Inschriftenkatalog: Stadt Baden-Baden und Landkreis Rastatt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 78: Stadt Baden-Baden und Landkreis Rastatt (2009)

Nr. 282 Gernsbach, Katzscher Garten (Bleichstr. 9) 1550

Beschreibung

Flachbogenportal. Innerhalb des Gartens der Zugang zum Wehr an der Murg. Hier nicht in situ; Provenienz unbekannt.1 Rötlicher Sandstein. Der den Durchgang mit einem Flachbogen überspannende Sturz ist auf der Ostseite mit einem vorgeblendeten Gebälk versehen. Er ruht auf zwei offenbar nicht zugehörigen Pfosten, deren Pilaster, Basen und Kapitelle floral verziert sind. Im Fries die zeilenweise eingemeißelte Inschrift, die rechts neben der linken Verkröpfung beginnt. Die verkröpften Gesimsabschnitte tragen je einen aufgelegten Wappenschild.

Maße: H. 235, B. 185, Bu. 4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 78, Nr. 282 - Gernsbach, Katzscher Garten (Bleichstr. 9) - 1550

 Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/2]

  1. ALLER · WELT · SINN · VND · MVDT · STODT · NOCH · ZITLICHEMa) / GVDT · VND · WAN · MIR DAS · ERWERBEN · SO · LEGEN · MIR · VNNSb) / NIDER · VND · STERBENc)2)ANNO · DOMINI · M · D · L · IARd)

Versmaß: Deutsche Reimverse.

Wappen:
unbekannt3, unbekannt3.

Kommentar

Die Kerben der Buchstaben sind gleichbleibend schmal geschlagen, C, D, H, M und W nahezu quadratisch proportioniert. Das obere Ende der G-Cauda ist rechtwinklig nach innen umgebrochen. Der Mittelteil des geraden M bleibt in der Regel auf die obere Zeilenhälfte beschränkt. Das N ist stets retrograd, das O unten spitz, die Cauda des R geschwungen und ausgestellt. Als Worttrenner dienen kleine Dreiecke auf halber Zeilenhöhe.

Die Buchstabenformen, aber auch die Profilierung des Portalsturzes lassen deutlich erkennen, daß er demselben Steinmetzen zuzuweisen ist, von dem auch die Inschrift am Eingangsportal zum Katzschen Garten und der Gernsbacher Marktbrunnen stammen.4 Dem unbekannten Wappenbild ist zumindest zu entnehmen, daß der Auftraggeber der Murgschifferschaft angehörte.5

Textkritischer Apparat

  1. Ab dem L Fortsetzung auf der rechten Verkröpfung. Der obere Abschnitt des H wird durch den von oben in das Schriftfeld hineinragenden Wappenschild scheinbar überdeckt.
  2. MIR · VNNS] Ab dem R Fortsetzung auf der rechten Verkröpfung.
  3. Danach ein größeres Spatium.
  4. M · D · L · IAR] Ab dem L Fortsetzung auf der rechten Verkröpfung.

Anmerkungen

  1. Der Katzsche Garten wurde erst 1803 unter Verwendung zahlreicher Spolien angelegt, vgl. Kieser u. a., Kunst- u. Kulturdenkmale RA/BAD 216; Kappler, Der Katz’sche Garten 133.
  2. Vgl. die inhaltlich verwandten Sprichwörter in TPMA, Bd. 11, 346 nrr. 458f.; Dt. Sprichwörter-Lexikon, Bd. 1, Sp. 852 (Lemma „Erwerben“ nr. 7).
  3. Schifferzeichen nr. 7 (eine Längsschindel, eine schwebende Schräglinksleiste (?) und eine weitere Längsschindel pfahlweise übereinander).
  4. Vgl. nrr. 269, 272.
  5. Vgl. die Haupt- und Schwartenzeichen der Gernsbacher Murgschiffer in Scheifele, Murgschifferschaft 134; Jägerschmid, Murgthal 170f.

Nachweise

  1. Kdm. Rastatt 184.
  2. Kappler, Der Katz’sche Garten 136.

Zitierhinweis:
DI 78, Stadt Baden-Baden und Landkreis Rastatt, Nr. 282 (Ilas Bartusch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di078h017k0028204.