Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Nagelkapelle im Dom zu Bamberg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DIO 5: Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom (2015)

Nr. 36 Dom, Nagelkapelle 1569

Beschreibung

Grabtafel und Wappentafel mit Sterbevermerk für Matthes von Rotenhan. Ostwand, Reihe über der nördlichen Tür, erste von Norden. Zwei voneinander unabhängige Gussteile, unten die Schrifttafel mit siebenzeiliger Inschrift in schlichter Rollwerkrahmung, darüber in Lobeerkranz Eheallianzwappen. Die Grablege der Familie Rothenhan befand sich, von einem Gitter umgeben, in der Nordostecke der Nagelkapelle, vor dem ursprünglichen Standort des Bartholomäusaltares1). Die Bestattung des Matthes von Rotenhan war ursprünglich in der zweiten der vier Grüfte2). Landgraf und Pfister sahen sie am südlichsten Pfeiler3). Wann die Tafel an den heutigen Standort kam, ist unbekannt. Nach einer Zeichnung des Archivars Landgraf hing in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts unter der Schriftplatte eines der beiden Rotenhan-Wappen, die heute ebenfalls an der Ostwand der Nagelkapelle, über der Tür zum Kreuzgang angebracht sind4). Wo sich zu dieser Zeit das Eheallianzwappen befand, ist unklar.

Oben links ein Teil der Rahmung der Schrifttafel abgebrochen.

Metall.

Maße: H. 35 cm, B. 54 cm, Bu. 1,8 cm.

Schriftart(en): Fraktur.

DIO 05, Nr. 36 - Dom, Nagelkapelle - 1569

 © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (E. Lantz) [1/1]

  1. Nach Christi geburt 1569 am tag / Kiliani freitags den 8 Julij ist in Gott / verschieden Der Edel vnd Ernuest Mat/thes vom Rotenhan zu Rentweinsdorff / gewesner Bambergischer Ratha) / dessen Seel sich Gott erbarm vnnd ein / froliche vfferstehung verleyhe Amen

 
Eheallianzwappen:
Rotenhan5), Rosenberg6).

Kommentar

Die Inschrift des Matthes von Rotenhan ist die älteste erhaltene in Fraktur ausgeführte Inschrift in der Nagelkapelle. Sie zeigt ein aufgelockertes Schriftbild mit typischen Elementen der Fraktur, etwa den spitz zulaufenden, in die Unterlänge reichenden Schaftenden von f und langem s, den spitzovalen Bögen bei d und o, den Schwellzügen beim Bogen des h. Insgesamt sind die Schäfte von d, f, l und t leicht nach links durchgebogen, der Schaft des h biegt am oberen Ende nach rechts um.

Matthes von Rotenhan, Sohn des Hans und der Margarethe, geb. von Seckendorff, war in erster Ehe mit Margarethe, geb. von Egloffstein († vor 1557), und in zweiter Ehe mit Sophie, geb. von Rosenberg († nach 1603), verheiratet. Er studierte in Tübingen, war von 1546 bis 1556 Amtmann auf Burg Wallburg und Eltmann. 1562 ist er als bischöflicher Rat in Bamberg nachweisbar7). Sein Epitaph befindet sich in der Pfarrkirche zu Ebern. Dessen Text stimmt fast vollständig mit dem der Bamberger Bronzeplatte überein und enthält den Hinweis auf die Bestattung Rotenhans in der Sepultur der Bamberger Domherren8). Der in der Inschrift genannte Sitz Rentweinsdorff war bereits Mitte des 13. Jahrhunderts im Besitz der Familie Rotenhan9).

Textkritischer Apparat

  1. Unteres Schaftende des a fehlt.

Anmerkungen

  1. Baumgärtel, Altäre 53f.
  2. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 189.
  3. SB Ba HV.H.Bbg. 261a Nr. 74; Pfister, Dom 48.
  4. StA Ba Archiv von Rotenhan UX/10b; eine Bestattung des Laien Matthes von Rotenhan war auf Grund der Grablege der Familie in der Sepultur möglich.
  5. Bay 20, Oberwappen der Rothenhan.
  6. BayA1 54.
  7. Zur Person vgl. HAB Franken I, 33 (Haßfurt) 318-320; Rotenhan, Rotenhan 285-291.
  8. Ebern, Lkr. Haßberger/UFr. Vgl. DI 17 (Haßberge) Nr. 154; dort irrtümlich angegeben, dass die Metallplatte in Bamberg verloren sei.
  9. Rentweinsdorf, Lkr. Haßberge/UFr. vgl. HAB Franken I, 15 (Ebern) 52.

Nachweise

  1. SB Ba HV.Msc. 456 p. 346f.; SB Ba HV.Msc. 212 fol. 26v; SB Ba JH.Msc.Hist. 10c Nr. 64; SB Ba HV.H.Bbg. 261a Nr. 74; StA Ba Archiv von Rotenhan UX/10b; StA Ba Archiv von Rotenhan UX/10c, fol. 3.
  2. Pfister, Dom 48; Kdm NF OF IV, II, 1 (Domstift 2) 1551f.

Zitierhinweis:
DIO 5, Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom, Nr. 36 (Julia Karg, Christine Steininger, Ramona Baltolu, Tanja Kohwagner-Nikolai.), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio005m001k0003600.