Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Nagelkapelle im Dom zu Bamberg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DIO 5: Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom (2015)

Nr. 8 Dom, Nagelkapelle 1503

Beschreibung

Grabtafel und Wappentafel mit Sterbevermerk für Ameley von Rotenhan, geb. von Waldau. Ostwand, zweite Reihe über der nördlichen Tür, über dem Denkmal für Matthes von Rotenhan († 1569, Nr. 36). Bestattung ursprünglich in der vierten Gruft der Rotenhanschen Grablege innerhalb der Sepultur1). Landgraf sah das Denkmal 1836 „links am ersten Pfeiler“2). Pfister sah es 1896 bereits an der Ostwand3). Eine Reinigung und Restaurierung wurde zuletzt 1986 durchgeführt4).

Querrechteckige Tafel in Rahmenleiste mit sechszeiliger Inschrift zwischen Stegen, auf punziertem Grund. Darüber auf separater, oben rundbogig abgeschlossener Tafel Vollwappen.

Metall.

Maße: H. (Schrifttafel) 25 cm, B. (Schrifttafel) 38 cm, Bu. 2,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DIO 05, Nr. 8 - Dom, Nagelkapelle - 1503

 © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (E. Lantz) [1/1]

  1. Nach Cristi geburt ∙ xvCa) ∙ vnd iii Ja(r) / an de(m) Aschermitwoch verschid die / Edel Fraw Ameley ∙ Götzen vom / Rotenhan zu rentweinsdorff selige(n) ∙ / Eliche(s) gemahel ∙ geborn von Wal=/daw ∙ Der got genedig sey Amen ∙

Datum: 1503 März 01.

Wappen:
Waldau5).

Kommentar

Die Inschrift wirkt durch die breite Schriftstärke und die eher stumpfen Quadrangeln recht klobig, weist aber klar ausgearbeitete Ober- und Unterlängen auf. Der Buchstabe e ist sehr schmal gehalten und der obere Bogen klein, da der abgeknickte obere Bogenabschnitt sehr kurz ist. Daran setzt der als Haarstich gestaltete Balken an und führt steil zum Schaft. Auch der obere Bogen des a ist eher klein und wirkt eingezogen. Der untere Bogen des g ist nach rechts ausholend und knickt schräg nach oben ab. Das Schaft-r wird sowohl mit Fahne als auch mit darübergesetztem Quadrangel dargestellt. Ähnliche Buchstabenformen finden sich auch in der Inschrift des Friedrich von Schaumberg († 1503, Nr. 15) und des Johann Truchsess von Pommersfelden († 1507, Nr. 12), was eine Zuschreibung der Tafel an die Vischer-Werkstatt untermauert6).

Ameley, geb. von Waldau, war in erster Ehe mit Heinrich von Schaumberg, in zweiter Ehe seit 1477 mit Götz von Rotenhan verheiratet. Sie besaß die Gallus-Kurie in der Domburg. Eine 1502 (April 2) von ihr gemachte Jahrtagsstiftung für die Bruderschaft der Domherren verband sie mit einer jährlich zu wiederholenden Tuchspende für acht Hausarme. Vermutlich in diesem Zusammenhang stiftete sie ebenfalls den St. Bartholomäusaltar mit dem Apostelabschied in der Nagelkapelle. Diese großzügige Spende und ihre Zugehörigkeit zur Familie der Rotenhan, die eine Grablege in der Sepultur besaß, ermöglichten ihre Bestattung in der Nagelkapelle7). Der in der Inschrift genannte Sitz Rentweinsdorff war bereits Mitte des 13. Jahrhunderts im Besitz der Familie Rotenhan8).

Textkritischer Apparat

  1. C hochgestellt.

Anmerkungen

  1. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 292.
  2. Landgraf, Dom 35.
  3. Pfister, Dom 48.
  4. Zur Restaurierung vgl. Jung, Vorwort 5f.; Baumgärtel, Nagelkapelle 19-22; Restaurierungsbericht 1986.
  5. BayA1 58.
  6. Herrn Prof. Dr. Peter Zahn, Inschriftenkommission München, sei für diese freundliche Information gedankt.
  7. Zur Person vgl. Rotenhan, Rotenhan 185f.; Baumgärtel, Apostelabschied; Baumgärtel, Altäre 53-57.
  8. Rentweinsdorf, Lkr. Haßberge/UFr. vgl. HAB Franken I, 15 (Ebern) 52.

Nachweise

  1. SB Ba HV.Msc. 456 p. 345f.; SB Ba HV.Msc. 212 fol. 25v; SB Ba JH.Msc.Hist. 10c Nr. 65 (Inschrift), 57 (Wappen); StA Ba Archiv von Rotenhan UX/10c, 3;
  2. Landgraf, Dom 35; Baumgärtel, Altäre 53; Kdm NF OF IV, II, 1 (Domstift 2) 1526f.

Zitierhinweis:
DIO 5, Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom, Nr. 8 (Julia Karg, Christine Steininger, Ramona Baltolu, Tanja Kohwagner-Nikolai.), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio005m001k0000804.