Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Nagelkapelle im Dom zu Bamberg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DIO 5: Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom (2015)

Nr. 34 Diözesanmuseum 1559

Beschreibung

Figurale Grabplatte mit Sterbevermerk für den Domdekan Wolfgang Theodor Marschalk von Pappenheim und Stifterinschrift seines Bruders. Im Kreuzgang an der Südwand des Südflügels (DMB, Inv. Nr. 2720/1-69). Bestattung ursprünglich in der Nagelkapelle über der siebten Gruft der vierten Reihe1). Landgraf und Heller sahen die Platte am südlichsten Pfeiler. Pfister erwähnt sie 1896 bereits als im Kapitelhaus befindlich2).

Ganzfigur des Domherrn mit Kasel über Albe und Amikt, am linken Arm den Manipel. Das Haupt bedeckt ein Barett. In der linken Hand einen Kelch, den er mit der rechten segnet. Der Körper ist leicht nach rechts gewendet, der Kopf nach links.

Die umlaufende, links oben beginnende Inschrift wird abschließend in einer zweiten Zeile auf der oberen Schmalseite und der rechten Langseite fortgeführt; in den Ecken von Agnatenwappen in Medaillons unterbrochen.

Landgraf bezeichnete den Stein als „mit Ölfarbe überstrichen“3). Es befinden sich heute Reste einer Füllmasse oder Farbe in einzelnen Schriftvertiefungen. Kalkstein.

Maße: H. 191 cm, B. 84,5 cm, Bu. 4,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DIO 05, Nr. 34 - Diözesanmuseum - 1559

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/3]

  1. Anno d(omi)[n]ia) MD // l viiij men(si)s februarij obijt Reuere(n)d(us) ac generos(us) D(ominus)b) Wolfgan[g]usc) // Theodoric(us) in // Bappenhai(m)b) haereditari(us) marscalc(us) Decan(us) Bambergen(sis) cui(us) ani(m)a in // cṛ(ist)o requi(escat) frater ger//manus

Übersetzung:

Im Jahre 1559, am 9. Tag des Monats Februar, verstarb der hochwürdige und edlgeborene Herr Wolfgang Theodor Erbmarschalk in Pappenheim, Dekan zu Bamberg, dessen Seele in Christus ruhe; der leibliche Bruder4).

Wappen:
Marschalk von Pappenheim5)Peuscher6)
Schaumberg7)Zinzendorff8)

Kommentar

Die Grabplatte des Wolfgang Theodor Marschalk von Pappenheim ist das einzige erhaltene steinerne Grabdenkmal eines Bamberger Domherrn aus dem Bearbeitungszeitraum. Das Denkmal wurde vermutlich in Eichstätt hergestellt und steht in der Nachfolge Loy Herings9). Möglicherweise verdankt sich die Herkunft dem Stifter des Denkmals, dem Bruder des Domherrn, Christoph Marschalk von Pappenheim.

Neben der Metallauflage des Kaspar von Berg († 1559, Nr. 35) wird hier ein letztes Mal die Gotische Minuskel auf einem Grabdenkmal eines Kanonikers in der Nagelkapelle verwendet. Die Schrift ist im Mittellängenbereich relativ breit gestaltet, die Abstände zwischen einzelnen Wörtern sind weit, was zu einem aufgelockerten Schriftbild führt. Obwohl die Schrift nicht mehr die typische Gitterform aufweist, sind noch ausgeprägte Quadrangeln an den Buchstaben zu sehen.

Wolfgang Theodor (auch Wolf Dietrich) Marschalk von Pappenheim, Sohn des Sigmund (III.) und der Kunigunde, geb. Peuscher von Leonstein, verwitwete von Wolckersdorff, wurde 1513 Domherr in Bamberg. Er studierte in Ingolstadt und Tübingen, seit 1545 ist er als Dekan und Propst bei St. Jakob in Bamberg belegt. Von 1529 bis 1544 hatte er ein Kanonikat in Augsburg inne, er war mehrfach Domizellar in Würzburg, ab 1555 hatte er ein Kanonikat in Eichstätt inne und bekleidete das Amt des Domizellars10).

Textkritischer Apparat

  1. Beschädigung am Stein.
  2. Kein Kürzungszeichen erkennbar.
  3. Beschädigung am Stein, Metallklammer mit einer Masse darüber.

Anmerkungen

  1. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 220 nennt jedoch einen anderen Text: Anno Domini M.D.L.IX. die IX. Mensis Februarij obijt reverendus Pater ac Nobilis Dominus Theodoricus Wolfgangus Marschalk a Pappenheim huius Ecclesiae Bambergensis Canonicus et Decanus, cuius anima requiescat in pace; ebenso auf diesem Manuskript aufbauend: AEB Rep. I, Nr. 1309 p. 72; SB Ba HV.Msc. 195 p. 72; SB Ba JH.Msc.Hist. 10c ohne Nummer; Rothlauf, Verzeichnis II 130. Unklar muss bleiben, ob es sich hierbei um den Text einer nicht erhaltenen Metallauflage oder um eine ungenaue Überlieferung des Steindenkmals handelt.
  2. Murr, Merkwürdigkeiten 89 sah die Platte noch in der Nagelkapelle; SB Ba HV.H.Bbg. 261a Nr. 69 (mit Zeichnung); SB Ba JH.Msc.Hist. 10c ohne Nummer; Pfister, Dom 54.
  3. SB Ba HV.H.Bbg. 261a Nr. 69.
  4. Der in der Inschrift genannte Bruder des Domherrn, der als Stifter des Grabdenkmals auftritt, war wohl sein leiblicher Bruder Christoph, von 1558 bis 1562 Senior des Hauses Pappenheim. Vgl. Schwackenhofer, Reichserbmarschälle 182f. und 191, Tf. VIII.
  5. Bay 18.
  6. BayA1 5.
  7. Bay 55.
  8. Abweichend zu NÖ 636-643, 1,4 mit Löwen.
  9. Für diesen Hinweis sei Herrn Dr. Franz-Albrecht Bornschlegel, Epigraphisches Forschungs- und Dokumentationszentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München, herzlich gedankt.
  10. Zur Person Kist Matrikel, Nr. 133; Schwackenhofer, Reichserbmarschälle 191, Tf. VIII. Zu Augsburg vgl. Haemmerle, Canoniker Nr. 47, zu Eichstätt vgl. Braun, Domkapitel Eichstätt 357, Nr. 160.

Nachweise

  1. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 220; BNM Bibl. 1088 fol. 157v; SB Ba HV.Msc. 456 p. 170; SB Ba HV.Msc. 212 fol. 23v; SB Ba HV.H.Bbg. 261a Nr. 69 (mit Abzeichnung).
  2. Pfister, Dom 54; Kdm NF OF IV, II, 1 (Domstift 2) 1590f.

Zitierhinweis:
DIO 5, Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom, Nr. 34 (Julia Karg, Christine Steininger, Ramona Baltolu, Tanja Kohwagner-Nikolai.), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio005m001k0003402.