Inschriftenkatalog: Aachen (Dom)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 31: Aachen Dom (1992)

Nr. 96 Dom, Schatzkammer 1. Drittel 16. Jh.

Beschreibung

Schrein des Hl. Felix aus dem 11. Jh. mit jüngerer Inschrift. Byzantinisch oder byzantinisierend1). Im Depot. Holzkern, mit Silberblech beschlagen. Der kastenförmige Schrein wird von vier seitlich angesetzten Säulen getragen. Der noch im 11. Jh. hinzugefügte Deckel ist durch getriebenes Rankenwerk und am Rand durch zahlreiche Zellenschmelze verziert. In der Mitte sind vier rechteckige, durch erhabene Ränder eingefaßte Felder kreuzförmig angeordnet, die im 14. Jh. als Ersatz für ihre Emailfüllung ebenfalls mit Rankenornamenten in Treibarbeit gefüllt wurden. Dazwischen sitzen fünf erneuerte Edelsteine. Die getriebenen Laubornamente der Langseiten werden unterbrochen durch sechs kreis- und 24 halbkreisförmige, durch erhabene Ränder eingefaßte Felder, die ursprünglich wohl mit Zellenschmelzen gefüllt waren, heute aber leer sind. Der größte, in der Mitte der Schauseite befindliche Kreis trägt die eingravierte Inschrift. Um den sechszeiligen Text ist eine dünne Umrandung eingraviert, die ein mit Nägeln befestigtes Tuch nachempfindet. Die Ornamente, die dieses Schriftfeld umgeben, weisen auf Hans von Reutlingen hin.2) An der linken unteren Ecke der linken Schmalseite soll sich eine barocke Inschrift befunden haben, die bei einer Restaurierung entfernt wurde.3)

Maße: H. 23, B. 50, T. 22,5, Bu. 0,5 cm.

Schriftart(en): Frühhumanistische Kapitalis.

DI 31, Nr. 96 - Dom, Schatzkammer - 1. Drittel 16. Jh.

 AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften [1/1]

  1. HIC · CONSERVANTVR / SANCTORV(M) · FELICIS EP(ISCOP)I · ET / · M(ARTY)RIS · AC · MARINE · ET · / · CRISTINEa) · VIRGINVM / · MVLTORV(M)Q(VE)b) · ALIORV(M) / · SACRE · RELIQVIE

Übersetzung:

Hier werden die heiligen Reliquien der Heiligen Felix, des Bischofs und Märtyrers, und der Jungfrauen Marina und Christina und vieler anderer aufbewahrt.

Kommentar

Die Schrift zeigt das retrograde N, A mit breitem Deckbalken und gebrochenem Querstrich, Q in Minuskelform. Alle Kürzungsstriche und der Querbalken des H haben Ausbuchtungen. Die Worttrennung erfolgt durch Doppelpunkte; drei im Dreieck angeordnete Punkte bilden das Schlußornament. Die Zuweisung der Umgestaltung an Hans von Reutlingen wird durch den paläographischen Befund gestützt: Die Buchstabenformen stimmen mit denen des Einbandes des Reichsevangeliars (Nr. 86) und des Pollart-Kelches (Nr. 92) überein.

Textkritischer Apparat

  1. CHRISTINE KDM, Grimme.
  2. Z-förmiges Kürzungszeichen mit kurzem Querstrich. MVLTORV(M)QE Bock.

Anmerkungen

  1. Vgl. Beissel, Aachenfahrt, S. 18; F. Bock, Die byzantinischen Zellenschmelze der Sammlung Dr. Alex von Swenigorodskoi in Aachen, 1896, S. 90; Grimme, a. a. O., S. 47.
  2. Grimme, a. a. O., S. 48.
  3. Freundliche Mitteilung von Herrn Dr. Minkenberg, Domschatzkammer Aachen.

Nachweise

  1. Bock, Pfalzkapelle I, S. 83 u. Fig. 37.
  2. KDM 10, 1, S. 203 u. Fig. 145f. S. 206.
  3. Floss, Geschichtliche Nachrichten, S. 183 Anm. ***.
  4. Grimme, Domschatz, Nr. 32 u. Taf. 34.

Zitierhinweis:
DI 31, Aachen Dom, Nr. 96 (Helga Giersiepen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di031d001k0009605.