Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Nagelkapelle im Dom zu Bamberg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DIO 5: Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom (2015)

Nr. 37 Dom, Nagelkapelle 1571

Beschreibung

Figurale Metallplatte mit Grabbezeugung bzw. Sterbevermerken für die Domherren Konrad, Georg und Kaspar von Würtzburg und Künstlersignatur des Sebastian Reichbrunn. Westwand, 21. Denkmal von Norden, in einem verputzten Ziegelrahmen. Bestattung ursprünglich in der fünften Gruft der dritten Reihe1).

Das Bildfeld zeigt einen Domherrn in einer reich ornamentierten Rundbogennische in Dalmatik über Amikt und Albe mit Parura, am linken Arm den Manipel. Um den Hals trägt er eine kleine Halskrause, auf dem Haupt ein Birett. In den Händen hält er ein aufgeschlagenes Buch. Er steht frontal zum Betrachter, sein Kopf ist leicht nach links gewendet.

Im unteren Drittel der Pfeiler ist eine oben und unten mit Blattvoluten besetzte Schriftplatte (I) vorgesetzt, darüber ein Vollwappen. Am Bogen sechs kleinere Wappenschilde, oben in den Zwickeln links und rechts je ein weiterer Wappenschild. Zu Füßen der Figur Künstlerinschrift (II).

Metall.

Maße: H. 199 cm, B. 102 cm, Bu. 2,5 cm (I), 1 cm (II).

Schriftart(en): Kapitalis (I), Fraktur (II).

DIO 05, Nr. 37 - Dom, Nagelkapelle - 1571

 © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [1/1]

  1. I.

    ETEOSTICHA.EX WVRTZBVRGIACAa) CONRADVS GENTE CREATVSHIC CVBAT EXVPERANS SPICLA TRISVLCA NECIS.HINC CVM FATA VOLVNT VIVIS TE SAEVA GEORGIEXIRE, AGNATO CONSOCIARE TVO.SIC QVOQVE PERFVNCTVS VITA SIBI SANGVINE IVNCTASVISITAT HIC VMBRAS CASPAR ET ASTRA SVBIT

  2. II.

    zu Forcheim ∙ S(ebastian) ∙ // R(eichbrunn)b) ∙ Im ∙ 1 ∙ 5 ∙ 71 Jarb) // gegoßen

Übersetzung:

Eteosticha.

Konrad, aus dem Geschlecht der Würtzburger geboren, liegt hier, um die dreifurchigen Stacheln des Todes zu überwinden.

Hierauf will das grimmige Schicksal dich deinem Vorfahren vereinen, indem es dich, Georg, von den Lebenden weggehen lässt.

So überstand auch Kaspar das Leben und besucht hier die Schatten, die ihm durch das Blut verbunden sind, und steigt zu den Sternen empor. (I)

Versmaß: Chronodistichen. (I)

Wappen:
Würtzburg2).
Würtzburg2)Redwitz3)
von der Tann4)Bibra5)
Giech6)Künsberg7)
Erlin von Rorberg8)Stiebar9)

Kommentar

Die Metallplatte ist von dem Forchheimer Glocken-, Stück- und Kunstgießer Sebastian Reichbrunn signiert10). Die Inschrift bemüht sich um klassische Formen, so ist eine leichte Linksschrägenverstärkung zu erkennen und die Cauda des R schwingt stachelförmig aus. Doch gelingt diese Anlehnung an klassische Vorbilder nicht ausnahmslos. So sind die Buchstaben C, O und Q nahezu kreisrund, die Balken des E sind nicht gleichlang, der mittlere ist meist etwas kürzer, der untere Balken ist am längsten, das Ende ist etwas nach oben gebogen, N fällt sehr schmal aus, der Balken des T ist auffällig lang. Ähnliche Buchstabenformen zeigen sich auch in der Inschrift auf dem Denkmal des Johann Philipp von Seckendorff (1573, Nr. 38), das ebenfalls von Reichbrunn signiert wurde, und auch die Inschrift auf dem Denkmal des Michael von Lichtenstein († 1574, Nr. 39) zeigt Gemeinsamkeiten.

Ungewöhnlich ist die Anordnung der Achtahnenprobe. Sie bezieht sich auf den Stifter des Denkmals Kaspar von Würtzburg und ist durch einen Vergleich mit den Agnatenwappen auf dem Denkmal seines Bruders, des Bamberger Bischofs Veit von Würtzburg (1561-1577)11), das sich heute in der ehem. Klosterkirche St. Michael befindet12), zweifelsfrei nachvollziehbar. Auf dem Bogen finden sich zunächst väterliches und mütterliches Wappen, die Wappen der beiden Großmütter befinden sich in den Zwickeln, die Wappen der Urgroßelterngeneration folgen dann wieder auf dem Bogen.

Die drei Verse enthalten jeweils ein Chronogramm (Eteostichon = Chronogramm in Versform), das jeweils das Sterbejahr des im entsprechenden Vers Genannten ergibt. Demnach verstarb Konrad 1471 (20. Oktober), Georg 1501 (05. September)13) und Kaspar 1560 (28. Mai).

Konrad von Würtzburg, Sohn von Hans und Barbara, geb. Schott von Schottenstein, wurde im Jahr 1422 Domherr im Bamberg, er studierte in Erfurt14).

Georg von Würtzburg, Sohn von Erhard und Beatrix, geb. von Giech, Neffe des oben genannten Konrad, erhielt 1459 ein Domkanonikat in Bamberg, 1484 wurde er als Generalvikar vereidigt15).

Kaspar von Würtzburg, Sohn von Hieronymus und Katharina, geb. von Redwitz, Großneffe des Georg, war der Bruder des Bamberger Bischofs Veit von Würtzburg (1561-1577). Kaspar wurde 1534 Domherr in Bamberg, ab 1560 hatte er das Amt des Scholasters inne. Er war zudem Domherr in Würzburg16).

Textkritischer Apparat

  1. W als zwei V gezählt; V mit Trema, als V und I im Chronogramm gezählt.
  2. Zeile durch den Fuß des Domherrn unterbrochen.

Anmerkungen

  1. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 189.
  2. Bay 64.
  3. Bay 53.
  4. Bay 60.
  5. Bay 27.
  6. Bay 11.
  7. Bay 43.
  8. Si1 194.
  9. BayA3 98.
  10. Sitzmann, Künstler 427; Thieme/Becker, Künstler 28, 101.
  11. Vgl. Weiß, Bischofsreihe 157-200.
  12. Kdm NF OF V, III, 4 (Immunitäten Bergstadt 2) 266.
  13. Wachter, Schematismus Nr. 11281, gibt 1506 an.
  14. Zur Person (Konrad) vgl. Wachter, Schematismus Nr. 11289; Hotzelt, Familiengeschichte 176; Kist, Matrikel Nr. 6798.
  15. Zur Person (Georg) vgl. Wachter, Schematismus Nr. 11281; Hotzelt, Familiengeschichte 207-209; Kist, Domkapitel 325f.; Kist, Matrikel Nr. 6791.
  16. Zur Person (Kaspar) vgl. Wachter, Schematismus Nr. 11288; Hotzelt, Familiengeschichte 223-227; Kist, Domkapitel 327f.; Kist, Matrikel Nr. 6796.

Nachweise

  1. SB Ba HV.Msc. 212 fol. 20v (Zusatzblatt); SB Ba HV.Msc. 456 p. 239; SB Ba JH.Msc.Hist. 10c Nr. 21; StA Ba B 86, Nr. 250 p. 189; SB Ba HV.H.Bbg. 261a Nr. 71.
  2. Bellendorf, Grabplatten 2 BaNk21; Kdm NF OF IV, II, 1 (Domstift 2) 1552f.

Zitierhinweis:
DIO 5, Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom, Nr. 37 (Julia Karg, Christine Steininger, Ramona Baltolu, Tanja Kohwagner-Nikolai.), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio005m001k0003709.