Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Nagelkapelle im Dom zu Bamberg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DIO 5: Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom (2015)

Nr. 43 Dom, Nagelkapelle 1594

Beschreibung

Wappengrabtafel mit Sterbevermerk und Grabbezeugung für den Domherrn Joachim von Rotenhan und Gießerinschrift des Balthasar Lichtenfelser. Ostwand, Reihe über der nördlichen Tür, zweite von Norden. Bestattung ursprünglich in der ersten Gruft vor dem Bartholomäusaltar in der Nordostecke der Sepultur1). Landgraf und Heller sahen die Tafel am nördlichen Pfeiler2). Wann die Platte ihren heutigen Platz erhielt, ist nicht bekannt. Eine Reinigung und Restaurierung erfolgte zuletzt 19863).

Im oberen Teil der Platte halten zwei stehende Putten ein Vollwappen, das von vier Agnatenwappen umgeben ist4).

Den unteren Teil der Platte bildet eine Tafel mit Rollwerkrahmen und Volutenansen, darin neunzeilige Inschrift (I). Auf der unteren Rahmenleiste der Schrifttafel die Gießerinschrift mit Jahreszahl (II).

Metall.

Maße: H. 133 cm, B. 56 cm, Bu. 1,9 cm (I), 1,5cm (II).

Schriftart(en): Kapitalis (I), Fraktur (II).

DIO 05, Nr. 43 - Dom, Nagelkapelle - 1594

 © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (E. Lantz) [1/1]

  1. I.

    AN(N)Oa) Á CHRISTO NATO. M Db) XC . / DIE XXVI MARTII. OBIIT REVE=/REND(VS) ET NOBILIS DO(MI)NVS. IOACHI=/MVS Á ROTE(N)HA(N). CATHEDRALIS BAM=/BERGE(N)SIS. ET COLLEGIATAE DIVI BVRCK/HARDIc) HERBIPOLE(N)SIS ECCLESIARV(M). CANO=/NIC(VS) CAPITVLARIS. SVB HOC SAXO SE=/PVLT(VS). CVI(VS) ANIMA IN SANCTA RE=/QVIESCAT PACE AMENd)

  2. II.

    Gegossen durch Balthasser · Lichtenfelssere) 1594f)

Übersetzung:

Im Jahre 1590 von Christi Geburt an, am 26. März, verstarb der hochwürdige und edle Herr Joachim von Rotenhan, Kapitularkanoniker der Kathedralkirche Bamberg und der Kollegiatskirche des Hl. Burkhard zu Würzburg, er liegt unter diesem Stein begraben. Dessen Seele in heiligem Frieden ruhe. Amen. (I)

Wappen:
Rotenhan5).
Rotenhan5)Fuchs6)
Stein zu Altenstein7)Hutten8)

Kommentar

Laut Künstlersignatur stammt die Tafel von dem Bamberger Erzgießer Balthasar Lichtenfelser, der 1608 in Bamberg verstarb9). Die Inschrift wirkt durch die Vergrößerung der Anfangsbuchstaben der tragenden Wörter, der breiten Strichstärke, die sich an den Balken- und Schaftenden keilförmig weiter verbreitert, relativ unruhig. Sehr auffällig ist dieses Merkmal beim Buchstaben E, der mittlere Balken ist zum Teil stark verkürzt, der untere Balken verlängert, sein Ende nach oben gebogen.

Joachim von Rotenhan war der Sohn des Wolff und der Amalia, geb. Fuchs von Burgreppach. Sein Bamberger Kanonikat erhielt er 1570 auf Grund des Verzichts seines Bruders Sebastian. Er war auch kurzzeitig Domherr in Würzburg und besaß außerdem eine Pfründe am Kollegiatsstift St. Burkhard in Würzburg10).

Textkritischer Apparat

  1. Anfangsbuchstaben der tragenden Wörter vergrößert.
  2. Vor und nach dem D jeweils zwei Punkte auf Grundlinie und oberer Begrenzungslinie.
  3. Keine Trennzeichen erkennbar.
  4. Letzte Zeile eingerückt und verkleinert. Schlusszeichen in Form von zwei übereinandergestellten Punkten auf Höhe des Zweilinienschemas.
  5. Es folgt ein Trennzeichen in Form von zwei übereinandergestellten Punkten auf Höhe des Zweilinienschemas.
  6. Zeile zentriert.

Anmerkungen

  1. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 287.
  2. SB Ba HV.H.Bbg. 261a Nr. 83; SB Ba JH.Msc.Hist. 10c Nr. 60.
  3. Zur Restaurierung vgl. Jung, Vorwort 5f.; Baumgärtel, Nagelkapelle 19-22; Restaurierungsbericht 1986.
  4. An der unteren Rahmenleiste drei vertieft eingearbeitete Schäfte.
  5. Bay 20.
  6. Bay 35.
  7. Bay 58.
  8. Bay 41.
  9. Zu Balthasar Lichtenfelser vgl. Sitzmann, Künstler 345f.; Thieme/Becker, Künstler 23 191.
  10. Zur Person vgl. Wachter, Schematismus Nr. 8280; Rotenhan, Rotenhan 368-371.

Nachweise

  1. StA Ba B 86, Nr. 250, p. 287; SB Ba HV.Msc. 195 p. 195; AEB Rep. I, Nr. 1309 p. 195; BNM Bibl. 1088 fol. 281v; SB Ba HV.Msc. 456 p. 259; SB Ba HV.Msc. 212 fol. 25r; SB Ba JH.Msc.Hist. 10c Nr. 60; StA Ba Archiv von Rotenhan UX/10c, 2; SB Ba HV.H.Bbg. 261a Nr. 83.
  2. Rothlauf, Verzeichnis III 3; Kdm NF OF IV, II, 1 (Domstift 2) 1557f.

Zitierhinweis:
DIO 5, Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom, Nr. 43 (Julia Karg, Christine Steininger, Ramona Baltolu, Tanja Kohwagner-Nikolai.), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio005m001k0004301.