Inschriftenkatalog: Aachen (Dom)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 31: Aachen Dom (1992)

Nr. 93 Dom, Kreuzgang (früher Dechanei) 1528

Beschreibung

Fragment eines tympanonförmigen Türsturzes. Nach dem 2. Weltkrieg als Spolie in die Südwand des Kreuzgangs eingefügt. Blaustein. Linkes Drittel abgebrochen, ebenso rechte untere Ecke. In der Mitte das Wappen des Dechanten Johannes Schönrad mit Protonotarshut. Inschrift am oberen Rand. Buchstaben tief eingehauen.

Maße: H. ca. 60, ursprüngl. B. ca. 216, Bu. ca. 7,0 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 31, Nr. 93 - Dom, Kreuzgang (früher Dechanei) - 1528

 AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften [1/1]

  1. [.........]d decan(us) Aquen(sis)a) / [15] 28

Wappen:
Schönrad/della Rovere1)

Kommentar

Der Stein wurde zusammen mit mehreren anderen Tür- oder Fensterstürzen gefunden, als 1899 die mittlerweile als Schulgebäude genutzten Dechaneigebäude abgebrochen wurden.2) Der genaue Fundort wurde nicht vermerkt. Johannes Schönrad hatte 1492 an der Kölner Universität den Grad eines Baccalarius artium erworben.3) 1504 wurde er als Kanoniker am Marienstift zugelassen, 1520 erfolgte seine Wahl zum Dechanten.4) Dieses Amt übte er bis zu seinem Tode 1541 aus. Er besaß eine weitere Pfründe in Maastricht und ist als päpstlicher Protonotar und Graf des Lateran belegt.5) Johannes Schönrad dürfte mit dem Kleriker gleichen Namens identisch sein, der in zwei päpstlichen Bullen von 1511 bzw. 1513 als Familiar des Papstes Julius II. bezeichnet wird.6) In seiner Zugehörigkeit zu den päpstlichen Familiaren ist wohl der Grund für die Übernahme des päpstlichen Familienwappens in sein eigenes Wappenbild zu sehen. Schönrad gehörte zum Kreis der Aachener Erasmianer.7) Wie Leonard Priccard stand er mit Erasmus selbst im Briefwechsel.8) Vgl. Nr. 95, 98, 100–104.

Textkritischer Apparat

  1. Über dem u ein schwach eingehauenes o.

Anmerkungen

  1. Die Steineiche im 1. und 4. Feld ist das Wappenbild des Papstes Julius II. (della Rovere). Buchkremer, Dechanei, S. 46. Das eigentliche Familienwappen zeigt nur einen geschachten, rechtsschrägen Balken (Macco, Wappen 2, S. 131 u. Tf. 93).
  2. Buchkremer, Beiträge I, S. 42.
  3. Keussen, Mat. 2, 406, 41.
  4. Offergeld, S. 766f.
  5. Offergeld, S. 767. Zur Institution des Protonotars vgl. W. von Hoffmann, Forschungen zur Geschichte der kurialen Behörden vom Schisma bis zur Reformation, Bd. 1, Rom 1914, S. 56–67.
  6. Offergeld, S. 770f. Anm. 1.
  7. Contemporaries of Erasmus Bd. 3, S. 227f.
  8. Opus epistolarum III, Nr. 972; VI, Nr. 2130.

Zitierhinweis:
DI 31, Aachen Dom, Nr. 93 (Helga Giersiepen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di031d001k0009301.