Inschriftenkatalog: Aachen (Stadt)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 32: Stadt Aachen (1993)

Nr. 60† St. Adalbert 1523

Beschreibung

Laurentiusglocke, 1898 zerschlagen. Die Inschrift (A) bildete ein Spruchband, das oben und unten reich mit gotischen Ornamenten verziert war. Darunter vier Medaillons verschiedener Größe mit Darstellungen Mariens, des hl. Adalbert, des hl. Laurentius sowie eines weiteren, nicht identifizierten Heiligen. Die Position der Inschrift (B) ist nicht überliefert. Versenden durch Rosetten gekennzeichnet. Eine Rosette trennt in (B) auch den Gießernamen und das Datum.

Text nach Boeckeler, Tf. VIIc.

Maße: H. 105, Dm. 140 cm.

Schriftart(en): Frühhumanistische Kapitalis.1)

DI 32, Nr. 60 - St. Adalbert - 1523

 Reproduktion nach: H. Boeckeler, Beiträge zur Glockenkunde, Aachen 1882, Tf. VIIc [1/1]

  1. A

    · AENEA SVM TITVLO LAVRENTIVS ORDINE SACRA · NON METVO FRAVDEM SATHANAE PIAa) MVLCEO CORDA · AD TEMPLVM VOCO RELLIGIOb) PLACET ODIO CVRAS · ET SVM CAVSA PRECVM QVAS MENS FERT LIBERA CHRISTO ·

  2. B

    FVDIT ME JOANNES TREVIRVS · ANNO D(OMI)NI 1523c)

Übersetzung:

Erzern bin ich, dem Namen nach Laurentius, der Gattung nach heilig, ich fürchte nicht die List des Satans, ich besänftige die frommen Gemüter, zum Tempel rufe ich, Gottesdienst gefällt, ich hasse die Sorgen und bin die Ursache der Gebete, welche der freie Geist Christus darbringt.

Johannes von Trier goß mich im Jahre des Herrn 1523.

Versmaß: Hexameter (A).

Kommentar

Die Nachzeichnung der Inschrift läßt erkennen, daß die Schrift mit retrogradem N, H mit ausgebuchtetem, A mit gebrochenem Querstrich entscheidende Merkmale der frühhumanistischen Kapitalis aufwies. Der senkrechte Schaft des unzialen D ist im rechten Winkel nach links abgeknickt. Dieselben Buchstabenformen hat Johannes von Trier für eine 1535 gegossene Glocke in Erkelenz verwandt.2)

Der Gießer Johannes von Trier goß im Jahre 1535 auch die Marien- und die Johannesglocke des Aachener Domes (DI Aachen Dom, Nr. 99, 100). Wie diese trägt auch der Text der Laurentiusglocke deutlich humanistische Züge, ist aber wesentlich kürzer. Boeckeler schlägt, ebenso wie für die beiden Domglocken, den Kanoniker am Marienstift Leonard Priccard als Verfasser vor.3)

Textkritischer Apparat

  1. PIA Umständlicher Bericht, KDM.
  2. RELIGIO KDM, Walter, Gatzweiler.
  3. 3 quer über die beiden mittleren Ziffern gelegt.

Anmerkungen

  1. Angaben nach Boeckeler.
  2. Vgl. Renard, Glocken, Abb. 20f. auf S. 18f.
  3. Beiträge S. 29.

Nachweise

  1. Umständlicher Bericht, S. 14.
  2. Boeckeler, Beiträge, S. 29 u. Tf. VII c.
  3. Walter, Glockenkunde, S. 307.
  4. KDM 10,2, S. 26.
  5. Gatzweiler, Adalbertstift, S. 253 Anm. 4.

Zitierhinweis:
DI 32, Stadt Aachen, Nr. 60† (Helga Giersiepen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di032d002k0006001.