt. Inschrift weitgehend abgetreten.

Maße: H. 257, B. 127, Bu. 3,8 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versal.

DI 50, Nr. 36 - Bonn, Münster - 1395

 AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften [1/2]

  1. [- - -]a) / [- - -]b) dein[..] // Edificando quidem [.]a[- - -]c) / [- - -]d) / [- - -]oe) ccc // xcv die [- - -]f)

Kommentar

Der Verlauf der Schnittstellen zwischen den einzelnen Teilen der Randleiste zeigt, daß zuerst die Inschrift eingehauen wurde und die Leisten dann in mehrere Stücke zerschnitten wurden. Die aufwendig und qualitätvoll gearbeitete Platte stellt sowohl hinsichtlich ihrer Gestaltung als auch im Hinblick auf den Text der Umschrift ein Einzelstück in der (bekannten) Bonner Überlieferung dar. Offensichtlich entspricht der Wortlaut nicht dem üblichen Formular der Grabschriften für Kanoniker des Cassiusstiftes: Den Resten der Inschrift ist zu entnehmen, daß das Todesdatum nicht am Beginn, sondern erst gegen Ende des Textes genannt wurde, während zuvor vielleicht die Verdienste des Verstorbenen – um den Kirchenbau? – geschildert wurden. Die Gestaltung der Grabplatte und das Formular der Inschrift lassen darauf schließen, daß der Verstorbene innerhalb des Kapitels eine herausgehobene Stellung einnahm. Möglicherweise handelte es sich um den Dechanten Winand von Esch, der zwischen dem 1. Juli und dem 9. November 1395 verstarb.2) Winand von Esch, der auch Kölner Domherr und Propst von Xanten war, ist zumindest im Zusammenhang mit dem Kölner Karthäuserkloster als großzügiger Stifter bekannt.3)

Textkritischer Apparat

  1. Fehlstelle: ganze obere Schmalseite.
  2. Fehlstelle: erste Hälfte der Langseite.
  3. Fehlstelle: unteres Viertel der Langseite.
  4. Fehlstelle: ganze untere Schmalseite. In der zweiten Hälfte der Leiste sind mehrere Hasten erkennbar, die aber nicht zu einer Lesung des Textes aufzulösen sind.
  5. Fehlstelle: erstes Drittel der Langseite. Vor dem o sind mehrere Hasten erkennbar, möglicherweise der Rest von millesimo.
  6. Fehlstelle: annähernd die letzte Hälfte der Langseite.

Anmerkungen

  1. Pick, Bonner Zeitung 1869, Nr. 174.
  2. Höroldt, St. Cassius, S. 215.
  3. J.J. Merlo, Kunst und Kunsthandwerk im Karthäuserkloster zu Köln, AHVN 45, 1886, S. 1–52 (30).

Zitierhinweis:
DI 50, Bonn, Nr. 36 (Helga Giersiepen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di050d004k0003603.