Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Nagelkapelle im Dom zu Bamberg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DIO 5: Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom (2015)

Nr. 7 Dom, Nagelkapelle 1495

Beschreibung

Figurale Metallplatte mit Sterbevermerk für den Domherrn Berthold Graf von Henneberg-Schleusingen. Westwand, 15. Denkmal von Norden. Bestattung ursprünglich in der vierten Gruft der dritten Reihe1). Den Zustand vor der Restaurierung des 19. Jahrhunderts hielt Landgraf in einer lavierten Federzeichnung fest2). Ergänzt wurden die fehlenden Teile im Zuge der 1870 abgeschlossenen Restaurierung3). Eine Reinigung und Restaurierung wurde zuletzt 1986 durchgeführt4).

Unter einem von Rankenwerk umschlungenen Kielbogen, der auf schmalen Säulchen ruht, steht nach links gewendet der Domherr in Pellicea, Superpelliceum und Almutia, auf dem Haupt ein Birett. In seiner rechten Hand hält er ein aufgeschlagenes Buch, zu seinen Füßen ein Vollwappen.

Die auf vier Seiten umlaufende, links oben beginnende Inschrift wird an den Ecken durch Agnatenwappen in Vierpässen unterbrochen.

Metall.

Maße: H. 198 cm, B. 85 cm, Bu. 6,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DIO 05, Nr. 7 - Dom, Nagelkapelle - 1495

 © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [1/1]

  1. Annoa) ∙ d(omi)ni ∙ M ∙ cccc ∙ xcv // die ∙ lune ∙ vicesima ∙ mensis ∙ aprilis ∙ ob⟨iit ∙ ven(era)bilis ∙ et ∙ generosusb) ∙ do(minus)c) ∙ berthol⟩//dusd) ∙ comes ∙ et ∙ d(omi)n(u)s ∙ i(n) ∙ hen//⟨neberg ∙ ca(n)o(nicus) ∙ ace) ∙ ca(n)torc) ∙ h(uius) ∙ ac ∙ s(an)c(t)i ∙ steph⟩anj ∙ eccl(es)iar(um) ∙ p(re)posit(us) ∙ c(uius) ∙ a(n)i(m)a ∙ r(e)q(ui)escat ∙ i(n) ⟨∙ pace ∙⟩

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1495, am Montag, dem 20. des Monats April, verstarb der ehrwürdige und wohlgeborene Herr Berthold Graf und Herr von Henneberg, Kanoniker und Kantor dieser und Propst der Kirche des Hl. Stephan, dessen Seele in Frieden ruhe.

Wappen:
Henneberg-Schleusingen5).
Henneberg-Schleusingen5)Hanau6)
BraunschweigNassau7)

Kommentar

Die Schrift zeigt in Duktus und Buchstabengestaltung des a, e und s große Gemeinsamkeiten mit der Schrift der Auflage des Hertnid von Stein zu Ostheim († 1491, Nr. 6) und wird ebenfalls der Vischer-Werkstatt unter Peter Vischer d. Älteren zugeschrieben8). Zudem weist der A-Versal eine auffällige Ähnlichkeit mit dem der Inschrift des Johann Marschalk von Ebneth († 1472, Nr. 3) auf, wobei der Deckbalken des vorliegenden Buchstabens keinen Nodus aufweist, sondern selbst nach links tropfenförmig ausgeformt wurde.

Die ergänzten Teile verraten sich u.a. durch rundes s in der Wortmitte und am Wortanfang und durch fehlende bzw. anders als in den Originalteilen, mit einer Ausbuchtung nach oben, gestaltete Kürzungszeichen. Auch die untypischen Kürzungen für canonicus, cantor und dominus verweisen auf eine Herstellung dieser Schriftteile um 1870.

Berthold Graf von Henneberg-Schleusingen war der Sohn des Wilhelm (II.) und der Katharina, geb. Gräfin von Hanau. 1454 wurde er Domherr in Bamberg und begann sein Studium in Erfurt. Zeitweise hielt er sich in Rom auf. Seit 1491 ist er in Bamberg als Domkantor nachweisbar. Zudem wird er als Domherr in Augsburg, Köln, Straßburg und Würzburg sowie als Propst bei St. Stephan in Bamberg genannt. Er verstarb in Straßburg9).

Textkritischer Apparat

  1. Mit überflüssigem Kürzungsstrich.
  2. gratiosus BNM Bibl. 1088 fol. 85v, SB Ba HV.Msc. 456 p. 227; rundes s in der Wortmitte.
  3. Kein Kürzungszeichen erkennbar.
  4. bertholdus fehlt bei BNM Bibl. 1088 fol. 85v, SB Ba HV.Msc. 456 p. 227.
  5. et bei SB Ba HV.Msc. 195 p. 17, AEB Rep. I, Nr. 1309 p. 17, BNM Bibl. 1088 fol. 85v, SB Ba HV.Msc. 212 fol. 10r, SB Ba JH.Msc.Hist. 10c Nr. 35.

Anmerkungen

  1. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 186.
  2. Vgl. sein Handexemplar des Dombandes: SB Ba HV.H.Bbg. 261a vor Nr. 19.
  3. AEB Rep. 2, Nr. 2213, Sitzung vom 31. Dezember 1867; AEB Rep. 2, Nr. 2213, Sitzung vom 24. März 1868.
  4. Zur Restaurierung vgl. Jung, Vorwort 5f.; Baumgärtel, Nagelkapelle 19-22; Restaurierungsbericht 1986.
  5. Si2 6.
  6. Souv1 83f.
  7. Abweichend zu BayA1 50 bekrönt. Laut Suchier, Genealogie 12, aus der Linie Beilstein.
  8. Hauschke, Grabdenkmäler 221, Nr. 43; Sitzmann, Künstler 159.
  9. Straßburg (Strasbourg)/Frankreich; zur Person vgl. Wachter, Schematismus Nr. 4113; Kist, Domkapitel 194, Nachfahrentafel II; Kist, Matrikel Nr. 2601(bei Haemmerle, Augsburger Kanoniker, nicht genannt).

Nachweise

  1. StA Ba B 86, Nr. 250 p. 186; SB Ba HV.Msc. 195 p. 17; AEB Rep. I, Nr. 1309 p. 17; BNM Bibl. 1088 fol. 85v; SB Ba HV.Msc. 456 p. 227; SB Ba HV.Msc. 212 fol. 10r; SB Ba JH.Msc.Hist. 10c Nr. 15; SB Ba HV.H.Bbg. 261a Nr. 19 (mit Zeichnung).
  2. Rothlauf, Verzeichnis I 82; Pfister, Dom 52; Stierling, Beiträge 187ff., Tf. 33, Abb. 8; Riederer, Metallanalysen Nr. 15; Hauschke, Grabdenkmäler 221f., Nr. 43, Abb. 172; Bellendorf, Grabplatten 2 BaNk15; Kdm NF OF IV, II, 1 (Domstift 2) 1524f.

Zitierhinweis:
DIO 5, Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom, Nr. 7 (Julia Karg, Christine Steininger, Ramona Baltolu, Tanja Kohwagner-Nikolai.), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio005m001k0000705.