Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Nagelkapelle im Dom zu Bamberg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DIO 5: Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom (2015)

Nr. 24 Dom, Nagelkapelle 1536

Beschreibung

Fragment der Metallplatte mit Sterbevermerken für die Domherren Georg und Friedrich von Bibra. Ostwand, über der südlichen Tür. Bestattung ursprünglich in der siebten Gruft der dritten Reihe1). Heller gab vor 1837 an, dass die Metallplatte in der „Vorratskammer“ liege2). Vermutlich wurde sie erst im Zuge der 1870 abgeschlosssenen Renovierungsarbeiten an der Ostwand angebracht. Eine Reinigung und Restaurierung der Platte erfolgte zuletzt 19863).

Die Grabplatte gliedert sich heute in zwei Teile. Oben ist ein Vollwappen zwischen zwei mit Vasen- und Laubornamentik verzierte Pilaster eingestellt, die von einem Rundbogen überfangen werden. In den sich ergebenden Zwickeln je ein Engel mit Knospenranken in sehr flachem Relief. Rechts und links ist die in einem Stück gegossene Platte mit extra gegossenen Balustersäulen eingefasst. Die unten angesetzte Tafel mit Profilkanten oben und unten zeigt zwischen zwei Agnatenwappen ein eingetieftes Schriftfeld mit fünfzeiliger Inschrift zwischen Stegen (I).

Eine vermutlich ebenso gestaltete, oben angebrachte Tafel mit der Inschrift für Friedrich von Bibra (II) zwischen zwei weiteren Wappen war bis ins 18. Jahrhundert noch vorhanden, wie aus der Beschreibung von Schramm hervorgeht4). Heller sah sie nicht mehr5). Sie wird nach Subkustos Graff wiedergegeben6).

Metall.

Maße: H. (vorhandener Teil) 161 cm, B. 101 cm, Bu. 3,2 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel (I).

DIO 05, Nr. 24 - Dom, Nagelkapelle - 1536

 © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (E. Lantz) [1/1]

I.

  1. Anno dominia) · M · ccccc · xxxvj Quarta / Octob(ris) Obijt venerabilis vir dominus / Georgius De Bibra · Canonicus Seniorb) / Custos et Cellerarius huius Ecclesiae / cuius anima viuat deoc)

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1536, am 4. Oktober, verstarb der ehrwürdige Mann, Herr Georg von Bibra, Kanoniker, Senior, Kustos und Zellerar dieser Kirche, dessen Seele bei Gott lebe.

II. Text nach StA Ba B 86, Nr. 250 p. 193

  1. Anno Domini M. CCCC. LXXXXVId). Dominica post Dorotheae obiit venerabilis vir dominuse) Fridericus de Bibra Canonicus huius ecclesiaef).

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1496, am Sonntag nach Dorothea verstarb der ehrwürdige Mann, Herr Friedrich von Bibra, Kanoniker dieser Kirche.

Datum: 1496 Februar 13.

   
Wappen:
Bibra7).
von der Kere8) Hirschhorn9)

Kommentar

Das Schriftbild ist gitterförmig, harmonisch und regelmäßig. Der rechte Teil des großen, gebrochenen oberen Bogens des doppelstöckigen a fällt sehr klein aus, der linke Teil führt als Haarstrich bis zum Schaft. Der obere Bogen des e fällt auffallend klein aus. Der Buchstabe r tritt sowohl in Schaftform als auch als Bogen-r auf. Diese Buchstaben kommen in ähnlicher, aber weniger eleganter Form auf der Grabtafel des Weiprecht von Seckendorff († 1529, Nr. 22) vor. Der untere Bogen des g ist zu einem Haarstrich reduziert und ausgerundet. Das runde s reicht etwas über den Mittellängenbereich hinaus und ist relativ breit gestaltet. Der rechte Balken des v zeigt erste Ausrundungstendenzen. Die Versalien sind kunstvoll mit Bögen und Schlingen verziert.

Das Grabdenkmal kann als einziges Bamberger Monument archivalisch für die Vischer-Werkstatt unter Hans Vischer belegt werden. Die Auflage entsprach nach der Fertigstellung nicht den Vorgaben für Grabplatten in der Sepultur und sollte entfernt, kurtzer, schmeler vnnd niderer gemacht werden10). In Aufbau und Gestaltung ähnelt die Auflage derjenigen der Domherren Sebastian und Christoph von Seckendorff († 1549, Nr. 33).

Friedrich von Bibra, Sohn des Bartholomäus und der Anna, geb. Voit von Rieneck, wurde 1448 in Bamberg aufgeschworen. Er studierte in Erfurt und Heidelberg. Neben seiner Bamberger hatte er auch eine Würzburger Präbende inne11).

Georg von Bibra, Sohn des Philipp und der Helene von Thüngen, wurde 1493 in Anwesenheit des Friedrich von Bibra in Bamberg aufgeschworen. Er studierte in Ingolstadt und Freiburg im Breisgau. 1522 wurde er Domherr in Würzburg, 1528 in Augsburg. 1518 wurde er in Bamberg zum Domkustos und 1531 zum Domizellar ernannt12).

Georg und Friedrich von Bibra waren nur weitläufig verwandt13).

Textkritischer Apparat

  1. Nachfolgende Worttrenner etwas unterhalb der Zeilenmitte.
  2. r aus Platzmangel außerhalb des Schriftfelds.
  3. Es folgt ein blattförmiger Worttrenner; Rest der Zeile leer.
  4. XCVI bei SB Ba HV.Msc. 195 p. 14, AEB Rep. I, Nr. 1309 p. 14, BNM Bibl. 1088 fol. 79v.
  5. dominus fehlt BNM Bibl. 1088 fol. 79v.
  6. cuius anima Deo vivat hinzugefügt SB Ba HV.Msc. 195 p. 14, AEB Rep. I, Nr. 1309 p. 14, BNM Bibl. 1088 fol. 79v, SB Ba HV.Msc. 456 p. 228.

Anmerkungen

  1. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 193.
  2. An diesem Standort sah sie Heller noch vollständig, SB Ba JH.Msc.Hist. 10c Nr. 41 Beilage II.
  3. Zur Restaurierung vgl. Jung, Vorwort 5f.; Baumgärtel, Nagelkapelle 19-22; Restaurierungsbericht 1986.
  4. SB Ba HV.Msc. 456 p. 247.
  5. SB Ba JH.Msc.Hist. 10c Nr. 41.
  6. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 193.
  7. Bay 27.
  8. ThüA 38.
  9. BayA1 146.
  10. Zur Problematik der Zuschreibung und Aufstellung vgl. Hauschke, Grabdenkmäler 287, Nr. 88; StA Ba B 86, Nr. 4 249v, 251, 262r. Ob die geforderten Änderungen tatsächlich und in welcher Form vorgenommen worden sind, lässt sich anhand der Aufzeichnungen nicht erschließen. Eventuell wurde die Platte aus der Sepultur entfernt und bis zur Hängung im 19. Jahrhundert separat verwahrt.
  11. Zur Person (Friedrich) vgl. Wagenhöfer, Bibra 379f. (Stammbaum-Nr. VI,37), dort auch zur älteren Literatur.
  12. Zur Person (Georg) vgl. Wagenhöfer, Bibra 414f. (Stammbaum-Nr. VII,19), dort auch zur älteren Literatur.
  13. Friedrich von Bibra (1369-1412) (vgl. Wagenhöfer, Bibra (Stammbaum-Nr. III,7) vgl. auch a.a.O. 206-210) war der Urgroßvater Friedrichs und der Ururgroßvater Georgs. Georg von Bibra bestimmte in seinem 1536 wenige Wochen vor seinem Tod errichteten Testament, dass er seine letzte Ruhestätte im Grab des „lieben vettern seligen“ haben wollte, vgl. StA Ba A 205 Fach 714 Nr. 888.

Nachweise

  1. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 193; SB Ba HV.Msc. 195 p. 15 (Friedrich), p. 39 (Georg); AEB Rep. I, Nr. 1309 p. 14 (Friedrich), p. 39 (Georg); BNM Bibl. 1088 fol. 125v (Georg), fol. 79v (Friedrich); SB Ba HV.Msc. 456 p. 247 (Georg), p. 228 (Friedrich); SB Ba HV.Msc. 212 fol. 19r; SB Ba JH.Msc.Hist. 10c Nr. 41.
  2. Rothlauf, Verzeichnis I 80 (Friedrich), 94 (Georg); Pfister, Dom 49; Stierling, Beiträge 206f., Abb. 25, Tf. 38; Hauschke, Grabdenkmäler 286f., Nr. 88, Abb. 274; Bellendorf, Grabplatten 2 BaNk11; Kdm NF OF IV, II, 1 (Domstift 2) 1541f.

Zitierhinweis:
DIO 5, Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom, Nr. 24 (Julia Karg, Christine Steininger, Ramona Baltolu, Tanja Kohwagner-Nikolai.), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio005m001k0002404.