Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Nagelkapelle im Dom zu Bamberg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DIO 5: Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom (2015)

Nr. 53 Dom, Nagelkapelle 1619

Beschreibung

Wappengrabtafel mit Stifterinschrift, Sterbevermerk und Grabbezeugung für den Domdekan Hektor von Kotzau. Ostwand, Reihe über der nördlichen Tür, vierte von Norden. Bestattung ursprünglich in der elften Gruft der vierten Reihe1). Heller sah sie am nördlichsten Pfeiler der Nagelkapelle2). Eine Reinigung und Restaurierung erfolgte zuletzt 19863).

Im oberen Teil der Grabtafel steht ein Vollwappen in einer von Voluten bekrönten Bogenrahmung. In den vier Ecken befinden sich die Agnatenwappen an der Bogenleiste. Den unteren Teil nimmt eine von Rollwerk und einzelnen Akanthusblättern gerahmte Tafel mit elfzeiliger Inschrift ein. Den oberen Abschluss bildet, in das Wappenfeld hineinragend, ein geflügeltes Engelsköpfchen.

Die Schriftplatte weist mehrere Beschädigungen auf, die zum Teil Buchstaben betreffen: am Anfang der zweiten Zeile befindet sich ein unregelmäßiges Loch, das vermutlich von der nachträglichen Anbringung eines Dübels herrührt. Oben, etwas links der Mitte, zwischen der ersten und zweiten Zeile, ein weiteres unregelmäßiges Loch. Etwas unterhalb davon, zwischen zweiter und dritter Zeile, ein Loch, von dem aus ein Riss bis zum Ende der sechsten Zeile verläuft. Ein weiteres kleines Loch und ein kurzer Riss sind unterhalb der fünften Zeile zu erkennen. Metall.

Maße: H. 84 cm, B. 64 cm, Bu. 1,4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DIO 05, Nr. 53 - Dom, Nagelkapelle - 1619

 © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (E. Lantz) [1/1]

  1. ADMODVMa) R(EVEREN)DOb) PRAENOBILI DOMINO HECTORI / [A]c) KOTZAW BAMB(ER)GENSISb) DECANO AD SS. GAN[=]/GOLPHVM ET IACOBVM IBIDEM PRAEPOSITO . NECNON / HERBIPOLENSIS CATHED(RALIS) ECCL(ESI)ARVMb) . CANONICO . / SANCTISSIMI DOMINI NOSTRI PAVLI V. PONTIFICIS OPT(IMI) / MAX(IMI) CVBICVLARIO ET PROTHON(O)TARIOb) APOSTOLICO . / SACRAE CESAREAE MAIESTATI ET SERE(N)ISSIMOb) MAXIMIL(I)A(NO)b) / VTRIVSQVE BAVARIAE DVCI À CONSILIIS. QVI I. IANVARII / ANNO Md) ∙ DC ∙ XIX PIE EX HAC VITA MIGRAVIT . ET . / SVB HOC TVMVLO QVIESCIT AETATIS SVAE XXXXI / ANN(O) TESTAMENTARII EIVS HANGe) MEMORIAM F(IERI) F(ECERVNT)

Übersetzung:

Dem überaus hochwürdigen, wohledlen Herrn Hektor von Kotzau, Dekan zu Bamberg, Propst zu St. Gangolf und zu St. Jakob, ferner Kanoniker der Würzburger Kathedralkirche, Kammerherrn und Apostolischem Protonotar unseres allerheiligsten Herrn Papstes Paul V., der kaiserlichen Majestät und des durchlauchtigsten Maximilians, Herzogs beider Bayern Rat, der am 1. Januar des Jahres 1619 fromm aus diesem Leben schied und in diesem Grab seine Ruhe fand, seines Alters 41 Jahre, haben seine Testamentsvollstrecker dieses Andenken machen lassen.

Wappen:
Kotzau4).
Kotzau4)Heßberg5)
Mengersdorf6)Würtzburg7)

Kommentar

Die Schrift wirkt durch die ungleiche Zeilenhöhe, die breite Strichstärke und die keilförmig verbreiterten Schäfte sehr unregelmäßig. Das gedrängte Schriftbild, das auf Grund der engstehenden Buchstaben und der fehlenden Wortabstände entsteht, unterstützt diesen Eindruck.

Hektor von Kotzau, Sohn des Hans Berthold und der Anna, geb. von Mengersdorf, Neffe des Bischofs Ernst von Mengersdorf (1583-1591), studierte in Würzburg und Rom. Seit 1589 oder 1591 war er Domherr in Bamberg, seit 1610 auch Domdekan. Zudem war er Propst von St. Jakob und St. Gangolf und nach 1604 auch Mitglied des Würzburger Domkapitels. Er wird als päpstlicher Geheimkämmerer, Apostolischer Protonotar und Rat des Kaisers und des Herzogs Maximilian von Bayern genannt8).

Textkritischer Apparat

  1. Erster Buchstabe vergrößert.
  2. Keine Kürzungszeichen erkennbar.
  3. Fehlt wegen nachträglich angebrachtem Dübelloch.
  4. Neulateinisches Zahlzeichen.
  5. Sic!

Anmerkungen

  1. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 228.
  2. SB Ba JH.Msc.Hist. 10c Nr. 56.
  3. Zur Restaurierung vgl. Jung, Vorwort 5f.; Baumgärtel, Nagelkapelle 19-22; Restaurierungsbericht 1986.
  4. Bay 43.
  5. Bay 39.
  6. BayA1 163.
  7. Bay 64.
  8. Zur Person vgl. Wachter, Schematismus Nr. 5575; Salver, Proben 502.

Nachweise

  1. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 228; SB Ba HV.Msc. 195 p. 237; AEB Rep. I, Nr. 1309 p. 237; BNM Bibl. 1088 fol. 320v; SB Ba HV.Msc. 456 p. 173; SB Ba HV.Msc. 212 fol. 26v; SB Ba JH.Msc.Hist. 10c Nr. 56; SB Ba HV.H.Bbg. 261a Nr. 101.
  2. Rothlauf, Verzeichnis III 26; Pfister, Dom 48; Kdm NF OF IV, II, 1 (Domstift 2) 1566f.

Zitierhinweis:
DIO 5, Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom, Nr. 53 (Julia Karg, Christine Steininger, Ramona Baltolu, Tanja Kohwagner-Nikolai.), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio005m001k0005309.