Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Nagelkapelle im Dom zu Bamberg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DIO 5: Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom (2015)

Nr. 31 Dom, Nagelkapelle 1543

Beschreibung

Wappengrabtafel mit Grabbezeugung für den Domherrn Andreas Fuchs von Wallburg. Ostwand, Reihe über der südlichen Tür, südlich des Denkmals für Georg und Friedrich von Bibra (1536, Nr. 24). Bestattung ursprünglich in der neunten Gruft der vierten Reihe1). Eine Reinigung und Restaurierung erfolgte zuletzt 19862).

Vollwappen, eingestellt zwischen zwei Säulen, die durch einen sich aus Ranken mit Blättern und Blüten bildenden Bogen verbunden sind. In den vier Ecken Medaillons mit je einem Agnatenwappen in Tartschenform. Die flachen Rahmungen sind mit ziselierten Mustern versehen und von einer Lilie mit Laubwerk bekrönt.

Darunter Platte mit Blattwerkansen und zehnzeiliger Inschrift auf punziertem Grund. In die drittletzte und letzte Zeile ragen beidseitig Balken mit Laubwerk.

Metall.

Maße: H. 116 cm, B. 77 cm, Bu. 3,2 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DIO 05, Nr. 31 - Dom, Nagelkapelle - 1543

 © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (E. Lantz) [1/1]

  1. QVIa) SEPVLTVS EST HIC D(OMI)N(V)S ANDREAS FVCHS / HVIVS S(AN)CT(AE) BAMBERG(ENSIS) ECC(LES)IAE TVM VIRCIBVRG(ENSIS) / ETIAM CATHEDRALIS CANONICVS. ANNO / NOSTRI CRISTIANI NVMERI. M · D · XLIII.b) / QVINTA OCTOBRIS OBIIT CVM EXISTIMATI=/ONEM MAGNAM MAGNAMQVE PRAE CAETERIS / AVTTHORITATEM DOMI FORISQVE FVISSET / CO(N)SEQVTVSc) ∙ / QVI IDEM AETERNAM PACEM EX VOTIS / NOSTRIS HABEATd) ·

Übersetzung:

Der hier begraben ist, ist Herr Andreas Fuchs, Kanoniker der heiligen Bamberger Kirche, ferner auch der Würzburger Kathedrale. Er verstarb im Jahre unserer christlichen Zeitrechnung 1543, am 5. Oktober, nachdem er großes Ansehen und darüber hinaus große Autorität zu Hause und auswärts erlangt hatte. Er möge durch unsere Gebete ewigen Frieden haben.

Wappen:
Fuchs3).
Fuchs3)von der Kere4)
Stiebar5)Lichtenstein6)

Kommentar

Nach Stierling ist das Denkmal für Georg von Bibra ( Nr. 24) Vorbild dieser Platte, er bezweifelt jedoch eine Fertigung in der Vischer-Werkstatt7). Hauschke hingegen weist die Platte der Vischer-Werkstatt unter Hans Vischer zu8). Da die Inschrift auf dem für Hans Vischer gesichterten Grabdenkmal Georgs von Bibra in Gotischer Minuskel gefertigt wurde, ist die Zuweisung über einen Schriftvergleich hinfällig. Die schmale, zum Teil etwas gedrängt wirkende Schrift zeigt deutliche Linksschrägenverstärkungen, obere und untere Spitzen der Buchstaben A, M, N und V sind abgeflacht, der Mittelbalken des A setzt bereits im oberen Drittel an, der obere Bogenabschnitt des G reicht etwas über die Cauda hinaus. Der Mittelteil des geraden M endet auf einer gedachten Mittellinie, die Cauda des R ist geschwungen, die Buchstaben C, O und Q sind nahezu kreisrund gestaltet.

Andreas Fuchs von Wallburg, Sohn des Christoph und der Elisabeth, geb. von der Kere, studierte in Erfurt, Wien und Bologna. Er erhielt 1510 ein Kanonikat in Bamberg, von 1515 bis 1522 ist er als Dekan belegt. Er war ein Befürworter der Lehren Luthers und wurde 1523, um ihn von den religiösen Umwälzungen fernzuhalten, als Vizedom für die Bamberger Besitzungen in Kärnten eingesetzt. Doch auch dort geriet er als Sympathisant der neuen Lehren unter Verdacht9). Eine Wiederwahl zum Dekan im Jahr 1531 nahm er nicht an. Er war auch Domherr in Augsburg und Würzburg sowie Propst bei St. Jakob und St. Gangolf in Bamberg10).

Textkritischer Apparat

  1. Anfangsbuchstabe der tragenden Wörter leicht vergrößert.
  2. Nach M und nach D je ein Worttrenner in Form eines Doppelstrichleins.
  3. Sic! Kein Kürzungszeichen erkennbar; Zeile zentriert, an beiden Zeilenenden wurde die Vertiefung des Schrifthintergrundes nicht ausgeführt, darin vegetabile Zierelemente eingraviert.
  4. Zeile zentriert, an beiden Zeilenenden wurde die Vertiefung des Schrifthintergrundes nicht ausgeführt, darin vegetabile Zierelemente eingraviert.

Anmerkungen

  1. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 224.
  2. Zur Restaurierung vgl. Jung, Vorwort 5f.; Baumgärtel, Nagelkapelle 19-22; Restaurierungsbericht 1986.
  3. Bay 35.
  4. ThüA 38.
  5. BayA3 98.
  6. Bay 45.
  7. Stierling, Beiträge 207.
  8. Hauschke, Grabdenkmäler 291f., Nr. 92.
  9. Vgl. Weiß, Bischofsreihe 111.
  10. Zur Person vgl. Kist, Domkapitel 181f.; Kist, Matrikel Nr. 1874. Zu Augsburg vgl. Haemmerle, Canoniker Nr. 424.

Nachweise

  1. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 224; SB Ba HV.Msc. 195 p. 65; AEB Rep. I, Nr. 1309 II p. 65; BNM Bibl. 1088 fol. 148v; SB Ba HV.Msc. 456 p. 168; SB Ba HV.Msc. 212 fol. 28r; SB Ba JH.Msc.Hist. 10c Nr. 40; SB Ba HV.H.Bbg. 261a Nr. 66.
  2. Rothlauf, Verzeichnis II 124f.; Pfister, Dom 50; Hauschke, Grabdenkmäler 291f., Nr. 92, Abb. 281; Kdm NF OF IV, II, 1 (Domstift 2) 1547.

Zitierhinweis:
DIO 5, Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom, Nr. 31 (Julia Karg, Christine Steininger, Ramona Baltolu, Tanja Kohwagner-Nikolai.), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio005m001k0003105.