Inschriftenkatalog: Stadt Baden-Baden und Landkreis Rastatt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 78: Stadt Baden-Baden und Landkreis Rastatt (2009)

Nr. 75 Gernsbach, ev. Pfarrkirche (St. Jakob) 1456 oder später, 1594

Beschreibung

Fragment der Grabplatte für den Gernsbacher Bürgermeister Klaus Reinbolt und in Zweitverwendung für einen Unbekannten. In der südöstlichen Ecke des Langhauses neben dem Triumphbogen im Boden. Rötlicher Sandstein. Die ursprüngliche Platte war durch dünne Ritzlinien in ein asymmetrisch nach links verlagertes Binnenfeld mit Ritzzeichnung, von der nur noch minimale Reste vorhanden sind, und eine teilweise umlaufende Rahmenleiste mit Inschrift (A) untergliedert. Die Schriftzeile endete vermutlich in der linken unteren Ecke. Für die Zweitverwendung wurde die Platte um 180° gedreht und die Ritzzeichnung getilgt, um im Binnenfeld die zeilenweise angeordnete Inschrift (B) unterzubringen. Zu unbestimmter Zeit ist das Grabmal beschnitten worden, so daß nur noch ein unterer Abschnitt vorhanden ist. Deshalb sind beide Inschriften erheblich verstümmelt. Die Oberfläche ist abgetreten, am heutigen linken oberen Rand auch abgearbeitet.

Maße: H. 56, B. 71,5, Bu. 6,5 (A), 9 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versal (A), Kapitalis (B).

DI 78, Nr. 075 - Gernsbach, ev. Pfarrkirche (St. Jakob) - 1456 oder später, 1594

 Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. A

    [– – – / – – –] vir · Clavs · rei(n)b[olta) / – – –]

  2. B

    ANNO DOM=/INIb) 1594 / DEN 13 FEBR/VARII STARBc) / DER ERNHAFTd) / [– – –]

Übersetzung:

(…) Mann Claus Reinb(olt …). (A)

Kommentar

In Inschrift (A) ragen die Oberlängen, aber auch der obere Bogen des a deutlich aus dem Mittelband hervor, während der Versal C auffallend klein ist. Dessen Bogen ist vollkommen ausgerundet und durch einen Abschlußstrich geschlossen. Als Worttrenner dienen Quadrangel auf halber Zeilenhöhe.

Inschrift (B) ist in scriptura continua wiedergegeben. Die Buchstaben sind äußerst schmal proportioniert. Das A hat einen beiderseits überstehenden Deckbalken. Das obere Bogenende des D ragt nach links über den Schaft hinaus. Der Mittelteil des konischen M bleibt auf die obere Zeilenhälfte beschränkt; das O ist spitzoval. Der Schaft der 1 ist nach rechts durchgebogen und mündet unten wie der Bogen der 5, der unmittelbar am Balken ansetzt, in eine Zierschleife. Der Bogen der 9 ist offen.

Klaus Reinbolt stammte aus einer bedeutenden Gernsbacher Schifferfamilie, deren Angehörige zwischen 1535 und 1642 durchgängig im Gericht und Rat der Stadt vertreten waren.1 Er selbst ist für das Jahr 1456 gemeinsam mit Hans Nunnermann als Bürgermeister nachgewiesen.2

Die Totenbücher der evangelischen Pfarrei sind erst seit dem Jahre 1605 erhalten.3 Somit läßt sich nicht mehr ermitteln, wem die jüngere Grabschrift galt.

Textkritischer Apparat

  1. Ergänzung in der archivalisch bezeugten Schreibweise von 1456: „Claus Reynbolt“, vgl. Hennl, Gernsbach 283.
  2. Als Silbentrennungszeichen dienen zwei senkrecht übereinandergestellte Quadrangel rechts der Rahmenritzlinie auf dem Plattenrand.
  3. Das B rechts von der Rahmenritzlinie auf dem Plattenrand.
  4. DER ERNHAFT] Infolge der Beschneidung der Platte fehlt jeweils das untere Viertel der Buchstaben. Das T überlagert die rechte Rahmenritzlinie.

Anmerkungen

  1. Vgl. Hennl, Gernsbach 222.
  2. Vgl. ebd. 283.
  3. Vgl. ebd. XV.

Zitierhinweis:
DI 78, Stadt Baden-Baden und Landkreis Rastatt, Nr. 75 (Ilas Bartusch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di078h017k0007509.