Inschriftenkatalog: Aachen (Stadt)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 32: Stadt Aachen (1993)

Nr. 7 Burtscheid, St. Johann Baptist um 1230/40

Beschreibung

Vortragekreuz. Aachener Werkstatt. Vergoldetes Silberblech und Niello auf einem Holzkern. Die Schauseite des Doppelkreuzes ist mit Filigran und Steinen besetzt. In den Schnittpunkten der Arme zwei abnehmbare Kreuze, hinter denen Reliquien aufbewahrt werden. Auf der Rückseite Christus am Kreuz, dessen Blut von der Ecclesia in einem Kelch aufgefangen wird. Darüber in der oberen Vierung die Maiestas Domini mit Buch und zum Segen erhobener Rechter, flankiert von den Halbfiguren zweier Engel mit den Leidenswerkzeugen. In den lilienförmigen Enden des senkrechten Armes und des unteren Querarmes die Evangelistensymbole mit leeren Spruchbändern. Als Untergrund der Darstellung die Ranke des Lebensbaumes. Die Inschrift läuft auf einem schmalen Randstreifen rund um die Rückseite des Kreuzes, beginnend an der Oberseite des unteren linken Querarmes. Darstellungen und Inschrift in Niello. Mehrere Restaurierungen im 18. und 19. Jh.

Maße: H. 34,3 (ohne Dorn), B. 18,5, Bu. 0,2 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 32, Nr. 7 - Burtscheid, St. Johann Baptist - um 1230/40

 AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften [1/4]

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Übersetzung:

Vom Blute des Herrn, von der Dornenkrone, vom Holz des heiligen Kreuzes, von der Krippe und vom Grabe, vom Stein der Himmelfahrt des Herrn, vom Haar, von den Kleidern, vom Gürtel, vom Grab der seligen Jungfrau Maria, von den Reliquien der seligen Anna, von den Reliquien des seligen Johannes Baptist und aller Apostel, des ersten Märtyrers Stephan, des Laurentius, des Sixtus, des Vincentius, des Georg, des Christophorus, des Blasius, des Alexius, des Eustatius, des Pantaleon, des Theodor, des Florentius, des Fabianus, des Sebastianus, des Celsius, des heiligen Bekenners Nikolaus, des Silvius, des Servatius, des Martin, des Maximin, des Ägidius, der Maria Magdalena, der Ursula, der Margarethe, von den Haaren der hl. Katharina, der Scholastica, vom Kreuze Petri, ein Zahn des hl. Bartholomäus und ein Zahn des hl. Andreas, vom Rock des hl. Johannes Baptist, vom Rost des hl. Laurentius.

Kommentar

Das Kreuz entstand wenige Jahre nach der Übernahme der Abtei durch die Zisterzienserinnen um 1220.1) Die Inschrift bezeichnet annähernd den gesamten Reliquienbestand des Klosters.2)

Die gotische Majuskel mischt kapitale und unziale Formen von B, D, F, M, N und T, die Kapitalbuchstaben überwiegen jedoch. A wird fast ausschließlich kapital, E hingegen nur unzial und meist mit Abschlußstrich verwendet. Bei Verdoppelungen wird die Buchstabenform nicht variiert. Alle Buchstaben zeigen eine starke Sporenbildung. Besonders im ersten Teil der Inschrift werden die Worte teilweise extrem gekürzt, wobei die Kürzungsstriche meist zwischen zwei Buchstaben angebracht sind. Die Rückseite stammt vermutlich aus der Werkstatt des jüngeren Marienschreinmeisters.3)

Textkritischer Apparat

  1. Kürzung durch Kreuzchen.
  2. Tachygraphisch.
  3. Sic!
  4. Kürzungszeichen fehlt.

Anmerkungen

  1. Wurzel, S. 37f.
  2. Vgl. die Auflistung bei Bock, Reliquienschätze, S. 24f.
  3. Schnitzler, Goldschmiedeplastik, S. 107f.; Zeit der Staufer I, Nr. 569.

Nachweise

  1. Grimme, Große Jahrhunderte, S. 60f. mit Abb.
  2. Große Kunst, S. 29f. u. Tf. 37f.
  3. OE III, H 31 u. Abb. S. 114f.
  4. Zeit der Staufer I Nr. 569; II Abb. 374.
  5. Maier, Kirchenschatz, S. 57.

Zitierhinweis:
DI 32, Stadt Aachen, Nr. 7 (Helga Giersiepen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di032d002k0000704.