Inschriftenkatalog: Aachen (Dom)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 31: Aachen Dom (1992)

Nr. 100† Dom 1535

Beschreibung

Johannesglocke. 1656 beim Stadtbrand zerstört.

Wortlaut nach à Beeck.

  1. A

    Addo tertiam et in hoc trisono pausoa)nomen Ioannes vastae cultoris eremiest mihi terrigenas moneo ut coelestia quaerantabluat et lacrymis sua quisque piacula tempusest hodie sero multi sapuere caveto

  2. B

    me Ioannes Schönrat sanctae sedis apostolicae protonotarius aulaeque lateranensis comes huius insignis ecclesiae decanus artifice Ioanne Treviro cive Aquensi fundi procuravit anno MDXXXV

Übersetzung:

Ich füge die Terz hinzu und halte in diesem Dreiklang inne.

Der Name des Johannes, des Bewohners der wüsten Einöde, ist mir gegeben; ich ermahne die Erdbewohner, daß sie das Himmlische suchen sollen und jeder mit Tränen seine Sünden abwaschen soll. Heute ist es noch Zeit, zu spät haben viele es empfunden; hüte dich!

Mich ließ gießen Johannes Schönrad, des heiligen Apostolischen Stuhls Protonotar1) und Graf des Laterans, Dekan dieser berühmten Kirche, durch den Künstler Johann von Trier, Aachener Bürger, im Jahre 1535.

Versmaß: Hexameter (A).

Kommentar

Ebenso wie die Inschrift der Marienglocke weicht dieser Text durch seine sprachliche Form von den üblichen Glockensprüchen ab. Boeckeler vermutet, daß der Text ebenso wie die Inschrift der Marienglocke von dem Aachener Kanonikers Leo Priccard verfaßt wurde.2) Johann von Trier goß im selben Jahr die Marienglocke für den Dom (Nr. 99) sowie im Jahre 1523 die Laurentiusglocke für St. Adalbert (DI Aachen/Stadt, Nr. 60). Zu Johannes Schönrad, Dekan von 1520 bis 1541, vgl. Nr. 93.

Textkritischer Apparat

  1. om. Boeckeler, Walter, KDM.

Anmerkungen

  1. Schönrad ist 1533 und 1535 auch urkundlich als päpstlicher Protonotar bezeugt (Offergeld, S. 767). Mehrere Tür- oder Fensterstürze aus den früheren Dechaneigebäuden tragen neben seinem Namen auch sein Wappen mit dem Protonotarshut (Nr. 93, 98, 102, 103).
  2. Boeckeler, S. 31. Zu Priccard vgl. Nr. 99.

Nachweise

  1. à Beeck, p. 53.
  2. Boeckeler, Beiträge, S. 31.
  3. Walter, Glockenkunde, S. 310.
  4. KDM 10, 1, S. 191.

Zitierhinweis:
DI 31, Aachen Dom, Nr. 100† (Helga Giersiepen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di031d001k0010005.