Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Nagelkapelle im Dom zu Bamberg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DIO 5: Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom (2015)

Nr. 11 Dom, Nagelkapelle 1505

Beschreibung

Figurale Metallplatte mit Sterbevermerk für den Domdekan Karl von Seckendorff. Westwand, 19. Denkmal von Norden, in einem verputzten Ziegelrahmen. Bestattung ursprünglich in der 23. Gruft der vierten Reihe1). Nach der Säkularisation wurde das Bildfeld vermutlich bei der Neuanbringung mit nicht zugehörigen Inschriftenleisten zusammengefügt2). Im Zuge der 1870 abgeschlossenen Restaurierung wurde dies berichtigt, zudem wurden die fehlenden Inschriftenteile, zwei Wappen, der Rundbogen und das Rankenwerk ergänzt3). Eine Reinigung und Restaurierung fand zuletzt 1986 statt4).

Unter einem im 19. Jahrhundert erneuerten Rundbogen mit Rankenwerk in den Zwickeln steht die nach links gewendete Ganzfigur des Verstorbenen, auf einer Standplatte, in Pellicea, Superpelliceum und Almutia, auf dem Haupt eine birettartige Kopfbedeckung. Mit seiner rechten Hand umfasst er einen Kelch, den er mit der linken stützt. Zu seinen Füßen befindet sich ein Vollwappen.

Die auf vier Seiten umlaufende, links oben beginnende Inschrift wird an den Ecken durch die Agnatenwappen in Vierpässen unterbrochen.

Metall.

Maße: H. 189,5 cm, B. 81 cm, Bu. 6,3 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DIO 05, Nr. 11 - Dom, Nagelkapelle - 1505

 © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [1/1]

  1. ⟨anno ∙ dominia) ∙ M ∙ cccccb) ∙ //⟩ ∙ v ∙ die ∙ sancti ∙ Iohannis ∙ baptiste ∙ ob⟨iit ∙ reverendus ∙ pater ∙ D(omi)n(u)s ∙ Carolusc)⟩ // de ∙ Seckendorf ∙ decan(us) // ⟨et ∙ canonic(us) ∙ hujus ∙ ecclesiaed) ∙ cujus ∙ a⟩ni(m)ae) ∙ requiescat ∙ in ∙ pace ∙ amenf)

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1505, am Tag des Hl. Johannes des Täufers verstarb der hochwürdige Vater, Herr Karl von Seckendorff, Dekan und Kanoniker dieser Kirche, dessen Seele in Frieden ruhe. Amen.

Datum: 1505 Juni 24.

Wappen:
Seckendorff5).
Seckendorff5)falsch ergänzt: unbekannt6)
Gebsattel7)Pfahlheim8)

Kommentar

Auch diese Auflage wird der Vischer-Werkstatt unter Peter Vischer d. Älteren zugeschrieben9): so weist auch die Schrift Ähnlichkeiten mit denjenigen auf, die ebenfalls dieser Werkstatt zugeschrieben werden können. Die Gestaltung von a, e und s findet sich so auch bei dem Denkmal von Hertnid von Stein zu Ostheim († 1491, Nr. 6). Das I mit umgebogenem Deckbalken kommt so auch in der Inschrift des Johann von Stein zu Ostheim († 1505, Nr. 9) vor.

Karl von Seckendorff war der Sohn des Konrad aus der Linie Obersteinbach und einer nicht näher bekannten Frau aus der Familie von Roßberg10). Er studierte in Erfurt und Heidelberg. Seit 1452 war er Domherr in Bamberg, seit 1491 hatte er das Amt des Domdekans inne, zudem war er Domherr in Eichstätt und Propst in Feuchtwangen und von St. Jakob in Bamberg11).

Textkritischer Apparat

  1. Dni bei SB Ba HV.Msc. 212 fol. 19v.
  2. D statt ccccc bei SB Ba HV.Msc. 195 p. 16, AEB Rep. I, Nr. 1309 p. 16, SB Ba JH.Msc.Hist. 10c Nr. 19.
  3. Karolus bei BNM Bibl. 1088 fol. 84v, SB Ba HV.Msc. 456 p. 165.
  4. Rundes s in der Wortmitte; eccles bei SB Ba HV.Msc. 456 p. 165.
  5. Kein Kürzungszeichen erkennbar.
  6. Am Ende der Inschrift ein Drache in Relief. 

Anmerkungen

  1. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 252.
  2. Heller macht in einer Anmerkung darauf aufmerksam, dass er in Heller, Taschenbuch 31 die Grabplatte fälschlich für die des Johann Philipp von Seckendorff angesehen habe, Heller in SB Ba JH.Msc.Hist. 10c, Beilage II (hier Johann Philipp durchgestrichen, Karl dazugeschrieben); auch Landgraf, Dom 41 vermerkt, dass die Inschriftenteile vertauscht wurden.
  3. AEB Rep. 2, Nr. 2213, Sitzung vom 31. Dezember 1867; AEB Rep. 2, Nr. 2213, Sitzung vom 24. März 1868.
  4. Zur Restaurierung vgl. Jung, Vorwort 5f.; Baumgärtel, Nagelkapelle 19-22; Restaurierungsbericht 1986.
  5. Bay 22; ergänzt.
  6. Wappenbild: steigendes Pferd auf Dreiberg; zum Wappen der Schenk von Roßberg siehe BayA1 54. Vermutlich wurde das Wappenbild bei der Ergänzung als redendes Wappen aus dem Namen Roßberg entwickelt.
  7. Bay 36.
  8. WüA 137.
  9. Hauschke, Grabdenkmäler 242, Nr. 57; Sitzmann, Künstler 159. Er schreibt die Auflage zusätzlich auch Hans Krebs zu, a.a.O. 318.
  10. Die Mutter aus dem Geschlecht der Roßberg nennt Kist, Domkapitel 283. Rechter, Seckendorff IV,1 44 erschließt aus dem ergänzten Wappen auf dem Epitaph irrtümlich, dass die Mutter aus dem Geschlecht der Fraunberg stammte (vgl. Bay 34, das Fraunberger Wappenbild zeigt jedoch ein gezäumtes Pferd und weist keinen Dreiberg auf). Das Wappen der Großmutter väterlicherseits auf der Auflage für Sebastian und Christoph von Seckendorff ( Nr. 33), Neffen Karls und Söhne seines älteren Bruders Ott, zeigt einen Balken; dies entspricht dem Wappen der Schenk von Roßberg und bestätigt die Zuweisung der Mutter Karls und Otts zu dieser Familie durch Kist. Da beide Metalldenkmäler jedoch keine Tingierungen bieten und der Balken ein relativ häufiges Wappenbild darstellt (vgl. Schöler, Historische Familienwappen Tf. 2), kann Kists Angabe durch die Wappen nicht endgültig verifiziert werden.
  11. Zur Person vgl. Kist, Matrikel Nr. 5821; Rechter, Seckendorff IV,1 44f. (Systematik V/6). Zur Problematik bei der Identifizierung der Mutter vgl. die vorherige Fußnote.

Nachweise

  1. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 252; SB Ba HV.Msc. 195 p. 16; AEB Rep. I, Nr. 1309 p. 16; BNM Bibl. 1088 fol. 84v; SB Ba HV.Msc. 456 p. 165; SB Ba HV.Msc. 212 fol. 19v; SB Ba JH.Msc.Hist. 10c Nr. 19.
  2. Rothlauf, Verzeichnis I 81; Landgraf, Dom 41; Pfister, Dom 51; Stierling, Beiträge 185ff., Tf. 32, Abb. 5; Riederer, Metallanalysen Nr. 25; Hauschke, Grabdenkmäler 242f., Nr. 57, Abb. 210; Bellendorf, Grabplatten 2 BaNk19; Kdm NF OF IV, II, 1 (Domstift 2) 1529f.

Zitierhinweis:
DIO 5, Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom, Nr. 11 (Julia Karg, Christine Steininger, Ramona Baltolu, Tanja Kohwagner-Nikolai.), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio005m001k0001109.