Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Nagelkapelle im Dom zu Bamberg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DIO 5: Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom (2015)

Nr. 26 Dom, Nagelkapelle 1539

Beschreibung

Wappengrabtafel mit Sterbevermerk für den Domherrn Erasmus Graf von Wolfstein. Ostwand, am Wandpfeiler südlich neben der nördlichen Tür, erste von unten. Bestattung ursprünglich auf der Deckplatte der fünften Gruft in der vierten Reihe1). Eine Reinigung und Restaurierung erfolgte zuletzt 19862).

In einen Architekturrahmen aus zwei Säulen, die einen Rundbogen tragen, eingestelltes Vollwappen. In den Zwickeln je ein Dreiblatt. Auf den Säulenbasen und über den Kämpfern stehen die vier Agnatenwappen in Tartschenform, darunter eine Schrifttafel. Die Zeilen sind durch Stege getrennt.

Metall.

Maße: H. 54,5 cm, B. 39,5 cm, Bu. 2 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DIO 05, Nr. 26 - Dom, Nagelkapelle - 1539

 © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (E. Lantz) [1/1]

  1. An(n)oa) D(omi)nia) · 1539 · die Vero 27 Mensis Aprilis / Obijt Venerabilis ac Nobilis D(omi)n(u)s Erasim=/=usb) de Wolffstein Canonicus et senior h(uius) Ba=/=mbergensis eccl(esi)e c(uius) Ani(m)a Requiescat In Pace

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1539, und zwar am 27. Tag des Monats April, verstarb der ehrwürdige und edle Herr Erasmus von Wolfstein, Kanoniker und Senior dieser Bamberger Kirche, dessen Seele in Frieden ruhe.

 

Wappen:
Wolfstein3).
Wolfstein3)Wolfstein3)
Eberstein4)Marschalk von Pappenheim5)

Kommentar

Die Schrift ist gleichmäßig und weist auffallend große Quadrangeln auf, der obere Bogen des e ist eher klein, das r tritt nur in Bogenform auf, das s ist aus zwei gebrochenen Bögen gebildet, wobei der obere Abschnitt des unteren Bogens als Schwellzug gestaltet ist.

Erasmus von Wolfstein war Sohn des Georg und der Magdalena, geb. von Wolfstein6). Er studierte in Ingolstadt und Freiburg im Breisgau. Er erhielt 1497 ein Kanonikat in Bamberg, seit 1523 wird er als Senior des Domkapitels genannt. Er war zudem Domherr in Augsburg7).

Textkritischer Apparat

  1. Kein Kürzungszeichen erkennbar.
  2. Sic!

Anmerkungen

  1. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 216.
  2. Zur Restaurierung vgl. Jung, Vorwort 5f.; Baumgärtel, Nagelkapelle 19-22; Restaurierungsbericht 1986.
  3. BayA1 63.
  4. Si1 104. Abweichend zu Siebmacher zeigt das Wappen ein an den Spitzen mit Kleeblättern bestecktes gestürztes Dreieck; zur Zuweisung an die Familie Eberstein vgl. unten Anm. 6.
  5. Bay 18.
  6. Nach Eberstein, Geschichte 553 Anm. 82 verzeichnet das Aufschwörbuch des Augsburger Domkapitels bei der Aufschwörung des Erasmus von Wolfstein am 27. Oktober 1528 dessen Vorfahren. Der Vater war – wie gesagt – Georg von Wolfstein. Die Mutter Magdalena entstammte ebenfalls dem Geschlecht Wolfstein. Der Verwandtschaftsgrad der Eltern ist nicht ersichtlich. Die Großmutter väterlicherseits war Gutta von Eberstein, die Großmutter mütterlicherseits Barbara Marschalkin von Pappenheim.
  7. Zur Person vgl. Wachter, Schematismus Nr. 11263; Kist, Domkapitel 322 f.; Kist, Matrikel Nr. 6754; Eberstein, Entwurf 50.

Nachweise

  1. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 216; SB Ba HV.Msc. 195 p. 44; AEB Rep. I, Nr. 1309 p. 44; BNM Bibl. 1088 fol. 128v; SB Ba HV.Msc. 456 p. 248f.; SB Ba HV.Msc. 212 fol. 21r; SB Bamberg JH.Msc.Hist.10c Nr. 45.
  2. Rothlauf, Verzeichnis I 95f.; Landgraf, Dom 61; Pfister, Dom 49; Kdm NF OF IV, II, 1 (Domstift 2) 1543f.

Zitierhinweis:
DIO 5, Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom, Nr. 26 (Julia Karg, Christine Steininger, Ramona Baltolu, Tanja Kohwagner-Nikolai.), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio005m001k0002602.