Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Nagelkapelle im Dom zu Bamberg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DIO 5: Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom (2015)

Nr. 32 Dom, Nagelkapelle 1549

Beschreibung

Figurale Metallplatte mit Sterbevermerk für den Domherrn Philipp Albrecht vom Stain, bestehend aus Brustbild und Schrifttafel, und Künstlersignatur. Ostwand südlich neben der nördlichen Tür, auf Höhe des Türsturzes. Bestattung ursprünglich in der 14. Gruft der vierten Reihe1). Eine Reinigung und Restaurierung erfolgte zuletzt 19862).

Das Denkmal besteht aus zwei Teilen. Der obere, von einem geflügelten Engelskopf bekrönte Teil zeigt unter einem auf schmalen Säulen ruhenden Rundbogen die Halbfigur des Verstorbenen. Der frontal dem Betrachter zugewandte Domherr trägt eine Kasel über Albe und Amikt, an seinem linken Arm den Manipel. In seiner Linken hält er einen Kelch, den er mit der Rechten segnet. An den Ecken die Agnatenwappen in Tartschenform.

Darunter querrechteckige Schrifttafel mit mehrfach abgetrepptem Rahmen und siebenzeiliger Inschrift (I). Über der Inschrift mittig wohl Meistermarke (?) eines unbekannten Künstlers in Form eines Monogrammes (II)3).

Metall.

Maße: H. 103 cm, B. 68 cm, Bu. 1,8 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DIO 05, Nr. 32 - Dom, Nagelkapelle - 1549

 © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (E. Lantz) [1/1]

  1. I.

    ANNOa) · DOMINIb) · M · D · XXXXVIIII / DEN · VII · FEBRVARI · STARB · DER · EER/WIRDIG · VND · EDEL · HERR · PHILIPS / ALBRECHT · VOM · STAIN · ZV · MAINCZ / BAMBERG · VND · AVGSPVRG · THVM=/HERR · DER · SEEL · GOT · GNEDIG · VND / BARMHERCZIG · SEIN · WOLL · AMEN

  2. II.

    ISAc)

Wappen:
Stain4)Welden5)
Rechberg zu Rothenlöwen6)Kaltenthal7)

Kommentar

Die Schrifttafel für Philipp Albrecht vom Stain zeigt ein nahezu mit der Marke des Augsburger Malers und Kupferstechers Jörg Strobel identisches Monogramm8). Diese Marke ist in zwei Formen überliefert, bei denen der obere Teil aus einem mit S verschränkten I mit ausgeprägter oberer Serife besteht. Bei der einen Form findet sich darunter ein kapitales A mit Serifen und auf Balkenhöhe rechts angesetztem Winkel. Bei der anderen Form fehlt der Balken und statt des Winkels ist am rechten Schaft auf halber Höhe nur ein kurzer Schräglinksschaft angesetzt. Diese zweite Form gleicht dem Bamberger Monogramm, wobei auf Grund der unterschiedlichen Technik der Ansatz mit der unteren Serife des rechten A-Schafts verschmolzen ist. Die Augsburger Marken werden von der kunsthistorischen Literatur mit Jörg Strobel Augustanus fecit aufgelöst9). Jörg Strobel ist jedoch nach den Augsburger Malerbüchern bereits 1533 verstorben10). 1548 ist in Augsburg ein Jonas Strobel in derselben Zunft belegt11). In Bamberg sind Mitglieder einer gleichnamigen Familie Mitte des 16. Jahrhunderts als Goldschmiede belegt12). Das Bamberger Monogramm kann dennoch nicht sicher aufgelöst werden.

Die Grabplatte zeigt die früheste deutschsprachige Inschrift eines Domherrn in der Nagelkapelle.

Die Inschrift auf der Tafel zeigt ein aufgelockertes Schriftbild mit breiten Buchstaben und weiten Wortabständen. Die Buchstaben sind etwas unregelmäßig zur Grundlinie angeordnet und zeigen auffallend große Serifen.

Philipp Albrecht vom Stain (von Stein), Sohn des Melchior und der Barbara, geb. von Welden auf Lampheim, studierte in Ingolstadt, Heidelberg, Bourges und Bologna. Seit 1521 war er Domherr in Mainz, ab 1530 in Augsburg und kurz danach auch in Salzburg. Seit 1537 war er Domherr in Bamberg, er hatte auch ein Kanonikat in Würzburg inne, kurzfristig auch das Domizellerat in Eichstätt13).

Textkritischer Apparat

  1. Anfangsbuchstabe vergrößert. Worttrenner werden als auf die Spitze gestellte Rhomben dargestellt.
  2. Über dem nachfolgenden Worttrenner die Marke.
  3. Am unteren Ende des rechten A-Schafts kurzer Linksschrägschaft. Bedeutung unklar.

Anmerkungen

  1. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 235.
  2. Zur Restaurierung vgl. Jung, Vorwort 5f.; Baumgärtel, Nagelkapelle 19-22; Restaurierungsbericht 1986.
  3. Für diesen Hinweis sei Herrn Prof. Dr. Peter Zahn, Inschriftenkommission München, herzlich gedankt. Die Meistermarke konnte bislang noch nicht aufgelöst werden.
  4. Bay 58.
  5. Bay 63.
  6. Bay 19.
  7. WüA 12.
  8. Nagler, Monogrammisten 556.
  9. Nagler, Monogrammisten 556; Thieme/Becker, Künstler 32, 195.
  10. Vischer, Studien 567.
  11. Vischer, Studien 565.
  12. Scheffler, Goldschmiede 13-16.
  13. Graff führt zwei Personen mit dem Namen Philipp Albrecht vom Stain auf, einer erhielt 1419 seine Präbende (AEB Rep. I, Nr. 1309 p. 5), der andere 1537 (AEB Rep. I, Nr. 1309 p. 113). Die von Graff abhängigen Handschriften sowie Wachter übernehmen diese beiden Domkanoniker. Zur Person vgl. Wachter, Schematismus Nr. 9810, 9811; Kist, Matrikel Nr. 6033; Kist, Domkapitel 291f.; Braun, Domkapitel Eichstätt 498, Nr. 273.

Nachweise

  1. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 235; SB Ba HV.Msc. 195 p. 5, p. 113; AEB Rep. I, Nr. 1309 p. 5, p. 113; BNM Bibl. 1088 fol. 58v, fol. 217v; SB Ba HV.Msc. 456 p. 255; SB Ba HVMsc. 212 fol. 29v; SB Ba JH.Msc.Hist. 10c Nr. 52; SB Ba HV.H.Bbg. 261a Nr. 67.
  2. Rothlauf, Verzeichnis I 73f.; Rothlauf, Verzeichnis II, 154; Kdm NF OF IV, II, 1 (Domstift 2) 1549.

Zitierhinweis:
DIO 5, Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom, Nr. 32 (Julia Karg, Christine Steininger, Ramona Baltolu, Tanja Kohwagner-Nikolai.), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio005m001k0003204.