Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Nagelkapelle im Dom zu Bamberg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DIO 5: Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom (2015)

Nr. 17 Dom, Nagelkapelle zwischen 1510 und 1513/1514

Beschreibung

Figurale Metallplatte mit Sterbevermerk für den Domherrn Georg von Schaumberg. Südwand, drittes Denkmal von Osten, in einem verputzten Ziegelrahmen. Die ursprünglichen Bestattungen der drei Brüder von Schaumberg, Friedrich († 1503, Nr. 15), Matthias († 1510, Nr. 16) und Georg, lagen einst nebeneinander in der vierten Reihe, Matthias links in der 19. Gruft, Georg in der Mitte in der 20. und Friedrich rechts von ihm in der 21. Gruft1). Landgraf und Heller beschreiben die Auflage des Georg als unvollständig und mit falschen Teilen besetzt2). Die Umschrift wurde im Zuge der 1870 abgeschlossenen Restaurierung berichtigt und ergänzt3). Eine Reinigung und Restaurierung wurde zuletzt 1986 durchgeführt4).

Das Bildfeld zeigt die Figur des Verstorbenen frontal auf einer Standplatte, gekleidet in Pellicea, Superpelliceum und Almutia, auf dem Haupt ein Birett. Seine rechte Hand ist zum Segensgestus erhoben, die linke hält einen Kelch. Zu Füßen ein Vollwappen. Den oberen Abschluss bildet sich zu einem Kielbogen verschlingendes Rankenwerk, das auf sehr dünnen Säulchen ruht.

Die auf vier Seiten umlaufende, links oben beginnende Inschrift wird an den Ecken durch Agnatenwappen in Vierpässen unterbrochen. Das Sterbedatum wurde nach dem Tod des Georg in Kaltarbeit ergänzt.

Metall.

Maße: H. 179 cm, B. 73,5 cm, Bu. 5,2 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DIO 05, Nr. 17 - Dom, Nagelkapelle - zwischen 1510 und 1513/1514

 © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [1/1]

  1. Anno d(omi)ni ∙ M vCa) ∙ // ⟨xiiij ∙ die ∙⟩b) ⟨vicesima prima⟩c) ⟨∙ Januarij ∙⟩d) Obyt venerabilis vi(r) d(omi)n(u)s // georius de Schaumbe(r)g // Can(oni)c(us) et custos h(uius) ecc(lesi)e cui(us) a(n)i(m)a (et)e) corp⟨us ∙ requiescaf)⟩ Pace Ame(n) ∙

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1514, am 21. Tag des Januar, verstarb der ehrwürdige Mann, Herr Georg von Schaumberg, Kanoniker und Kustos dieser Kirche, dessen Seele und Körper in Frieden ruhen mögen. Amen.

Wappen:
Schaumberg5).
Schaumberg5)Redwitz6)
Fulbach7)Heßberg8)

Kommentar

Die Herstellung der Auflagen der Brüder Friedrich († 1503, Nr. 15), Matthias († 1510, Nr. 16) und Georg von Schaumberg werden der Vischer-Werkstatt unter Peter Vischer d. Älteren zugeschrieben9). Alle drei Inschriften weisen charakteristische Gemeinsamkeiten mit anderen der Vischer-Werkstatt zugeschriebenen Stücken auf, so das e mit kleinem oberen Bogen und steil ansetzendem Balken und das s mit kurzem Zierstrich, doch gibt es auch bestimmte Elemente, die sie von den übrigen zeitnahen Objekten unterscheiden. Der rechte Teil des oberen, gebrochenen Bogens des a ist relativ kurz und der linke als Haarstich gestaltete Bogenteil wirkt eingerückt. Das v fällt durch ein stark verlängertes unteres umgebrochenes Ende des linken Schaftes auf, was mit der größten Ausprägung bei Matthias erscheint. Auch der A-Versal mit geschwungenem Deckbalken, doppeltem Mittelbalken und linksseitig gezacktem, geschwungenem linken Schaft ist in ähnlicher Form lediglich bei Johann Truchsess von Pommersfelden († 1507, Nr. 12) und Leonhard von Egloffstein († 1514, Nr. 18) zu sehen. Eine zweite Form des A-Versals mit geschwungenem Deckbalken und einem Mittelbalken, der am unteren Ende des linken geschwungenen Schafts ansetzt und schräg nach oben zum rechten Schaft führt, ist in der Nagelkapelle an keinem anderen Objekt zu finden.

Es scheint naheliegend, dass alle drei Platten gleichzeitig, und zwar nach 1510, dem Todesjahr des zweiten Bruders, Matthias, in Auftrag gegeben wurden. In der Testamentsabrechung des Georg wird ein Goldschmied aufgeführt, der das Sterbedatum auf der Grabplatte nachträglich ausstach10). Dieser Theorie entspricht auch die Komposition der drei Platten, die auf diese mittlere Platte bezogen ist. Es besteht jedoch ebenso die Möglichkeit, dass eine einheitliche Konzeption vorlag, diese aber nacheinander verwirklicht wurde11). Fest steht, dass die Platten bei der Errichtung des Testaments Georg von Schaumbergs 1513 bereits fertig waren.

Obwohl ein einheitlicher Entwurf für alle drei Grabplatten vorgelegen haben muss, lassen Details, z.B. die unterschiedliche Faltengebung bei den Almutien oder die Durchformung der Rosen im Heßberg-Wappen, den Schluss zu, dass sie zwar in einer Werkstatt, aber nicht aus der gleichen Form bzw. einer abgewandelten Form gegossen wurden12).

Georg von Schaumberg, Sohn des Burkhard und der Katharina, geb. von Redwitz, studierte in Erfurt, Leipzig und Ingolstadt. Seit 1460 ist er als Domherr in Bamberg nachweisbar, seit 1507 hatte er das Amt des Domkustos inne. Zudem trug er seit 1506 den Titel des Jubiläus13). Seine Brüder Friedrich und Matthias waren ebenfalls Mitglieder des Domkapitels.

Textkritischer Apparat

  1. C hochgestellt. Rest der Zeile frei.
  2. xiiijdie nachträglich in Kaltarbeit gefertigt, erkennbar am unebenen Hintergrund und an den spitzer ausgearbeiteten Quadrangeln.
  3. Das im 19. Jahrhundert erneuerte Tagesdatum ist falsch. Todestag ist nicht der 21., sondern der 18. Januar, vgl. Kist, Domkapitel 260; prima durchgestrichen und septima darüber geschrieben bei SB Bamberg HV.Msc.212 fol. 18r; vicesima septima bei SB Bamberg HV.Msc.456 p. 241, BNM Bibl. 1088 fol. 93v.
  4. Januarij nachträglich in Kaltarbeit gefertigt, erkennbar am unebenen Hintergrund und an den spitzer ausgearbeiteten Quadrangeln.
  5. Tironisches et.
  6. Da beim a von requiesca nur die linke Hälfte erneuert ist, muss der ursprüngliche Text an dieser Stelle auch ein a gezeigt haben. Das Formular könnte im Orginaltext deshalb vermutlich cuius anima et corpus requiescant in sancta pace gelautet haben, wie es sich auch bei Friedrich von Schaumberg (Nr. 15) findet, so auch StA Ba B 86, Nr. 250 p. 247, SB Ba HV.Msc. 195 p. 21, AEB Rep. I, Nr. 1309 p. 21, BNM Bibl. 1088 fol. 93v, SB Ba HV.Msc. 212 fol. 18r, SB Ba JH.Msc.Hist. 10c Nr. 32; requiescat bei SB Ba HV.Msc. 456 p. 241.

Anmerkungen

  1. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 244 (Matthias); StA Ba B 86, Nr. 250 p. 247 (Georg); StA Ba B 86, Nr. 250 p. 248 (Friedrich).
  2. SB Ba HV.H.Bbg. 261a Nr. 46 (mit Zeichnung); SB Ba JH.Msc.Hist. 10c Nr. 32, Beilage II.
  3. AEB Rep. 2, Nr. 2213, Sitzung vom 31. Dezember 1867; AEB Rep. 2, Nr. 2213, Sitzung vom 24. März 1868.
  4. Zur Restaurierung vgl. Jung, Vorwort 5f.; Baumgärtel, Nagelkapelle 19-22; Restaurierungsbericht 1986.
  5. Bay 55.
  6. Bay 53.
  7. BayA1 138.
  8. Bay 39.
  9. Vgl. zu Friedrich von Schaumberg Hauschke, Grabdenkmäler 238f., Nr. 54, zu Matthias von Schaumberg a.a.O., 252, Nr. 65, und zu Georg von Schaumberg a.a.O. 251, Nr. 64.
  10. StA Ba B 86, Nr. 531, Testamentsabrechnung, dritte Spalte.
  11. Vgl. hierzu Hauschke, Grabdenkmäler 251, Nr. 64.
  12. Hauschke, Grabdenkmäler 251, Nr. 64.
  13. Zur Person vgl. Kist, Domkapitel 260f.; Kist, Matrikel Nr. 5287; Wachter, Schematismus Nr. 8605. Haemmerle, Canoniker Nr. 742 hält eine Identität mit einem Augsburger Kanoniker gleichen Namens für möglich

Nachweise

  1. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 247; SB Ba HV.Msc. 195 p. 21; AEB Rep. I, Nr. 1309 p. 21; SB Ba HV.Msc. 456 p. 241; BNM Bibl. 1088 fol. 93v; SB Ba HV.Msc. 212 fol. 18r; SB Ba JH.Msc.Hist. 10c Nr. 32; SB Ba HV.H.Bbg. 261a Nr. 46 (mit Zeichnung).
  2. Rothlauf, Verzeichnis I 84f.; Landgraf, Dom 46; Pfister, Dom 51; Stierling, Beiträge 191f.; Hauschke, Grabdenkmäler 251, Nr. 64, Abb. 220; Bellendorf, Grabplatten 2 BaNk32; Kdm NF OF IV, II, 1 (Domstift 2) 1535f.

Zitierhinweis:
DIO 5, Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom, Nr. 17 (Julia Karg, Christine Steininger, Ramona Baltolu, Tanja Kohwagner-Nikolai.), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio005m001k0001703.