Inschriftenkatalog: Stadt Baden-Baden und Landkreis Rastatt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 78: Stadt Baden-Baden und Landkreis Rastatt (2009)

Nr. 318† Bühl, ehem. markgräflich badisches Amthaus 1562

Beschreibung

Wappentafel. Aufgefunden im Jahre 1788 während der partiellen Niederlegung bzw. Umgestaltung des ehemaligen markgräflich badischen Amthauses,1 das sich an der heutigen Hauptstraße 84 befand und 1970 abgerissen wurde.2 Nach einer damals angefertigten Zeichnung handelte es sich um eine gerahmte hochrechteckige Tafel, „worauf ein Wappen eingehauen“.1 Über dem Vollwappen zwei Namensinitialen und eine Jahreszahl, beide durch die Helmzier unterbrochen. Verlustumstände unbekannt.

Inschrift nach GLA Karlsruhe 229/15008, Wappen.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 78, Nr. 318 - Bühl, ehem. markgräflich badisches Amthaus - 1562

 Landesarchiv Baden-Württemberg, Generallandesarchiv Karlsruhe [1/1]

  1. P //a) Gb) / 15 //a) 62

Wappen:
Göldlin oder Goeslin.3

Kommentar

Auf dem offenbar auch paläographisch detailgetreu angefertigten Riß mit der Wappentafel haben die Buchstaben rechtwinklig angesetzte Sporen und deutliche Bogenverstärkungen. Über dem Schaft der 1, der unten gespalten ist, sitzt ein Punkt, die 5 ist schräggestellt, die 2 spitz.

Das 1788 teilweise umgebaute Gebäude diente erst seit dem 30. September 1688 als markgräflich badisches Amthaus.4 Zuvor gehörte es dem Schneider Hans Karl Lang.4 Insofern dürfte die Wappentafel also auf keinen ehemaligen Amtmann bzw. Vogt verweisen; vielmehr wird man sie gerade zur Vermeidung eines solchen Mißverständnisses um 1688 unter Putz gelegt haben. Folglich ist dem Befund lediglich zu entnehmen, daß ein unbekannter Angehöriger der aus Pforzheim stammenden Familien Göldlin oder Goeslin auch in Bühl ansässig war und offenbar im Jahre 1562 dieses Haus errichtete.5 Ein Peter Goeslin ist für das Jahr 1538 als Pforzheimer Bürgermeister bezeugt.6

Textkritischer Apparat

  1. Unterbrechung durch die Helmzier.
  2. Ergänze aufgrund des Wappens vermutlich G(ÖLDLIN) oder G(ÖSLIN), vgl. zur Schreibung DI 57 (Pforzheim) nrr. 20, 230.

Anmerkungen

  1. Vgl. GLA Karlsruhe 229/15008, Wappen, o. S.
  2. Freundlicher Hinweis der Herren Michael Rumpf und Dr. Marco Müller, Stadtgesch. Inst. Bühl.
  3. Geteilt, darin zwei aus einer unterhalben Lilie herauswachsende gestielte Rosen. Helmzier: Lilie. Zur Identifizierung vgl. DI 57 (Pforzheim) nrr. 14, 19 (Göldlin) bzw. 25, 64, 203, 205, 230, 234 (Goeslin; Wappen identisch).
  4. Vgl. Joseph Harbrecht, Die herrschaftlichen Amthäuser, in: Bühler Blaue Hefte 1 (1957) 63f., hier 64.
  5. Zur ursprünglichen Verwandtschaft beider Familien vgl. Hans-Peter Becht, Pforzheim im Mittelalter. Bemerkungen und Überlegungen zum Stand der Forschung, in: Pforzheim im Mittelalter. Studien zur Geschichte einer landesherrlichen Stadt, hg. v. Hans-Peter Becht (Pforzheimer Geschichtsblätter 6), Sigmaringen 1983, 39–62, hier 48–53. S. a. die Literaturangaben in DI 57 (Pforzheim) nr. 19 Anm. 1.
  6. Vgl. Pflüger, Geschichte 284, 301.

Nachweise

  1. GLA Karlsruhe 229/15008, Wappen, o. S. (Abb.).

Zitierhinweis:
DI 78, Stadt Baden-Baden und Landkreis Rastatt, Nr. 318† (Ilas Bartusch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di078h017k0031809.