Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Nagelkapelle im Dom zu Bamberg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DIO 5: Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom (2015)

Nr. 14 Dom, Nagelkapelle 1510

Beschreibung

Figurale Metallplatte mit Sterbevermerk für den Domherrn Christoph von Thünfeld. Westwand, 22. Denkmal von Norden, in einem verputzten Ziegelrahmen. Bestattung ursprünglich in der achten Gruft der dritten Reihe1). Bei der Neuanbringung nach der Säkularisation wurden die beiden Langzeilen vertauscht, wie Landgraf vermerkt2). Heller schreibt, dass „die Inschrift zum Theil falsch“ sei3). Dies wurde wohl während der 1870 abgeschlossenen Restaurierungsarbeiten berichtigt4). Eine Restaurierung und Reinigung wurde zuletzt 1986 vorgenommen5).

Unter sich zu einem Kielbogen verschlingenden Rankenwerk steht auf einer Standplatte die nach links gewendete Figur des Verstorbenen. Er ist mit Pellicea, Superpelliceum und Almutia bekleidet, auf dem Haupt eine birettartige Kopfbedeckung. Mit beiden Händen hält er ein geschlossenes Buch, zu Füßen ein Vollwappen.

Die auf vier Seiten umlaufende, links oben beginnende Inschrift wird an den Ecken durch Agnatenwappen in Vierpässen unterbrochen.

Metall.

Maße: H. 179 cm, B. 73 cm, Bu. 5,7 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DIO 05, Nr. 14 - Dom, Nagelkapelle - 1510

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. Anno d(omi)ni ∙ Mo ∙ vca) ∙ xob) ∙ // vndecima die mensis decembris ∙ Obijt venerabilis vir Dominus // Cristoferus de thunfelt // hui(us) Eccl(es)ie Bamberge(nsis) cano(n)icus Cuius anima quiescat In pace ∙ Amen +

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1510, am 11. Tag des Monats Dezember, verstarb der ehrwürdige Mann, Herr Christoph von Thünfeld, dieser Bamberger Kirche Kanoniker, dessen Seele in Frieden ruhe. Amen.

Wappen:
Thünfeld6).
Thünfeld6)Lichtenstein7)
Lamprecht8)Abenberg9)

Kommentar

Die Herstellung der Auflage wird der Werkstatt Peter Vischers d. Älteren zugeschrieben10), sie weist auch einige charakteristische Buchstabenformen bei a, e und s auf, die so etwa bei Hertnid von Stein zu Ostheim († 1491, Nr. 6) vorkommen, doch zeigen sich auch einige Unterschiede. So wirkt das Schriftbild durch die breitere Strichstärke und die eher stumpfen Quadrangeln klobiger. Der untere Bogen des g ist leicht geschwungen und am Ende angeschrägt und auch die Gestaltung des A-Versals bei Anno mit schrägem Deckbalken, doppeltem Mittelbalken und doppeltem linken Schaft sowie der B-Versal mit gerundeten Bögen sind eher ungewöhnlich und treten bei keinem anderen Objekt der Nagelkapelle auf. u steht meist mit diakritischem Zeichen.

Christoph von Thünfeld ist seit 1444 als Domherr in Bamberg genannt. Er studierte in Leipzig, 1507-1508 ist er als Domzellerar nachweisbar11).

Textkritischer Apparat

  1. c hochgestellt.
  2. Der nachfolgende Worttrenner auf dem Rahmen, graviert.

Anmerkungen

  1. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 194.
  2. Landgraf, Dom 45.
  3. SB Ba JH.Msc.Hist. 10c Beilage II Nr. 22.
  4. AEB Rep. 2, Nr. 2213, Sitzung vom 31. Dezember 1867; AEB Rep. 2, Nr. 2213, Sitzung vom 24. März 1868.
  5. Zur Restaurierung vgl. Jung, Vorwort 5f.; Baumgärtel, Nagelkapelle 19-22; Restaurierungsbericht 1986.
  6. BayA1 110.
  7. Bay 45.
  8. BayA1 157.
  9. BayA1 64.
  10. Hauschke, Grabdenkmäler 252f., Nr. 66.
  11. Zur Person vgl. Wachter, Schematismus Nr. 10321; Kist, Domkapitel 311; Kist, Matrikel Nr. 1233.

Nachweise

  1. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 194; SB Ba HV.Msc. 195 p. 13; AEB Rep. I, Nr. 1309 p. 13; BNM Bibl. 1088 fol. 77v; SB Ba HV.Msc. 456 p. 238; SB Ba HV.Msc. 212 fol. 13v; SB Ba JH.Msc.Hist. 10c Nr. 22.
  2. Rothlauf, Verzeichnis I 79; Landgraf, Dom 45; Pfister, Dom 51; Stierling, Beiträge191f.; Hauschke, Grabdenkmäler 252f., Nr. 66, Abb. 222, 223; Bellendorf, Grabplatten 2 BaNk22; Kdm NF OF IV, II, 1 (Domstift 2) 1533.

Zitierhinweis:
DIO 5, Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom, Nr. 14 (Julia Karg, Christine Steininger, Ramona Baltolu, Tanja Kohwagner-Nikolai.), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio005m001k0001406.